| Wir haben
ein Problem mit unserem Töchterchen: 3 Jahre alt. Sie
war ein Kind, das immer sehr gerne und viel schlief. Doch seit ca. 2 Monaten, ungefähr zwei Wochen nachdem die Schnullerfee (auf ihren Wunsch, nachdem ich ihr 3 - 4 Mal das Buch vorlesen musste) bei ihr war und den Schnuller geholt hat, will sie abends nicht mehr einschlafen. Sie ist vor dem Abendessen furchtbar müde, wenn wir unterwegs sind, schläft sie fast im Auto ein. Doch ungefähr eine Stunde, bevor sie ins Bett geht (wir haben jeden Abend dasselbe Ritual, sie weiß also, wann Zubettgehzeit ist) ist sie wie verwandelt: das bravste Kind, das man sich vorstellen kann, sie spielt alleine glücklich und zufrieden mit ihren Spielsachen. Ich kündige ihr rechtzeitig an, dass es jetzt spät ist, sie das, mit dem sie gerade spielt noch fertig spielen darf und dass ich sie dann fürs Bett richte. Sobald sie den Schlafanzug sieht kommt schon das erste "Nein, ich will nicht" (Kommt tagsüber übrigens 5 bis 10mal). Mit Tricks und überreden schaffen wir es dann aber ohne größere Probleme den Schlafanzug anzuziehen und Zähne zu putzen. Nach der Gutenachtgeschichte gehts dann ins Bett, und wieder "Nein ich will nicht", aber auch hier wieder mit Tricks geht das ohne Geschrei (ich sag zum Beispiel: "Heute schläfst Du mal ohne deinen Bär. oder ohne Dein Kissen" und dann kommt natürlich prompt: Nein, mit dem Bär. Und sie darf dann mit dem Bär ins Bett und ist abgelenkt von dem "Nein, ich will nicht ins Bett"). Aber dann möchte sie, dass ich nach dem Gutenachtgebet noch bei ihr sitzen bleibe, was ich auch mache. Aber sie braucht dann 1 bis 1 1/2 Stunden bis sie schläft. In dieser Zeit will sie trinken, aufs Klo, ihre Decke ist verrutscht oder das Kissen. Das Problem ist, dass ich diese abendliche Zeit dringend brauche, um alles zu erledigen, was ich tagsüber nicht machen kann: Haushalt, arbeiten (ich hab einen Heimarbeitsplatz), ... Und so kann ich oft erst um 11 Uhr damit anfangen, was mir einfach zu spät ist. Wenn ich ihr sage "Ich bleib 5 Minuten an deinem Bett sitzen, dann gehe ich rüber, lass aber die Tür offen, damit du mich hörst" Kommt wieder "Nein" und wenn ich dann gehe fängt sie an zu schreien. Ich möchte eigentlich nicht, dass der Tag mit Geschrei endet und sie weinend einschläft, also bleib ich eben sitzen. Obwohl sie nicht richtig weint: sie hat keine einizge Träne im Auge und ich erkenne ihr Schreien, wann es echt ist und wann nur gespielt. Bei diesem Schreien hat sie keine echte Not. Ich hab den Eindruck, dass sie einfach eine Show abzieht: sie sagt zum Beispiel mit einem Lächeln im Gesicht "Mama, ich möchte trinken", in Abständen von 1 Minute, oft 10 Mal. Ihr kleiner Bruder schläft aber auch mit in ihrem Zimmer und er erschrickt, wenn sie so furchtbar brüllt und weint dann auch. Manchmal reisst mir der Geduldsfaden nach 1 1/2 Stunden am Bett sitzen und ich schimpfe mit ihr, dass sie jetzt endlich schlafen muss, nehm sie etwas kräftiger an den Armen, leg sie hin. Dann jammert sie kurz (da bin ich mir nicht ganz sicher, ob es Show ist) und schläft dann mit einem Lächeln im Gesicht ein. Es kann doch aber nicht richtig sein, dass sie nur einschläft wenn ich mit ihr schimpfe? Ist das Schreien wirklich nur ein Trotz? (Tagsüber ist es das öfters, da lass ich sie den Trotz dann auch ausleben und sie brüllt, beruhigt sich aber erstaunlich schnell nach 1 Minute). Abends möchte ich sie eigentlich nicht brüllen lassen, außerdem hat sich unser Untermieter schon beschwert, wenn sie abends schreit und der Bruder weint ja auch. Ich hab schon viele Tricks probiert wie: Ich leg Dir heute mein Kissen ins Bett oder Komm wir bauen Dir eine Höhle, unter der Du schlafen darfst, ich hab ihr ein kleines Nachtlicht gekauft, ... Hat alles gar nicht oder nur einen Abend gewirkt. Ich hab schon versucht, den Bruder bei uns im Schlafzimmer schlafen zu lassen, aber besteht darauf, dass er in ihrem Zimmer schläft. Haben sie mir einen Tip? Weiter am Bett sitzen und abwarten, bis es irgendwann besser wird? Mit freundlichen Grüßen und einem Dank für ihren Tip Hallo Herr Schmidt, |
Hallo,
vielen Dank für Ihre Briefe! Sie sind offensichtlich eine sehr
einfühlsame und liebe Mutter, daran kann es nicht liegen. Ich
glaube fast, Sie sind etwas zu nachgiebig und überängstlich.
Sie dürfen ruhig etwas strenger und unnachgiebiger mit Ihrer
selbstbewussten kleinen Dame umgehen! Sie ist in einem Alter, wo
die Kinder auf Unabhängigkeit und Autonomie aus sind, aber auch
gerne noch sehr an Mamas Rockzipfel klammern. Wenn die Kinder
spüren, dass die Mama sich in Trennungssituationen
(Schlafengehen ist ja auch ein kleiner Abschied von der Mama)
ängstlich und allzu nachgiebig verhält, denken sie nicht
selten, die Mama selbst könne oder wolle sich nicht gern von
ihnen verabschieden. Erst wenn die Mama dies deutlich macht und
einen Schlussstrich zieht, ist alles klar.
Sprechen Sie am Besten mit Ihrem Nachbarn, dass es die nächsten
Abende etwas Geschrei geben wird, weil sie ihrer Tochter nun
helfen wollen, problemlos zu Bett zu gehen, und machen Sie alles
so wie bisher mit dem einen Unterschied, dass Sie nach
spätestens einer halben Stunde Einschlafritual sich definitiv
verabschieden und erwarten, dass die Tochter nun einschläft.
Wenn sie Theater macht, lassen Sie sie. Gehen Sie nicht wieder
hinein. Ich glaube, sie wird rasch und mit Beruhigung merken,
dass es Zeit ist, einzuschlafen, und ihr Theater beenden. Ihre
Tochter, Ihr Sohn, Sie selbst und der Nachbar werden sich freuen.
Alles Gute, Ihr
DIpl.-Psych. H.-R. Schmidt