Sehr geehrter Herr Schmidt !   Zur Vorgeschichte möchte ich (42) Ihnen mitteilen, daß ich von meiner Tochter (24) ihrem Vater geschieden bin. Wir zogen vor ca. 10 Jahren vom Heimatort (ehem. DDR) nach H, ihr Vater blieb dort. Von Anfang an hatte ich mit meiner Tochter hier Erziehungprobleme, Z.B. erpresste sie mich, daß sie zu ihrem Vater ziehen will.Sie glaubte mich damit in der Hand zu haben, um ihre Ziele durchsetzen zu können. Ich nenne es: "mir auf der Nase herumtanzen wollen". Ich regierte wider Erwarten mit einer Einwilligung, was sie verblüffte. Dann langes Schweigen. Wahrscheinlich nahm ich ihr damit den Wind aus den Segeln. Dann verliebte sie sich in den Bruder meines jetzigen Mannes.Ich regelte alles, daß sie in das Haus unserer jetzigen gemeinsamen Schwiegermutter ziehen konnte, um ihrem jetzigen Mann nahe zu sein, aber auch aus Platzgründen.Ich wußte keine andere Lösung oder Ausweg mehr.Ich heiratete wieder. 1 Jahr später heiratete sie den jüngsten Bruder meines jetzigen Mannes.Nun wohnt sie in dem Haus seiner Herkunftsfamilie.Ich bin entzwischen Oma zweier Enkel. Meine Tochter begann im August vergangenem Jahres eine 3- jährige Berufsausbildung. Sie bestimmte über unseren Kopf hinweg, daß wir die Kinder vom Kindergarten abholen müßten. Diese Unterstützung ist mit Ausgaben unsererseits verbunden gewesen (ca. 150,- € monatl.).Das ging 4 Monate gut, bis ein zusätzliches Problem wieder eintrat. Es gibt da noch einen Bruder, der in dem Haus lebt. Als mein Mann der Hilfe zustimmte, wohnte er noch bei seiner Freundin. Genau zu meiner Tochter ihren Geburtstag wurde bekannt, daß besagter mit dieser Beziehung Schluß gemacht hat u. zog so langsam u. allmählich wieder dort ein. Genau hier beginnt mein eigendliches Problem, weil dieser Bruder ein Thyrann u. ein "rotes Tuch" für meinen Mann ist. Der Bruder hat kein Einkommen u. liegt meiner Tochter ihrer Familie auf der Tasche. Wir halfen kurz vorher wieder mit Geld, da meine Tochter mir zu ihrem Geburtstag nicht mal einen Krümel vorsetzen konnte. Meinen Enkeln gab ich schon Lebensmitteln (z.B. Wurst u. Schokolade) mit, die über Nacht von dem Bruder gegessen wurden. Mir kamen die Tränen als ich das erfuhr. Meine Enkel waren an Erkältung erkrankt u. ich übernahm die Fürsorge für eine Woche, natürlich alles gratis. Nebenbei erwähnt bin ich 80 % körperbehindert u. mein Mann ist ebenfalls invalidisiert. Wir bekommen beide eine EU-Rente. In dieser Woche erkrankte mein Mann u. ich noch selbst an einer Magen- u. Darmgrippe. Jetzt kommt der Clou des Problems:Meine Tochter überrumpelte mich mit einem Befehl: "Ihr müßt nächste Woche wieder die Kinder nehmen, weil wir nicht den Kindergarten bezahlen können."Ich hab' das erst gar nicht richtig registriert.Ich fragte darauf: "Könnt ihr nicht mehr Eure Kinder ernähren?" Freitags holte mein Schwiegersohn(der jüngste Bruder meines Mannes) die Kinder von uns ab. An diesem Abend bekam meine Enkelin  über 40 ° C Fieber u. sie wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Daraufhin war das Problem nicht mehr aktuell. Jetzt hatten mein Mann u. ich erst mal richtig Zeit über die Problematik richtig nachzudenken u. zu besprechen. Er sagte, daß er es nicht mehr mitmacht. Ich akzeptierte es erst einmal u. glaubte, daß er sich wieder beruhigt. Aber es eskalierte so, daß er meine Tochter der Wohung verweisen mußte. Ich wurde hysterisch u. schrie nur noch: "Ich will endlich meine Ruhe u. ich schaffe alles körperlich nicht mehr!" Sie schrie am Fenster von draußen, daß ich zum Psychater müßte. Ich schrieb ihr an dem Abend eine e-mail per PC.Wir finden keine Zeit bzw. Gelegenheit miteinander in Ruhe u. ohne Ablenkung zu sprechen. Nun haben sich in mir negative Gefühle aufgestaut, die zu diesem Ausbruch führten. Meine Tochter tippte ständig auf ihrem Handy ,wenn wir uns sahen.Dauernd hat sie Geldprobleme u. wir mußten Ihr finanziell helfen. Jetzt haben wir diese Hilfe abgelehnt u. ihr klar u. deutlich mitgeteilt, daß sie evtl. SMS- Sucht hat. Daraufhin erhielt ich von Ihr einen gehässig verfaßten Brief, in dem ich mit Vorwürfen sowie phantastischen Behauptungen aus vergangener Ehe überschüttet wurde, die sie aus ihrer Sichtweise falsch interpredierte. Sie gab mir versteckt, die Schuld, daß diese Ehe scheiterte, weil ich streitsüchtig gewesen sein soll.Wenn ich so weiter mache, würde mich mein jetziger Mann rausschmeißen. Dieser Brief beinhaltet auch Mobbing, der früher mit mir von meiner Herkunftsfamilie betrieben wurde.Ich hatte sogar mal kurz das Vertrauen zu meinen jetzigen Mann verloren.Dann war ich wieder im Keller. Jetzt habe ich den starken Verdacht, daß der von mir vergessene Mobbing von früher, wieder erneut per SMS mit ihrem Vater gegen mich hier weiter betrieben wird. Ich reagierte mit einem sachlichen Brief, in dem ich rechtliche Schritte androhte, falls dieser Psychoterror aus meiner 1. Ehe nicht beendet wird. Die größte Strafe, die ich nun erleiden oder erdulden muß ist, daß ich meine Enkel nicht mehr sehen kann, weil die gesammte Herkunftsfamilie meines Mannes (Mutter, Schwestern, Bruder) sowie mein Schwiegersohn den Kontakt auch zu seinem Bruder (mein Mann) abgebrochen hat. Er reagiert nicht auf SMS. Daraufhin blockt mein Mann jetzt seine ganze Familie ab u. möchte auch nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Ich merkte schon jahrelang, daß irgendwelche Intrigen hinter meinem Rücken gegen mich laufen. Ich wollte es nur nicht wahr haben, daß es meine eigene Tochter verursacht.  Abschließend möchte ich Ihnen noch mitteilen, daß ich mich von dem Nervenschock erholt habe u.es mir wieder gut geht, wenn nicht sogar besser, als in meinen letzten 10 Lebensjahren. Mein Mann ist wieder verständnisvoll u. zärtlich zu mir. Ich blühe täglich wieder mehr auf. Ich habe das Gefühl, als hätte ich eine Riesenlast von meinen Schultern geworfen.Mir wäre es lieb, wenn meine Tochter mich für die Zukunft in Ruhe läßt, damit ich endlich in Frieden u. Harmonie leben kann. Ich hätte noch die Frage : Wurde ich von meiner Tochter gemoppt ? Momentan ist zwischen ihr und uns funkstille. Ich möchte sie nicht mehr sehen, weil ich mich jetzt ohne sie wohler fühle.   Es grüßt sie lieb

Hallo,
na prima, dass es Ihnen so gut geht! Das ganze Beziehungsdurcheinander der letzten Jahre war ja wohl auch nicht mehr auszuhalten! Ihre Tochter ist erwachsen und muss nun endlich lernen, selbst zurecht zu kommen, ohne sich mit Ihnen zu streiten. Wenn sie sich vernünftig und erwachsen verhalten würde, wären Sie ja sicher die Letzte, die ihr nicht auch mal helfen würde. Aber ausnützen und erpressen lassen Sie sich nun nicht mehr, und das ist gut so!

Auch Ihr Mann macht es richtig, wenn er eine deutliche Grenze zu seiner Herkunftsfamilie zieht. Schließlich geht es um Ihre Ehe, die es zu schützen gilt. Sie merken es ja selbst, dass es Ihnen und Ihrem Mann gut tut, wenn er diese Grenze zieht. Manchmal muss man einfach mit seiner Herkunftsfamilie für unbestimmte Zeit brechen, um nicht hineingezogen zu werden in deren Chaos, in dem man dann selbst untergeht. Vergessen Sie deshalb auch Ihren früheren Mann und achten Sie überhaupt nicht mehr auf irgendwelches "mobbing" von dort. Schalten Sie einfach dauerhaft auf "stur" und "Durchzug", dann hört das von selbst auf.

Ich finde, Sie und Ihr Mann haben es richtig gemacht. Dass Sie dafür derzeit den Preis zahlen müssen, Ihre Enkelkinder nicht mehr zu sehen, ist zwar bitter, aber derzeit wohl leider nicht zu umgehen. Kommt Zeit, kommt Rat! Wenn Ihre Tochter erwachsen geworden ist und sich Ihnen gegenüber fair zu verhalten gelernt hat, kann sich ja eines Tages einiges wieder einrenken. Ihre Tochter wird früher oder später wieder ankommen. Aber dann bitte fair, ohne Frechheiten und Erpressung. Sonst ist Ihrerseits gleich wieder Sense!

Alles Gute wünscht
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt