Hallo Herr Schmidt,
zufällig bin ich auf diese Seite gekommen und habe mich sehr
gefreut das es Hilfe im Internet gibt (habe es nicht gewußt!)
Ich habe gedacht ich wende mich jetzt einfach mal an Sie, da ich
dringend Hilfe im Bezug auf meinen dreijährigen Sohn brauch.Nun
erst mal zu meiner Familie und mir. Ich bin 25Jahre jung habe zwei
Söhne (drei und eineinhalb)bin nicht verheiratet lebe aber mit dem
Vater der Kinder in einer eheähnlichen Gemeinschaft.Wir sind nun
sechseinhalb Jahre zusammen und die ersten fünf
Jahre lief es eigentlich ganz gut klar, verbunden mit Höhen und
Tiefen.
Nur seit letztes Jahr September geht es nur noch bergab.Mein
Mann(sag ich immer, obwohl wir nicht verheiratet sind)hatte im
September letzten Jahres einen Suizid-Versuch gewagt oder wie
man das ausdrückt.Er ist seither auch in Therapie was auch gut ist
für ihn.So,nun zu meinem eigentlichen Problem.Mein Mann
(24 Jahre)hat,als Dennis(3-jähriger Sohn)circa 8 Monate war einen
Schrei losgelassen,weil er nicht folgen wollte.Wir saßen gerade bei
seinen Eltern und waren alle erschroken von dem lauten
Schrei,selbst er.Somit begann alles.
Mit der Zeit wurden die Schreie dem Kind gegenüber immer lauter
und länger.Dabei wollte ich nie meine Kinder mit Schreie oder
Schläge erziehen,das war mein Vorsatz!Die Zeit verging,und
Dennis bekam ein Brüderchen(zu der Zeit war Dennis 19Monat)Er
war schrecklich eifersüchtig und ging immer auf den kleinen
los mit Autos und harten Gegenständen warf er dem Säugling
immer auf den Kopf,haute lehnte sich auf ihn so das ich manchmal
dachte er bringt ihn jetzt gleich um!Ich habs immer wieder auf gute
Art probiert indem ich seinen Bruder für ihn zugänglich machte ich
ließ ihn überall teilhaben das er nicht eifersüchtig ist.Aber es hat
nichts gebracht.Irgendwann platzte mir dann auch der
Kragen und ich fing an zu schreien da ich ohne gar nicht mehr
durchkam(er wurde ja von seinem Vater nur noch angeschrien)Nun
ist der kleine 18Monat und Dennis 3Jahre,und es hat sich
zwischen ihnen nichts verändert.So,Dennis ist seit zwei Wochen
im Kindergarten und ich dachte ab jetzt wirds besser!Leider
Nein!Er haut seinen Bruder genauso trotz Kindi.Nun zu meinem
Problem:
Ich weiß nicht mehr was ich mit Dennis machen soll?Wenn er aus
dem Bus(er liebt Busfahren),aussteigt,und ich ihn an der Hand
nehmen will fängt er anzu schreien und zu trotzen(er hat einen
wahnsinnigen Jähzorn)ich weis nicht warum?Er
schreit dann nach trinken und wenn ich ihm was gebe(alles an der
Bushaltestelle)wirft er es weg.Dann denke ich"OK dann halt
nicht"und heb es auf dann schreit er wieder danach.Und so macht
er es mit allen Sachen.Zuhause schreit er immer noch weiter!Da
ich seit letzten Jahr September psychisch labil
bin,wußte ich nmir nicht mehr zu helfen und bin ausgerastet.Ich
hab ihn in Zimmer gesperrt,angeschrien,auf den nackten Arsch
gehauen es hat alles nix gebracht er hat nur gelacht!So ging das
die ersten eineinhalb Wochen Kindi.Nun bin ich so erschroken was
ich getan habe und sagte zu mir"das muß jetzt sofort
ein Ende haben"Ich will mein Kind nicht anschreien müssen oder
sogar hauen.Wollte ich auch nie um Gottes Willen!Aber ich wußte
nicht mehr weiter und weiß auch jetzt nicht weiter.Ich sprach mit
meinem Mann darüber, er meinte wir würden viel zu viel
schreien.Ich gab ihm Recht.Aber ich machte ihm auch klar
das es ein Teufelskreis ist,wenn einer schreit muß der andere auch
schreien.Ich denke bei Dennis ist es mittlerweile eine "normale"
Umgangsform geworden.Aber wie bekomme ich das auf gutem
Wege wieder weg???Die letzten zwei Tage haben wir uns darauf
konzentriert nicht zu schreien was wahnsinnig schwierig
ist aber es hat geklappt.Nur ist es jetzt so das Dennis die
Schimpfe und Schreie ,so blöd es sich anhört,will.Er macht nur
noch Blödsinn stellt Sachen an wo er genau weiß er darf es nicht
und hat es auch früher nicht gemacht.Nun
meine Frage an Sie:"Was soll ich jetzt tun?" Ich möchte nichts
falschmachen,das ich später berreue ich liebe meine Kinder über
alles aber da meine Mutter den Dennis mit meinem Bruder immer
vergleichen kann möchte ich verhindern das Dennis so wird wie
mein Bruder(mein Bruder ist unzurechnungsfähig er
prügelt,wird aggressiv wenn er trinkt,auch allgemein aggressiv droht
nur sogar meinen Eltern u.s.w.)Und darum brauch ich jetzt
fachmännische Hilfe Bitte helfen Sie mir ich hoffe Sie haben alle
Infos die Sie Brauchen um mir weiterzuhelfen.Ich bedanke mich
recht herzlich bei Ihnen und hoffe bald was von
Ihnen zu Hören.Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Liebe junge Eltern von Dennis,
haben Sie vielen Dank für die Schilderung Ihrer Sorgen mit Dennis. Ich
habe den Eindruck, dass Sie beide mit Ihren kleinen Kindern manchmal
recht überfordert sind. Da wird offenbar viel geschrien und geschimpft
und manchmal auch sogar schlimm geschlagen. Dennis musste sich daran
leider schon so gewöhnen, dass er es richtiggehend erzwingt, wenn Sie
mal nicht schreien. Sie sind beide noch sehr junge Eltern, familiär
gibt es bei Ihnen gewisse Belastungen (Ihr Bruder), Ihre Kinder haben
einen recht geringen Altersabstand (das verstärkt die Eifersucht), und
Ihre Beziehung zu Dennis wirkt insgesamt sehr gestört und belastet.
Ich glaube, ohne kompetente Hilfe schaffen Sie es alleine nicht, da
wieder herauszukommen. Also sollten Sie nach Hilfe Ausschau halten.
Dafür gibt es mindestens folgende Möglichkeiten für Sie:
1.  Sie suchen Ihre regionale Erziehungs- und Familienberatungsstelle
auf (fragen Sie bei Ihrer Stadtverwaltung oder beim Jugendamt nach der
Adresse). Dort sind kompetente Familienberater, die Sie auch
längerfristig als Familie kostenlos beraten und unterstützen können.
Ich könnte mir es für Sie beide auch hilfreich vorstellen, wenn Sie
regelmäßig an einer Eltern-Kinder-Spiel- und Gesprächsgruppe
teilnehmen. Fragen Sie, wo es in Ihrer Umgebung so etwas gibt.
2. Sie fragen in Ihrer Stadtverwaltung oder bei Ihrer Kirche nach der
Möglichkeit einer Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH). Dabei
kommt eine kompetente Familienhelferin ein- oder mehrmals in der Woche
zu Ihnen nach Hause und unterstützt und berät sie ganz konkret
liebevoll bei der Kindererziehung und dem Familienleben. Auch dieser
Dienst ist kostenlos.
Auf jeden Fall sollten Sie sich nicht scheuen, eine Hilfe in dieser
Art in Anspruch zu nehmen. Sie werden sehen, dass es Ihnen, Ihren
Kindern und der ganzen Familie sehr gut tun wird.
Das wünscht Ihnen und Ihren Kindern Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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