| Sehr geehrter Herr H.-R.Schmidt ich habe folgendes Problem: Als meine Schwester 16 Jahre alt war, lernte sie ihren Mann kennen. Mit 22 Jahren hat sie ihn dann geheiratet. Vorher haben sie 4 Jahre zusammengelebt. Anscheindend ging immer alles gut. Vor fünf Jahren wurde das erste Kind geboren und 2 Jahre später das zweite. Da meine Schwester ziemlich weit von mir entfernt wohnt, hatten wir uns nicht oft gesehen aber immer einen guten telefonischen Kontakt, sie kam auch sehr oft in das Ferienchalet meiner Eltern und hat mich dann besucht. Ihr Mann jedoch blieb immer zuhause (erstens macht man ihm Chalet in den Bergen keine Ferien, die macht man in Amerika, Australien oder in abgelegenen nicht überlaufenen Inseln). In letzter Zeit hat mich meine Schwester des öftern angerufen. Ich habe gemerkt, dass es in ihrer Ehe kriselt. Ich habe versucht zu erklären, dass mein Mann und ich (wir sind seit 13 Jahren verheiratet und 2 Kinder) miteinander versuchen offen und ruhig zu reden. Vor zwei Tagen nun hat mich meine Schwester verzweifelnd angerufen und erklärt, dass sie mit ihrem Mann versucht habe zu reden und wissen wollte, warum er unbedingt wolle , dass sie zurück ins Chalet meiner Eltern gehe, wo sie doch die Festtage lieber mit ihm zusammen sein wolle, immerhin habe er Ferien. Da hat er erklärt, dass dieses Leben ihn überhaupt nicht befriedige, er sich völlig eingeengt und unfrei fühle, und es wäre ihm am liebsten wenn sie zu den Eltern zurückkehre und nie mehr wiederkomme. Die beiden Kinder seien ihm zuwider, sie nerven ihn nur noch er ertrage sie kaum und möchte sie nie mehr wiedersehen. Al s me (sorry, da brach die Zeile ab ...) Meine Schwester weiss aber nicht so recht was jetzt geschehen soll. Erstens hat sie immer noch keine Nachricht von ihm (2 Tage). Nach dem ersten Schock wollte sie nichts als ihre Ehe retten, jetzt habe ich den Eindruck möchte sie nichts anderes als so schnell als möglich einen Schlussstrich ziehen. Ich versuche sie nicht zu beeinflussen, auch nicht schlecht über meinen Schwager zu reden, ich möchte nur, dass sie so schnell wie möglich eine Beratungsstelle aufsucht. Ihr Mann will natürlich keine Beratungsstelle aufsuchen, keine Ehetherapie machen, da das ja der letzte Schwachsinn sei! Ich muss noch sagen, dass wir vermuten, dass mein Schwager völlig ausgebrannt ist (er macht seit 3 Jahren Weiterbildung, hat eine Umschulung angefangen, wo er als einziger Mann mit 10 Frauen arbeitet und zugleich noch ein Haus gebaut hat). Er wollte jedoch nie Ferien machen.Er hat nur meine Schwester m (leider wieder abgebrochen...) Was soll ich meiner Schwester raten? Muss ich Angst haben, dass mein Schwager durchdreht und der ganzen Familie etwas antung könnte. Wie kann man ihn überzeuugen einen Arzt aufzusuchen? Ich danke Ihnen für Ihre Mühe. Ihre Vero |
Liebe Vero,
vielen Dank für Ihren ausführlichen Brief über das Eheproblem
Ihrer
Schwester (ich vermute: Ihrer jüngeren Schwester)!
Ich glaube, Sie können Ihrer Schwester im Moment nicht mehr
helfen,
als dass Sie an der Seite Ihrer Schwester stehen und
jederzeit zum
Gespräch mit ihr bereit sind. Das wäre schon viel Hilfe. Sie
können
sich auch Ihrem Schwager unaufdringlich zu einer Aussprache
empfehlen,
vorausgesetzt, Sie hatten bisher ein gutes Verhältnis zu ihm.
Vielleicht können Sie beiden einmal ein offenes Gespräch zu
dritt
vorschlagen? Ansonsten muss Ihre Schwester alleine zurecht
kommen.
Sie kann auch alleine in eine Lebens- und Eheberatungsstelle
gehen,
wenn ihr Mann das für sich ablehnt. Es wäre für sie wichtig,
herauszufinden, ob ihre Ehe nur in einer vorübergehenden und zu
bewältigenden Krise steckt, oder ob sie wirklich endgültig
beendet
ist. Wenn die Ehe wirklich beendet sein sollte (was ja noch gar
nicht
gesagt sein muss!), kann sie sich dort auch beraten lassen, wie
sie in
der Scheidungsphase kindgerecht vorgeht, damit die beiden Kinder
keinen seelischen Dauerschaden davontragen.
Dass Ihr Schwager seiner Familie etwas antut, glaube ich aufgrund
Ihrer Darstellung nicht. Wie kommen Sie auf diese Sorge? Gibt es
in
der Vergangenheit Ereignisse, die Sie auf diese Idee bringen?
Meistens
sind es verlassene Männer, die zu Kurzschluss- bzw.
Panikreaktionen
neigen, selten Männer, die selbst ihre Ehe aufzukündigen
drohen, wie
offenbar Ihr Schwager. Er scheint sich in einer seelischen Krise
zu
befinden, aus der man ihm vielleicht nur heraushelfen muss, bevor
er
sein Familienleben aufgibt. Wie können Sie und Ihre Schwester
ihm
dabei helfen? Kennen Sie sonstige Personen, zu denen Ihr Schwager
Vertrauen hat, die sich ihm für eine Aussprache anbieten
könnten, die
ihm helfen können, aus seiner Krise herauszukommen? Man muss ja
nicht
immer gleich in eine Beratungsstelle gehen. Vertrauenswürdige
Bezugspersonen aus der Familie oder dem Freundeskreis können
sehr viel
dazu beitragen, dass Ehekrisen (oft fruchtbar) bewältigt werden.
Ihre
Schwester hat ja vielleicht auch Ihren Teil dazu beigetragen,
dass die
Krise gekommen ist.
Alles Gute für Sie und Ihre Schwester-Familie, Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt
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