Guten Tag,

unser Problem beläuft sich schon auf 25 Jahre Intrigen und Gemeinheiten innerhalb der Familie meines Mannes. Ich kann nicht alles schildern, wäre zu umfangreich, trotzdem bin ich an einem Punkt angekommen, das ich mich endgültig trennen möchte von der Familie meines Mannes:

Als ich vor 25 Jahren zur Familie meines Mannes zukam, war meine Schwiegermutter gerade verstorben. Sie war die wichtigste Person in dieser Familie. Danach brach die Familie auseinander. Mein Mann hat selbst noch mehrere Geschwister ( 6 an der Zahl) die sehr auf die Familie fixiert waren. Außerhalb wurden Freundschaften nicht gepflegt oder aufgenommen .

Mein Mann war von Anfang an anders. Er pflegte Freundschaften und auch beruflich war er zielstrebig und erfolgreich. Wir hatten zwar leider nicht das Glück eigene Kinder zu haben, akzeptieren aber dieses Schicksal.

Ich selbst habe keine Eltern mehr.

Alles könnte bestens sein, wenn nicht diese Intrigen, Hass und Missgunst in dieser Familie herrschen würde.
Jeder Einzelne in der Familie könnte mit sich zufrieden sein, einige sind verheiratet haben Kinder und jeder ist in Arbeit.

Aber seit eh und je werden mein Mann und ich vorm Karren gespannt für Mobbing. Es gibt Sätze wie Z.B. wenn meine Schwägerin verunglücken würde wäre das ein großes Leid, da ja Kinder in Mitleidenschaft gezogen werden. Sollte mein Mann etwas passieren, wäre das egal, kann man mit leben.

Als mein Mann sich beruflich weitegebildet hat, gab es Sätze innerhalb der Geschwister, wie hoffentlich fällt er durch die Prüfung und etc.

Wenn es Probleme innerhalb der Familie mal gab, waren wir sofort zur Stelle, und haben unseren Ärger zur Seite gestellt und geholfen. Wenn unser eins Mal Hilfe benötigte, mussten wir damit leben, das uns gesagt wurde, ihr seit nur zu zweit und ohne Kinder, müsst ihr selbst damit zurechtkommen.

Kam mein Mann ins Krankenhaus und die Familie wurde unterrichtet, wurde mir gesagt, auch von meinem Schwiegervater, er hätte jetzt keine Zeit und anrufen wäre zu  unbequem. Nie gab es mal einen Rückmeldung oder etc.

Gleichzeitig verlangt mein Schwiegervater aber, das wir ständig zu ihm kommen. Sind wir aber dort, fängt er an , bei schlechter Laune uns anzusticheln oder zu kränken. Alle anderen Kinder sind ja prima, hätten ja Kinder, wir nicht, wir müssten ja in Geld schwimmen, die anderen nicht. Warum sollen wir uns für den beruflichen Erfolg meines Mannes entschuldigen. Wir haben hart dafür gearbeitet und viel Schulgeld bezahlt. Wie haben uns immer zurückgenommen und sind bescheiden geblieben.

Am Anfang, habe ich probiert die Situation in den Griff zu bekommen, indem wir zwar den Kontakt gehalten haben, aber nur noch 4-5 Mal im Jahr trotz aller Beleidigungen die wir uns angehört haben, zu ihm zu fahren. Ich merkte an  mir selbst, das ich körperlich krank wurde. Wenn so viele innerhalb der Familie gegen uns sind, müssen wir doch schlecht sein.

Mein Mann hat immer zu unserer Ehe gehalten und vor Jahren schon die Trennung von der Familie in Aussicht gestellt.Er hat Dialoge mit den einzelnen Personen gesucht. Sie immer wieder aufgesucht. Hatt es im ruhigen und sachlichen Ton probiert. Hat sich auch im heftigen Ton mal gewehrt. Der Ton der anderen Seite war immer laut und heftig, nie sachlich. Alles kein Erfolg.

Dass Fass lief über, als wir vor 4 Wochen bei einem Geburtstag meiner Schwägerin waren. Mein Schwiegervater ist mittlerweile 82 Jahren und sucht schon seit Jahren nach Erinnerungen in alten Fotos die aber nicht mehr komplett sind. Aus dem Nichts,griff er mich auf diesen Geburtstag an, dass ich die Fotos entwendet haben soll, was ich denn damit gemacht habe, ich wäre eine Fremde in dieser Familie und gehöre da nicht zu. Er schrie sich die Seele aus dem Leib. Da war bei uns die Luft raus. wir schrien zurück, das er zur Besinnung kommen soll. Wir haben diese Fotos nicht und es wäre unverschämt wie er sich hier verhält. Andere Geschwister ließen uns mal wieder im Regen stehen und vermittelten in diesem heftigen Streit nicht.

Ich bat meinem Mann 3 Tage später nochmals den Dialog mit seinem Vater zu suchen und ihm das Recht zu gewähren sich zu entschuldigen und die Sache mit den Fotos zu klären Mein Schwiegervater blieb bei seiner Meinung, schrie meinen Mann an, und ich wäre eine Fremde etc. etc.

Als meine Mann ihm dann sagte, das wir beide das Haus nicht mehr betreten wenn er diese letzte Chance nicht nutzen würde, sagte er nur, wir haben die Fotos, er will sie zurück und wir sollen dann bleiben wo der Pfeffer wächst. Mein Mann ging und es ist vorbei. Die Geschwister sind auf der Seite des Vaters, werden auch so nicht von meinem SV behandelt.

Ich glaube es liegt auch daran, das mein SV ein sehr einfacher Mann ist, der auch nie mit den Lebensumständen meines Mannes zurecht kam. Auch das ich einen erlernten Beruf habe und arbeiten gehe war ihm suspekt. Alle seine Töchter haben geheiratet, keinen Beruf erlernt, Erziehen die Kinder , manche haben nicht  mal Führerschein. Ich finde jeder wie er leben will.  Obwohl wir nach außen ganz "normal" sind, wirken wir glaube ich in dieser Familie wie Unikate. Was ich nicht kenne, fürchte ich. So kommt mir das vor. Gibt aber keinem das Recht, uns immer und immerzu zu beleidigen.

Vor einer Woche kam meine SV auf die Intensivstation Herzinfarkt). Es war ein Fehlalarm. Trotzdem überredete ich meinen Mann, das er wenigstens ins Krankenhaus einen Krankenbesuch abstatten soll, obwohl die Trennung nun wirklich vollzogen war und wir wirklich nur noch unsere Ruhe haben wollen. Ich dachte, falls es ernst sein sollte, wäre das vielleicht noch mal ein Chance für Vater und Sohn. War wieder Mal keine leichter Gang für meinen Mann. Die Antwort kam prompt, die Geschwister, die nach und nach an sein Bett durften wurden freundlich und auch mit einer Herzlichkeit empfangen. Mein Mann nicht. er wurde ignoriert, auf seine Fragen bekam er keinerlei Antworten etc.

Das tat mir unendlich in der Seele weh. Besonders will ich mich gar nicht so wichtig nehmen in all diesen vielen Jahren, es ist ja doch die Familie meine Mannes, und mein Mann ist ein liebevoller Mensch auch sehr beliebt bei Freunden und Kollegen etc.

Um es zum Ende zu bringen, mein Mann will jetzt endgültig nicht mehr. Sieht auch keine Chance. Besonders, da ja genug Kinder und Enkelkinder um ihn herumstreichen, da kann man uns opfern. Er sieht das noch nicht mal mit Hass und Wut, sondern sehr sachlich und realistisch. Ich dagegen bin hin und her gerissen. Ich bekomme meine körperlichen Probleme nicht mehr in den Griff und bin auch überzeugt, das es das Beste für uns ist. Aber ein Rest schlechtes Gewissen bleibt. Dazu kommt noch, das ich das erste Mal darüber ausführlich spreche, habe es die Jahre kaum nach außen getragen.

Ich hoffe, der Brief ist nicht zu lang. Die ganze Problematik kann man in einem Brief sowieso nicht schreiben. Für einen Rat wäre ich dankbar

Vielen Dank im voraus
C.

Hallo,
vielen Dank für Ihren interessanten Brief! Alle Achtung, mit welcher erstaunlichen Geduld und Leidensfähigkeit Sie und Ihr Mann all die Jahre diese Missachtung erduldet haben! Ich frage mich allerdings, warum Sie sich so lange so schlecht behandeln haben lassen? Und warum ein schlechtes Gewissen, wenn Sie sich nun endlich dank des unsäglich verletzenden Verhaltens Ihres Schwiergervaters abgrenzen können? Andere hätten das ja viel, viel früher getan, und ohne solch schlechtes Gewissen, das ja auch völlig unbegründet ist.

Liegt es an Ihrer Kinderlosigkeit, die Sie als Makel erleben und deretwegen Sie glauben, Schuldgefühle haben zu müssen? Oder liegt es daran, dass Sie selber keine eigene Herkunftsfamilie mehr zu haben scheinen, weswegen Sie sich übermäßig eng an die Familie Ihres Mannes gebunden haben? Oder hat Ihr Mann es versäumt, sich frühzeitiger und deutlicher von seiner Familie abzugrenzen?

Es wird nun aber offenbar höchste Zeit, dass Sie und Ihr Mann sich von seiner "Familienbande" endlich emanzipieren. Damit ist keine Feindschaft oder kein Bruch gemeint, sondern eine innere Distanz und ein innerer Schutzpanzer. Äußere Kontakte sollten Sie nur noch auf Sympathieebene, nie mehr auf moralischer Pflichtebene haben. Sie und Ihr Mann sind niemandem aus seiner Familie verpflichtet.

Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt