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geehrter Herr Schmidt, mit dem Thema Einkoten beschäftige ich mich seit ein paar Jahren. Vom Kinderarzt zum Professor bis hin zur Kinder- und Jugendpsychiartie haben wir alles durch. Jeder möchte meinem Kind Ritalin wegen ADS verschreiben. Seine Lehrerin und ich sind jedoch nicht der Meinung, dass mein Sohn ADS hat und deshalb Ritalin nehmen müsste. Er hat eine LRS und psychische Probleme durch die Trennung von seinem Vater und mir. Ich weiß, dass es sein größter Wunsch ist, dass sein Papa und seine Mama wieder zusammenkommen. Er möchte uns erpressen und kotet seit seinem 4. Lebensjahr ein. Die eigentliche Sache macht er auf der Toilette, aber seine Hose ist jeden Abend verschmiert. Wenn er bei seinem Vater war, dann ist die Hose 2 - 3 Tage mehr als verschmiert. Er nässte bis zum November 03 auch jede Nacht ein, dies haben wir mit der Klingelhose endlich besiegt, er ist trocken. Jetzt möchte ich ihm helfen, dass einkoten zu lassen, aber ich weiß keinen Rat mehr. Für einen Ratschlag wäre ich dankbar. C. |
Liebe C., vielen Dank für Ihren Brief!
Sie stellen in Kürze sehr treffend dar, was wir leider immer
öfter erleben müssen: Seelische Pobleme eines Kindes werden mit
der Diagnose "ADS" verkleistert und mit Psychopharmaka
übertüncht, wenn man als Eltern nicht aufpasst. Ich finde das
gesellschaftlich skandalös und in jedem Einzelfall sehr traurig.
Bedeutet es doch, dass man nicht bereit ist, auf die Alarmsignale
der Kinder zu hören und ihr seelisches Leid zu verstehen. Umso
mehr beglückwünsche ich Sie (und die Lehrerin), dass Sie diesem
verführerischen Sog widerstehen.
Sie beschreiben ja sehr anschaulich, dass das Problem Ihres Sohnes in der unverarbeiteten Trennung seiner Eltern zu liegen scheint. Also erscheint es doch folgerichtig, dass Sie ihm nun endlich helfen, mit der Trennung seiner Eltern seelisch abzuschließen. Und das schaffen Sie wahrscheinlich derzeit nicht ohne professionelle Unterstützung. Immerhin dauert das Problem ja schon mehrere Jahre an, ohne dass Ihre bisherigen Bemühungen echte Abhilfe schaffen konnten.
Ich empfehle Ihnen deshalb, in Ihrer regionalen Erziehungsberatungsstelle nach einer Trennungs- und Scheidungsberatung zu fragen. Sie und Ihr getrennter Mann sollten sich dort gemeinsam mit Ihrem Sohn eine Familientherapie buchen, in deren Verlauf Vater, Mutter und Sohn gemeinsam herausfinden, wie Sie als Eltern (denn Eltern bleiben Eltern, trotz Trennung und Scheidung!) zusammenhelfen können, damit Ihr Sohn die Trennung seiner Eltern endlich akzeptieren kann und seinen Seelenfrieden wiederfindet.
Mit besten Wünschen Ihr
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt