Sehr geehrter Herr
Schmidt!
Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich Ihnen schreiben
soll. Jedoch wird
mein Problem für mich immer schwerwiegender und ich
weiß nicht mehr weiter.
Ich vertraue auf Ihre Aussage, dass meine Daten
vertraulich behandelt werden.
Nun zu meinem Problem:
Ich bin 42 Jahre, habe zwei Kinder und bin mit meinem
Mann seit fast 20
Jahren verheiratet. Wir lernten uns vor 24 Jahren kennen,
also ein halbes
Leben lang. Unsere beiden Kinder sind fast erwachsen, der
eine 15 und der andere
18 Jahre alt. Wir sind beide berufstätig. Mein Mann
arbeitete viele Jahre auf
Montage im In-und Ausland, war dabei wochen-oder
monatelang unterwegs und
dann einige Jahre in einer Firma ca. 1 Std. Fahrzeit von
zu hause und war daher
jeden Tag hier. Das war zu der Zeit als die Kinder noch
kleiner waren. Ich
arbeite seit 10 Jahren wieder, machte vor 5 Jahren noch
mal berufsbegleitend
eine Ausbildung. Als ich vor zwei Jahren mit meiner
Ausbildung fertig war, bekam
mein Mann eine Stelle in Norddeutschland angeboten. Es
gefällt ihm dort sehr
gut, die Arbeit macht Spaß, die Kollegen sind nett, das
Geld stimmt auch.
Wir wollten damals mit der Familie auch raufziehen und
hier unser Haus
verkaufen. Dies klappte aber leider nicht. Da die Kinder
schulmäßig
mittlerweile so weit waren, dass ein Wechsel dann nicht
mehr ratsam war, haben wir uns
entschlossen, hier in N zu bleiben. Mein Mann kommt also
seit zwei Jahren
jedes Wochenende nach Hause. Freunde hatten wir hier
keine gefunden. Wir wohnten
zeitweise in einem sehr kleinen Dorf, dort war nur
Vereinsmeierei angesagt
und dies war nichts für uns. In dem Ort, in dem nun wir
seit 10 Jahren leben,
haben wir Leute kennengelernt, aber es hat nie über die
Grußphase hinaus
gereicht.
So lebten wir bis zum August letzten Jahres nur für uns
und die Familie. Die
Wochenenden waren hobbymäßig mit unseren Kindern
ausgefüllt. Im August 2002
verlebten mein Mann und ich noch einen schönen Urlaub.
Danach wurde es alles
anders. Er schickte mir zuerst die heißesten SMS, so
daß mir hören und sehen
verging. Solch ein Vokabular war ich gar nicht gewöhnt,
es hat mir
geschmeichelt, aber irgendwie, wußte ich darauf nicht
genauso toll zu
reagieren. Wenn er dann am Wochenende nach Hause kam,
verliefen diese entsprechend erotisch.
Dann wurde dies weniger, es kamen keine SMS mehr und ich
verstand die Welt
nicht mehr. Ich sprach ihn natürlich darauf an, er
meinte, er hätte zur Zeit
ziemlich viel Stress und da ginge das nicht immer auf
Kommando. Er hätte
schließlich schon ein entsprechendes Alter. Er
veränderte sich aber weiter,
fing an zu chatten, schrieb SMS aber nicht mit mir, und
begann schließlich aus dem
Nebenraum zu telefonieren, oder erst wenn ich zu Bett
gegangen war. Unsere
intimen Zusammenkünfte wurden weniger und nicht mehr so
intensiv. Ich sprach
ihn auf die Anrufe und SMS an, er meinte, dass dies nur
Bekanntschaften seien,
mit denen er sich nett unterhalten würde, es sei nichts
ernstes, er hätte
auch kein
Verhältnis.
Ich bat ihn dann, dass ich die Damen ja dann auch mal
kennenlernen könne, wenn da nichts
ernstes dabei wäre. Zuerst hielt er mich für verrückt,
aber dann ging er
doch darauf ein und ich lernte beide Frauen (zwei
Freundinnen) kennen. Eine ist
verheiratet, die andere geschieden. Wir feierten mit den
Familien sogar
gemeinsam Sylvester und die beiden Frauen und ich fanden
uns auf Anhieb sympatisch.
Wir telefonieren, simsen oder chatten heute noch
zusammen. Sie meinen beide,
dass mein Mann verrückt sei und eine behauptet, dass er
mich verar....würde.
Einen Beweis dafür hatte sie jedoch nicht auf Lager. Der
Kontakt meines
Mannes zu den beiden wurde jedoch im Anschluß, immer
weniger. Aber ich habe da
einem wichtigen Detail vorgegriffen. Das Telefonieren
meines Mannes
beschränkte sich nicht nur auf die beiden Frauen. Ich
geb's zu, ich bin auch nachts
aufgestanden, weil ich die Ungewißheit nicht mehr
ertragen konnte und habe
an der Tür gelauscht.
Er teilte einer anderen Frau mit, dass
er sich sexuell nicht
mehr befriedigt fühle. Manchmal hörte ich auch, wie er
einer anderen per
Telefon den Po streichelte.... Mich machte das verrückt.
Ich bin dann eines
Nachts zu ihm ins Wohnzimmer, habe ihn zur Rede gestellt
und ihn gefragt, ob er
mich überhaupt noch liebe. Er sah mich an und
antwortete, nein, ich habe dich
wahrscheinlich auch nie geliebt. Das war zwei Tage vor
Weihnachten und ein
echter Schlag ins Gesicht für mich. Ich war fix und
fertig, habe ihm auch
vorgeschlagen eine Eheberatung aufzusuchen, was er strikt
ablehnt. Erst
später habe ich herausgefunden, dass er als Kind
schlechte Erfahrungen mit einem
Psychologen gemacht hatte. Er war wohl eine zeitlang ein
schwieriges Kind.
Er hielt mir vor, dass wir immer nur aneinander geklebt
hätten, ich schrecklich
eifersüchtig sei, ihm keinen Freiraum gegönnt habe. Ich
bin dann in mich
gegangen und mußte feststellen, dass er in vielen
Punkten Recht hatte. Ich kaufte mir
also Fachliteratur, um mein Eifersuchtsproblem in den
Griff zu bekommen, las
in einem anderen Buch, wenn ein Mann kein Interesse mehr
zum Sex hat, dann
müssen neue Praktiken her, aber irgendwie war das alles
nicht mehr das
richtige.
Wir hatten viele Gespräche, die meist von mir ausgingen.
Ich sagte ihm, dass
er vielleicht ein Lügner oder Betrüger sei, aber kein
Schauspieler. Er hätte
mir nicht 24 Jahre Liebe vorspielen können. Irgendetwas
sei geschehen, nur
was? Er meinte, dass er immer weniger Lust verspüre mit
mir zu schlafen. Er
wüßte auch nicht, warum dies so wäre und was ich oder
wir ändern könnten.
Ich schlug meinem Mann vor, per Inserat Freunde zu
finden. Dies fand er eine
gute Idee. Wir haben mittlerweile auch ein nettes Paar in
unserer Nähe
kennengelernt, und durch die beiden auch den Spaß ans
Tanzen. Wir besuchen
seit einigen Wochen einen Tanzkurs. Es macht Spaß. Doch
leider läßt er das telefonieren
nicht. Er hat nun eine andere Frau aus Norddeutschland im
Chatt kennengelernt.
Mit dieser telefoniert er nächstens eine oder mehrere
Stunden oder tauscht
mit ihr 5-10 SMS am Wochenende aus. Alles soll harmlos
sein. Während er mit der
ersten Bekanntschaft meist in meinem Beisein telefoniert,
ist das mit dieser
Frau anders. Da wartet er wieder, bis ich ins Bett bin,
oder geht in ein
anderes Zimmer. Er meint, dass er mit dieser brisantere
Themen zu besprechen
habe.
Was auch immer das heißt. Seit einem Monat ist in
unseren Betten nun totale
Funkstille angesagt. Ich bin nach 2 Wochen zu ihm hin,
habe ihm gesagt, dass
ich dieses Bruder-Schwester Leben nicht wolle, wie er
denn damit klar käme.
Er befriedigt sich selbst, sagt er und riet mir auch
dazu. An unseren
Kindern gingen die Veränderungen natürlich auch nicht
spurlos vorüber. Hatten wir
sonst knutschend oder uns streichelnd z.B. in der Küche
beim Kochen
gestanden, war jetzt nichts mehr von Gefühl zu sehen
oder spüren. Bis vor einigen
Monaten noch konnte ich sein Verlangen nach mir spüren
und erleben und das
soll alles nicht wahr gewesen sein? Meine Kinder haben
mich mehr oder weniger
offen gefragt, ob wir uns trennen, denn sie sehen ihren
Vater ja auch chatten,
simsen oder telefonieren. Ich habe ihnen gesagt, dass ich
mich nicht trennen
wolle. Vergangenes Wochenende habe ich mit meinem Mann
einen Disput gehabt.
Er nörgelte ständig rum, ich habe ihn gefragt, was ich
ihm getan habe, dass er
mich so behandeln müsse. Er meinte, dass er mir gesagt
habe, dass er keine Lust
nach mir verspüre und er sich schon gefragt habe, ob er
sich nicht besser
kastrieren ließe, damit er einfach neben mir leben kann.
Sex wäre sehr
wichtig für ihn. Ich habe ihm dann erstmals von den
Befürchtungen unserer Kinder
erzählt, er machte einen geschockten Eindruck. Sagte
nochmals, dass er sich
nicht von mir trennen wolle, und dies auch den Kindern
erzählen könne. Jedoch
müsse er auch zu seinen Gefühlen dann stehen. Solch ein
Gespräch ist bisher nicht
gelaufen. Ich habe mich dann anschließend geduscht. Als
ich zurück kam, nahm
mich mein Mann das erste mal seit Wochen in den Arm,
drückte mich und sagte,
er wisse, dass dies alles eine große Sch.... wäre und
für mich sehr schwer.
Ich war so baff, mir kamen ein wenig die Tränen und
sagte, dass ich so gerne
warten und hoffen möchte.
Er erwiederte, ja, das müssen wir. Er
war an diesem Sonntag nett und freundlich, telefonierte
jedoch abends wieder mit dieser
Frau. Ich gebe zu, dass ich, obwohl ich an meiner
Eifersucht arbeite, bewußt
SMS igoriere, wenn er telefoniert auch aus dem Zimmer
gehe, aber wenn er mit
dieser Frau telefoniert, schleiche ich mich doch ab und
zu an und versuche
zu lauschen. Weil, da ist etwas, ein Zustand, den ich
nicht verstehe - und
trotzdem immer noch ein Hoffen, dass alles besser wird.
Das, was ich von den
Telefonaten mitbekomme, hört sich auch wirklich harmlos
an, aber ich stehe
ja schließlich nicht 1-2 Stunden rum und höre.
Und die brisanten Sachen kommen
anscheinend erst später dran.
Es ist mir klar, dass nichts mehr so
sein wird, wie früher, das Vertrauen müßte erst
langsam
wieder wachsen. Aber ich müßte ein Bemühen seinerseits
spüren und da ist zur Zeit halt nichts los.
Er sorgt für uns, für mich, ich hab's gut, sagt er
öfter, ich werde ja nicht geschlagen,
wie andere Frauen. Dann erwiedere ich nur, aber das
seelische ist auch nicht
ohne. Ich habe wegen dieser Geschichte 5 Kilo abgenommen
(steht mir nicht
schlecht, obwohl es bei Kleidergröße damals 40 bestimmt
nicht unbedingt
nötig war), habe eine neue Frisur und gehe, wenn
mein Mann
auf eine Wochendenschulung muss, auch mal mit einer
früheren Kollegin aus. Das hatte ich früher nie
gemacht, wäre mir nicht eingefallen.
Wir unterhalten und verstehen uns
jedoch sehr gut. Und trotz der offensichtlichen
Veränderungen an meinem Mann,
flottere Frisur, Rasur im Intimbereich (gefällt mir gar
nicht, find ich kratzig, hab
ich nur nicht gesagt!), feschere Klamotten (ist es
möglich, dass er mit 46
Jahren wirklich schon midlife-Crisis-mäßig drauf
ist???) entdecke ich immer
oftmals noch den Mann in ihm, den ich vor 24 Jahren
kennen- und
liebengelernt habe. Ich wünsche mir so sehr, dass wir
wieder zusammen finden. Aber wie?
Können Sie mir helfen?
K.
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