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geehrter Herr Dr. Schmidt, ich bin 26 Jahre alt und leide seit einigen Jahren an Morbus Basedow und als ich vor ca. 18 Monaten plötzlich richtige Glubschaugen bekam -zudem wirkte ein Auge durch ein Lidödem noch viel größer als das Andere- zog ich mich in mein Schneckenhaus zurück und verließ nur noch die Wohnung um zu arbeiten, zum Arzt zu gehen oder ggf. mal etwas einzukaufen. Seit fast zwei Monaten sehe ich jetzt -nach zahlreichen Operationen- wohl wieder fast "normal" aus, mir fällt auch selber auf, dass die Menschen mich nicht mehr anstarren, trotzdem schaffe ich es noch nicht mich wirklich über meine -jetzt wieder gesund aussehenden- Augen zu freuen. Ich bilde mir manchmal ein, dass die ganze Welt mich hässlich findet und nur keiner den Mut hat mir das zu sagen. In meinen Gedanken dreht sich alles nur noch um mein Aussehen, letzte Woche habe ich mir die Lippen unterspritzen lassen und für November hab ich einen Termin zum Fettabsaugen vereinbart und als ich gestern wieder mal den leichten Höcker auf meinem Nasenbein betrachtete fing ich sofort an auszurechnen bis wann ich mir denn die Nasenkorrektur leisten könnte. Dadurch, dass ich durch die Erkrankung schon fünf Operationen (innerhalb eines Jahres) hinter mich gebracht habe ist eine Operation für mich nicht besonderes mehr. Der Gang zum Operateur ist für mich so einfach geworden wie früher zur Kosmetikerin. Ich weis nicht ob ich einfach nur noch etwas Zeit benötige um mich selbst so zu akzeptieren wie ich jetzt aussehe oder ob ich das Skalpell zu meinem neuen Hobby machen will!? Vielleicht können Sie mir ja einen Tipp geben. Vielen Dank. |
Hallo,
das kann ich in Ihrem persönlichen Fall natürlich auch nicht
wissen. Jedenfalls sind Sie mit dieser Art "Hobby"
sicher nicht allein. Immer mehr Menschen gehen diesen Weg, um
sich über ihre seelischen Selbstwertprobleme hinweghelfen zu
lassen, indem sie ihren Körper verändern. Ich halte dies
natürlich nicht für ein wirkliches Hobby, sondern in den
meisten Fällen wirklich um Ausdruck eines Selbstwertproblems.
Durch Ihre Krankheit sind Sie vielleicht so verunsichert, dass
Sie sich durch diese operativen Eingriffe wieder Selbstsicherheit
verschaffen wollen. Es gibt auf jeden Fall Beispiele, in denen
solche operativen Veränderungen sinnvoll und hilfreich sind und
die Lebensqualität erhöhen. Aber es darf daraus keine
Gewohnheit werden, keine Absicht, die eigene Persönlichkeit
ändern zu wollen. Ein abschreckendes Extrembeispiel ist der
Popstar Michael Jackson.
Wenn Sie nun also langsam selber in Sorge geraten, Ihre
Operationitis werde Ihnen unheimlich, dann hören Sie auf diese
innere Stimme. Versuchen Sie dann vielleicht lieber eine gute
Psychotherapie. Dabei müssen Sie nicht Ihren Körper verändern.
Dabei können Sie mit seelischen Mitteln Ihr Selbstwertgefühl
steigern.
Alles Gute wünscht Ihnen (wie immer Sie jeweils aussehen mögen:
So wie Sie sind, sind Sie schön!) Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt