Sehr geehrter Herr Schmidt,
wir haben unseren Sohn (13) schon mehrfach erwischt, dass er Geld von uns
nahm. Es handelt sich dabei um Beträge zwischen 2 und 15 DM, die er einer
Sparbüchse entnimmt. Er bekommt zu Zeit 6 DM pro Woche als Taschengeld, was
unserer Meinung nach ausreicht. Seinen Angaben zufolge kauft er sich von dem
Geld Essen, obwohl das gar nicht nötig ist. Wir kaufen abwechslungsreich ein
und wenn jemand mal etwas Besonderes möchte, so kann er es sagen. Nach dem
Feststellen des Vergehens und des Schuldeingeständnisses seinerseits haben
wir uns, nach Aussprache mit ihm, darauf geeinigt, dass er das Geld (pro
Woche 2 DM) von seinem Taschengeld zurück zahlt. Aber nach einiger Zeit und
wenn alles abgezahlt ist, nimmt er wieder Geld.
Ein Gespräch mit unserem Sohn ist nicht sehr fruchtbar, da er zwar zuhört,
aber spätestens am nächsten Tag alles vergessen hat. Nun überlegen wir, ihn
zu bestrafen, da das Zurückzahlen des Geldes ja nur eine "Wiedergutmachung"
ist. Ihm zusätzlich etwas vom Taschengeld ab zu ziehen halte ich nicht für
zweckmäßig, da er dann noch mehr zum Stehlen animiert wird und das
Taschengeld eine andere Funktion hat. Fernseh- und Computer-Verbot bringt
auch nicht so viel, da wir das sowieso schon, im Vergleich zu anderen
Familien, eingeschränkt haben. Was raten sie uns, welche Art der Strafe wäre
angemessen?
Mit freundlichen Grüßen, N.

Lieber N.,

vielen Dank für die Schilderung Ihres Problems! Dass Ihr Sohn Ihnen Geld wegnimmt, ist sicherlich sehr ärgerlich. Aber es sollte nicht zu einem Gegeneinander in der Familie führen. Ich habe den Eindruck, als säßen Sie und Ihr Sohn inzwischen in Schützengräben und jeder von Ihnen sinnt auf "Rache" oder Strafe für den anderen (Sie, indem Sie nach stärkeren Strafen fragen, er, indem er einfach weiter klaut). Das führt nur zur gegenseitigen Aufrüstung und Konfliktsteigerung, wo doch Abrüstung und Konfliktlösung angesagt wären. Meine Empfehlung geht also in Richtung Konfliktlösung. Machen Sie es Ihrem Sohn leichter, mit dem Geldwegnehmen (Sie sehen, ich vermeide in Familien den Begriff "Stehlen") aufzuhören, denn das will er sicher, aber ohne "Gesichtsverlust" und Demütigungen durch Ihre Strafen. Setzen Sie sich doch einmal bei guter Stimmung mit dem Sohn zusammen und bitten ihn, mit Ihnen zusammen gut gelaunt zu überlegen, wie Sie beide aus dieser Sackgasse herauskommen, in der Sie derzeit beide sitzen. Fragen Sie ihn, wieviel Geld er wöchentlich als Taschengeld haben möchte, damit aus seiner Sicht das Geldwegnehmen nicht mehr nötig ist. Stellen Sie sich innerlich auf ca. DM 50.- im Monat für einen 13-14Jährigen ein, also etwa das Doppelte dessen, was er momentan bekommt. Vermutlich findet er das derzeitige Taschengeld zu wenig (und das ist es wohl auch). Bieten Sie ihm an, jederzeit mit Ihnen über Geld sprechen zu dürfen, wenn er dennoch wieder mal "klamm" sein sollte. Das heißt nicht, dass er dann automatisch etwas von Ihnen bekommt, aber Sie bitten sollte er immer dürfen! Wichtig ist, dass Ihr Gespräch locker und freundschaftlich verläuft, so dass Ihr Sohn erleichtert sein kann, weil Sie ihm nichts nachtragen. Damit machen Sie es ihm leichter, kein Geld mehr zu nehmen. Und das erhöhte Taschengeld tut dann sein Übriges. Seien Sie nicht zu streng und kleinlich mit Ihrem Sohn. Umso besser wird Ihre Beziehung zu ihm, und das ist die beste Voraussetzung dafür, dass er Ihnen kein Geld mehr wegnimmt.

Viel Erfolg und viel Freude an Ihrem Sohn wünscht Ihnen Ihr Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt

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