Grüß Gott, Herr Schmidt,
ich bin Mama von zwei kleinen Kindern, Maria (3) und Julian (7
Monate.
Unsere Tochter ist jetzt schon ca. ein halbes Jahr dabei, trocken zu
werden. Die ersten 3 Monate klappte das sehr gut. Sie ging alleine
aufs Klo und auch die Windel, die ich ihr in der Nacht anzog, war
morgens überwiegend trocken. Ich war sehr zuversichtlich, daß das
alles gut klappt, bis sie in den Kindergarten kommt.
In letzter Zeit klappt es aber leider gar nicht mehr so gut. Ich muß
sie oft dazu auffordern aufs Klo zu gehn, wenn ich sehe, daß sie
"rumtrippelt". Daß das Höschen trocken bleibt, ist jetzt eher die
Ausnahme.
Ich habe es versucht zu erklären, daß es mich traurig macht, wenn
ich ständig ihre Höschen waschen muß. Ich denke schimpfen hilft
gar nichts und habe dann kommentarlos die Hose gewechselt.
Geändert hat sich nichts.
Maria ist jetzt seit 04. Oktober im Kindergarten. Anfangs kam sie
immer trocken heim und bei mir fing sie dann wieder an, daß ein
paar Tröpfchen in die Hose gingen. Auch wenn sie den ganzen Tag
bei ihrem Opa war, kam sie mit trockener Hose heim und kaum
war sie bei mir sagte sie 'ich muß aufs Klo' und schon war die
hälfte wieder in der Hose.
Die letzten zwei Tage kam sie nun auch vom Kindergarten mit einer
frischen Hose heim.
Ich muß dazu sagen, daß sie durch ihren kleinen Bruder auch oft
ein Baby sein möchte. Ich habe ihr auch schon oft gesagt, daß ich
sie sehr lieb habe und auf keinen Fall ihren Bruder lieber mag.
Mich wurmt an der ganzen Sache, daß es am Anfang so gut mit
dem Sauberwerden klappte und weiß nicht wie ich mit diesem
Rückschritt umgehen soll.
Über einen wertvollen Rat würde ich mich sehr freuen.

MfG
S U S A N N E

Liebe Susanne,

vielen Dank für die Schilderung Ihres Problems. Mir scheint, Ihre Tochter zeigt eine ganze normale Anpassungsreaktion an ihr Geschwisterchen. Sie legt sozusagen eine Verzögerung in ihre Sauberkeitsentwicklung ein, weil sie befürchtet, sonst zu schnell ihren Platz für das Geschwisterchen zu räumen. Das ist aber ganz normal. Machen Sie sich deshalb keine Sorgen. Sie brauchen (wie so oft im Familienleben) nur "Geduld und Spucke", und alles wird sich wie von selbst zur rechten Zeit einfinden. Vorherbestimmen könne Sie den genauen Zeitpunkt sowieso nicht. Das braucht alles Geduld, Zuversicht und Liebe. Aber ich lese aus Ihrem Brief, dass es Ihnen daran nicht mangelt. Also abwarten und Tee trinken!
Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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