| Guten Tag
Herr Schmidt, wir sind
vor 4 Wochen umgezogen in eine neue Stadt aus beruflichen
Gründen. Seitdem weigert sich unser Sohn 15monate alt in
seinem Bettchen zu schlafen und möchte am liebsten
mittags und Abends bei uns im Bett schlafen. Darüberhinaus
reicht es ihm nicht, nur bei uns zu liegen, er möchte
auch das wir bei ihm bleiben. Ich habe großes Verständnis
dafür das die neue Umgebung ihm Angst macht, aber mein
Mann befürchtet auch das L sich an diesen Zustand gewöhnt
und dann gar nicht mehr in sein Bettchen möchte. Was ist
denn jetzt der vernünftigere Weg? Soll ich ihn denn brüllen
lassen und das Zimmer verlassen, oder neben ihm bleiben
bis er schläft? Wobei ich bei dieser Methode
das Gefühl habe, er liegt auf der Lauer: Wenn ich
einschlafe geht Mami raus. Meine Tochter ist 5 Jahre alt und schläft nebenan ich befürchte auch das L sie mit seinem brüllen wach machen könnte. Ich halte selber auch nicht viel von Kast-Zahns Prinzip, bin aber verunsichert weil mich abends dazulegen möchte ich auch nicht. Ist es vielleicht auch eine normale Epoche in seinem alter und es hat nix mit dem Umzug zu tun? Vielleicht gibts auch nette Literatur dazu. Danke schön |
Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief!
Normalerweise macht eine neue Wohnumgebung einem 15monatigen Kind
nicht unbedingt solche Angst. Ist sein Kinderzimmer denn ungefähr
so eingerichtet wie früher? Oder welche anderen größeren
Unterschiede gibt es? Wenn z.B. seine Schwester früher mit ihm
im selben Zimmer geschlafen hat, jetzt aber nicht mehr, wäre das
für ihn sicher ein größerer Wechsel als der ganze familiäre
Umzug. Oder schläft er jetzt auf einer anderen Etage als früher?
Egal, wie groß die Unterschiede sein mögen. Gönnen Sie L noch
eine Übergangszeit, in der er z.B. mittags in Ihrem Bett
schlafen darf. Bleiben Sie aber nicht im Zimmer, sondern lassen
Sie nur die Tür etwas geöffnet und sagen Sie ihm, dass Sie, während
er schläft, regelmäßig gucken kommen und auf ihn aufpassen
werden. Ganz wichtig: Hat er ein schmusiges, größeres
Stofftier, z.B. einen Stoffhund, der ihn niemals alleine lässt
und immerzu auf ihn aufpasst, wenn er schläft? Gehen Sie mit L
ein solches Stofftier kaufen. Sagen Sie, L solle sich selber ein
Stofftier aussuchen, das immer auf ihn aufpassen soll, wenn er
schlafen geht. Betonen Sie dann ganz ausdrücklich, dass dieses
Tier (einen Namen muss es natürlich auch bekommen) immer
aufpassen wird und niemals weggehen wird.
Abends sollte L in seinem eigenen Bett einschlafen, wobei Sie
anfangs recht lange an seinem Bett sitzen bleiben und gemeinsam
mit dem treuen Stofftier auf ihn aufpassen. Und nach und nach im
Laufe der Zeit lockern Sie diese Rituale. Am längsten sollte der
Stoffhund als Ritual und Übergangsobjekt bleiben (manche
Erwachsene gehen heute noch mit ihrem Kindheitsteddy ins Bett).
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt