| Sehr
geehrter Herr Schmidt, mein Sohn Manuel, 12 Jahre, hat einen absoluten Tiefpunkt. Er ist sehr sensibel. Er fühlt sich momentan als absoluter Außenseiter in der Schule und auch zu Hause. Er kommt nicht damit klar, daß uns sein Papa verlassen hat. Er meint, jeder würde ihm ansehen, daß er keinen Papa mehr hat. Er gibt sich nicht die Schuld, aber er kann auch nicht offen darüber reden. Er will nur seinen Papa zurück und kommt mit der Situation nicht klar, daß sein Papa weg ist. Ist es ratsam, wenn ich einen Kinder-Psychologen aufsuche, damit er mit dem dann über seine Probleme sprechen kann. An wenn kann ich mich wenden, wir wohnen in München. Ich habe die Befürchtung, daß er einen Knax wegbekommt, wenn ich nichts unternehme. Ich bin ihm momentan auch keine große Hilfe, da ich selbst mit der Situation nicht klarkomme, daß mich mein Mann verlassen hat. Vielen Dank im voraus. M. |
Hallo, Sie sollten
gemeinsam mit Ihrem Mann und Manuel eine
Erziehungsberatungsstelle aufsuchen (das ist kostenfrei und
fachlich qualifiziert) und sich dort gründlich beraten lassen,
was Sie und der Vater tun sollten, um dem Sohn die Situation zu
erleichtern. Sie und Ihr Mann haben jetzt die Pflicht, alles zu
tun, damit die elterliche Trennung möglichst
"kindgerecht" vonstatten geht. Ihr Mann sollte sich
gemeinsam mit Ihnen dort beraten lassen, denn beide Eltern sind
jetzt aufgerufen. Manuel darf eben nicht den Eindruck bekommen,
den Vater zu verlieren, wenn sich seine Eltern trennen.
Eltern bleiben Eltern, auch bei Trennung und Scheidung.
Wenn Sie und Ihr Mann diesen Satz möglichst umfassend im Alltag
umsetzen, hat Manuel natürlich weiterhin seinen Papa, auch wenn
seine Eltern sich trennen. Und das ist die Voraussetzung dafür,
dass er mittelfristig keinen "Knax" entwickelt.
Vielleicht finden Sie über die Beratungsstelle auch eine
Möglichkeit für sich selbst (z.B. eine Gesprächsgruppe oder
Selbsthilfegruppe), mit Ihrem eigenen Schmerz so ferig zu werden,
dass Sie Manuel nicht noch zusätzlich belasten.
Mit freundlichem Gruß, Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt