Lieber Herr Dr. Schmidt,   ich bin schon lange der Meinung, dass ich psychologische Hilfe benötige, doch es ist ja sonst recht teuer, darum erhoffe ich mir jetzt etwas Hilfe, zumindest Denkanstösse in die richtige Richtung. Ich habe einen Freund, zwar noch nicht sehr lange, dafür sehr spektakulär. Wir verstanden uns einen Monat glänzend, haben alles miteinander unternommen, waren glücklich und zufrieden, doch als dann die erste Verliebtheit fiel, merkte ich, dass alles auch nur dann gut war, wenn es nach ihm ging. tja, nach endlosen Grundsatzsdiskussionen und Tränen machte ich am 15.10. ganz schluss (vorher war auch schon 2 x schluss, weil er mich mit einem tritt in den ALLERWERTESTEN zur Tür hinaus beförderte und anderen dingen). dann fuhr ich erstmal mit meiner freundin 2 wochen in den urlaub. ich war unerreichbar für ihn und er konnte nichts tun.in dieser zeit erlebte er, wie er sagt, einen lebenswandel. sicher, er trinkt nicht mehr so viel, geht auf mich ein, hört mir zu, ist zärtlich, er liebt mich sehr, das weiß ich. ich habe es wieder mit ihm probiert, es läuft nun alles so, wie ich es möchte, wir reden ganz sachlich über probleme und klären sie auch ganz schnell und sie sind dann auch nie mehr ein thema, auch meine  freiraum habe ich  wieder. doch mind. 3 mal die woche rastet er wegen den kleinsten dingen aus und schreit mich an und provoziert mich so dass ich ganz aufgelöst bin und stinkesauer bin, weil ich den sinn nicht erkenne und meistens gehe ich dann nach hause.zu hause denke ich dann, dass die ganze beziehung keinen sinn macht, wenn man schon am anfang so wahnsinnig viele probleme hat, sich ständig streitet wegen sachen, die keinen wochenendstreit wert sind. dann denke ich, wenn es mich so nervt und keinen sinn sehe, dass ich ihn nicht genug liebe und so geht es mir jedesmal. keiner kann es mir recht machen, so oft ich es auch versuche, an jedem finde ich sachen, die mich stören. ich versuche sie zu akzeptieren, doch meist sind es dinge, mit denen ich einfach nicht leben kann. vielleicht bin ich beziehungsunfähig?? ich lese die neuesten bücher über partnerschaftspflege und alles und setze alles um, doch mich nervt so vieles was er tut. und er ist so cholerisch und egoistisch und hat einen schlimmen putzfimmel und ich darf mich bei ihm nicht so viel bewegen, weil ich sonst staub aufwirbele und solche sachen, verstehen sie was ich meine, mit den dingen, wo ich keinen sinn sehe, dass ich angeschrieen werde?? es ist schwer alles in einer emal kurz zu schildern, es bedarf stunden, doch eins muss ich wissen, ich möchte eine entscheidung treffen und bin nicht sicher, ob ich nicht überreagiere, drum nun meine gedanken:   - wenn man jemanden liebt, stört man sich doch nicht an so kleinen dingen und der andere part ist doch auch nicht wegen dem kleinsten blöden ungerechten angeschreie tagelang sauer, oder?   - sollte man eine beziehung weiter versuchen aufzubauen, wenn man schon innerhalb der ersten drei monate unglaublich viele zweifel hat?   - kann sich ein dreissigjähriger mensch wirklich innerhalb von 2 wochen ändern? oder kommt der alte mensch wieder, wenn er mich wieder sicher weiß?   ich hoffe, sie können mir kleine tips geben, wie ich weiter machen soll, denn ich leide unter dieser beziehung und weiß nicht, ob ich ihn genug liebe um diese vielen probleme aller 2 tage zu klären, denn es nervt. vielen dank!!! Ihre K.

Liebe K.,
Ihre Fragen kann ich natürlich alle nicht beantworten, weil es bei jedem Menschen und jedem Paar wieder anders ausfällt, und mit den wenigen Informationen, die Sie liefern, könnte ich nur so ganz allgemein daherschwafeln, und das tue ich nicht gern.

Und entnehme Ihrer Schilderung aber immerhin so viel, als dass Sie offenbar ein etwas schwieriger Mensch zu sein scheinen. Man hat den Eindruck, Ihr Freund muss sich in Ihrer Gegenwart ununterbrochen gewaltig beherrschen, bis er dann doch immer wieder platzt und Sie ihn zur Raserei bringen. Wie machen Sie das? Sind Sie hektisch, launisch, nörglerisch? Piesacken und verletzen Sie ihn gern? Andererseits könnte Ihr Freund vielleicht genau vom selben Schlag wie Sie sein, und dann prallen natürlich zwei Menschen aufeinander, die sich wechselseitig zu Streit und Konflikten aufschaukeln, statt dass der eine den anderen beruhigen und emotional auffangen könnte. Man hat jedenmfalls das Gefühl, dass es mit Ihnen beiden immer auf und ab gehen wird, und wie lange Sie oder er das aushalten, weiss ich nicht. Vielleicht nicht lange.
Wenn Sie glauben, Sie bräuchten psychologische Hilfe und seien allgemein beziehungsunfähig, sollten Sie in eine Psychotherapie, am besten in eine Gruppentherapie gehen. Das zahlt Ihre Krankenkasse.

Mit freundlichem Gruß,
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt