Sehr geehrter Herr Schmidt,
ich bin Mutter  von zwei Kindern, mein Sohn ist  3 Jahre, meine Tochter  3
Monate
Bevor unser  Sohn kam  wohnten wir  einer sehr kleinen Wohnung (mein Mann
u. ich). Mein Sohn wurde /97 geboren  u. 2 Jahre später fingen wir an umzu-
bauen. In der Bauperiode wohnten wir bei meiner Mutter u. Großmutter, in
zwei Zimmern. Unstere Tochter wurde im Juli 2000 geboren u. 5Wochen vorher
zogen wir wieder  um. Unser Sohn war schon immer etwas schwierig. Er zog sich
nie gerne an, allem hatte er was zu nörgeln. Er schlug sich immer den Kopf auf
den Boden u. schrie (das ist "Gott sei Dank" vorbei. In der Bauperiode waren
wir
alle ziemlich mit den Nerven am Ende. Meine Mutter konnte gut Grenzen setzen,
geschweige den Großmutter, ich versuchte es zumindest, aber wenn ich laut
wurde bekam ich gleich zuhören :"so erzieht man kein Kind". Nach einem
halben Jahr resignierte ich total, was ein großer Fehler, weiß ich jetzt.  Es
wurde immer schlimmer. Als wir in unser Haus einzogen, schämte ich mich
mit meinem Sohn wegzugehen, da die Leute ja sahen , daß ich  mein Kind
nicht erziehen kann.  Die Schwangerschaft nervte mich. Es gab  nur noch
Geschrei jeden Tag. Als unsere Tochter auf der Welt war, war unser Sohn
sehr eifersüchtig. Er ließ es aber nicht am Baby aus , sondern an uns.
Er hat wieder eingenäßtl, war noch troziger, böse gegenüber   der Uroma
u Oma, in Form von anschreien, schlagen u. spucken. Es ging soweit daß mein
Mann u. ich  uns nur noch gestritten haben, das Baby nur noch geschrien ( 3-
Monats-Kolliken),kurz und gut, es war alles zuviel. Mein Mann u. ich konnten
uns dann aber doch aussprechen, weil jeder die Schuld auf den anderen sah, in
Sachen Erziehung. Wir mußten uns wieder  finden, was uns gelungen ist, jetzt
müssen wir es noch mit unseren Sohn geregelt bekommen Es war eine Zeit,
da empfand ich nur Ablehnung für Ihn, ich glaube das beruhte auf gegenseitig-
keit. Wir versuchen es wieder in den Griff zu bekommen doch wir wissen
nicht wie. Versuchen wir  mit Ihm  zu reden, resigniert er, außerdem wissen
wir auch nicht ,ob er  das schon so versteht. Bleiben wir ruhig, bringt es
nichts,
werden laut oder schreien sogar bringt es sowieso nichts. Bevor  ich ihn
schlage,
wende ich mich an Hilfe von außen. Was wir noch nicht verstehen an ihm ist: er
zeigt Abneigung gegen meine Schwiegereltern, er fährt nicht mit, wenn wir
zu Ihnen fahren. Es gibt nur wenige Familienmitglieder mit denen er sich gut
versteht u. zu denen er auch gerne hinfährt u. mit  anderen Kindern in seinem
Älter kommt er sehr gut aus, auch mit deren Mütter, nur mit  mir nicht. Warum?
Bitte helfen Sie uns u. erklären sie wie wir das 1 Jahr Bau hinsichtlich der
Grenzen,
u. zurechtkommen mit unserem Kind wieder hinkriegen u. lernen unser Kind
zuverstehen.
 
Sehr geehrte Frau,

vielen Dank für die anschauliche Schilderung Ihrer Situation. Ich glaube, dass Sie nicht nur eine Bauperiode in dem Sinne hinter sich haben, dass Sie ein Haus ausgebaut haben, sondern dass die familiäre "Bauperiode" erst noch vor Ihnen liegt: Vor lauter Baumassnahmen sind Sie noch gar nicht richtig dazu gekommen, Ihre Familie seelisch zu "bauen". Das klingt alles so nach räumlicher und seelischer Enge, nach Stress, Genervtsein und Abhängigkeit von den Omas bisher. Ihr Sohn muss sich das ganze Jahr völlig überflüssig und störend empfunden haben. Sie und ihr Mann hatten ja andere Sorgen. Ihr Sohn konnte sich nicht genug als Liebesmittelpunkt seiner Eltern fühlen. Sie mussten ihn an die strengen Omas "ausliefern", statt sich liebevoll selbst um ihn zu kümmern und ihn durch die Bauperiode fürsorglich zu begleiten. Und dann holen Sie sich auch noch ein neues Kind (seine Schwester)!!! Ihr Sohn hat vielleicht aus all dem den Schluss gezogen, dass alles an ihm selbst liegt: weil er so "böse", nervend und wenig liebenswert ist, haben sie ihn (sozusagen als Strafe) zu den Omas gegeben und sich ein neues Kind geholt. Das hat ihn tief gekränkt und wütend gemacht, dagegen protestiert er ständig. Er glaubt vielleicht, andere Mütter hätten ihn viel lieber als Sie und die gestrengen Omas. Da können Sie sich sicher einfühlen: Wenn Sie überzeugt von jemandem sind, dass er sie nicht leiden mag, dann können Sie ihn auch nicht leiden. So geht es vielleicht Ihrem Sohn mit den Omas und teilweise wohl auch mit Ihnen. Die Omas sollen ihn in Ruhe lassen, er will von seiner "richtigen" Mutter sehr liebgehalten werden, viel mehr als bisher.

Wenn Sie dies alles ausführlicher und gründlicher überlegen wollen und sich dabei begleiten lassen wollen, wenn Sie Verbesserungen ausprobieren, dann empfehle ich Ihnen, sich in einer Familienberatungsstelle kostenlos und fachlich kompetent ausführlicher beraterisch begleiten zu lassen. Gehen Sie dazu auf dieser website auf die Seite "PsychoMetrix", klicken Sie links unten auf "bke", dann auf "Ratsuchende", dann auf "Adresssuche". Geben Sie dort die geforderten Angaben ein und Ihre nächstgelegene Erziehungs- und Familienberatungsstelle wird Ihnen genannt. Melden Sie sich dort telefonisch an und erfragen Sie, wann Sie einen ersten Beratungstermin bekommen.

Das wünscht ihnen und Ihrer im Bau befindlichen Familie Ihr

Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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