Seit über 7 Jahren lebe ich in einer Ungewissheit, die für mich unerträglich ist

Mein Mann ( 57 Jahre ) und ich ( 55 Jahre ) haben 1975 geheiratet, sind also seit fast 36 Jahren zusammen. Nach wenigen Ehejahren hat mein Mann mich zweimal wahnsinnig enttäuscht. Einmal machte er ( ich war nach einer Feier ziemlich "abgeschossen" ) mit einer Polaroidkamera Fotos von mir, die mich in schamverletzender Weise zeigten. Er versteckte diese Bilder, ich fand sie zufällig und war zutiefst verletzt. Seine Rechtfertigung : Er wollte mir die Bilder zeigen, hatte es jedoch vergessen.  

Zwei Jahre später, ich war wieder nach einer Feier weinselig ins Bett gefallen, schlief er mit mir, ich bekam davon absolut nichts mit. So konnte ich mir das Ausbleiben meiner Menstruation auch nicht erklären. Nachdem ich mit meinem Mann darüber redete, merkte ich, dass er mir nicht in die Augen sehen konnte und löcherte ihn ganze 3 Monate !!!, bevor er zugab, in besagter Nacht ungeschützten Sex mit mir gehabt zu haben. Ich verlor das Kind, und das Vertrauen zu meinem Mann. Des Nachts fühlte ich mich nicht mehr sicher neben ihm, trank eine sehr lange Zeit keinen Alkohol mehr.  

In der Zeit bis 2002 verlief unsere Ehe in ruhigen Bahnen, mal gab es Streit, mal Harmonie, also eine ganz normale Beziehung.   Ende 2002 klingelte in unserem Haus ein Handy, der Klingelton war mir unbekannt. Bevor ich die Treppen ins Erdgeschoß hinunterlief, verstummte das Signal. Mein Mann verneinte, ein 2. Handy zu besitzen, ich war jedoch misstrauisch, denn ich wußte aus der Vergangenheit, dass mein Mann es mit der Wahrheit nicht so genau nahm.   Mein Mann war im Aussendienst beschäftigt, bei freier Zeiteinteilung.   Ich fing an, ihn heimlich zu kontrollieren, hörte sein Diktiergerät ab und entdeckte mehrere Gespräche, die sehr undeutlich waren ( von Fahrgeräuschen des Autos überlagert ). Diese Gespräche speicherte ich auf meinen PC, sagte meinem Mann jedoch nichts davon. Unsere Beziehung veränderte sich.

Mein Mann übersah mich im neuen seidenem Nachthemd, mehrmals konnte er nicht mit mir schlafen, er fing sich an im Intimbereich zu rasieren ( hat er früher nie gemacht ) und als ich das eines Tages merkte, schimpfte er mich an..." So guckst duuuu mich an, bemerkst ja noch nicht einmal, dass ich rasiert bin". Auch hier fühlte ich mich ungerecht behandelt, denn mein Mann zeigte sich mir nicht mehr als "Adam" .   Im Oktober hörte ich dann eine sehr deutliche Verabredung mit einer Frau, mir wurde speiübel.   Ich wartete 1 Woche, dann konfrontierte ich meinen Mann mit diesem Gespräch.   Er verlachte mich und unterstellte mir, ich hätte da wohl etwas "manipuliert", ich wolle ihm einen reinwürgen. Er stritt vehement ab, sich mit einer Frau verabredet zu haben, es gäbe keine andere Frau in seinem Leben. ( Im beruflichen Umfeld meines Mannes gab...und gibt es keine weilblichen Mitarbeiterinnen oder Kundinnen, das ist Fakt ). Ich fühlte mich total schlecht, übergab mich nach jedem Essen, litt unter Magen- und Darmstörungen, fand in der Nacht keinen Schlaf. Innerhalb von 4 Wochen verlor ich 10 Kilo an Gewicht.

In diesen 4 Wochen diskutierten wir täglich, ich war verletzt, fühlte mich hintergangen. Er blieb dabei, es würde keine andere Frau in seinem Leben geben.   Nach diesen 4 Wochen kam dann der Knall, meinem Mann fiel plötzlich ein, dass er das Gespräch mit mir geführt hätte, wörtlich " Du bist das gewesen...machst so ein Theater und du bist selbst die Frau...du hast das nur vergessen ". Nach dieser Aussage war ich so zornig ( weil das absolut nicht stimmt ) und habe mit dem erst besten Gegenstand ( in diesem Fall eine Holzlatte ) nach meinem Mann geschlagen. Ich war vollkommen außer mir, und habe mich im Nachhinein unglaublich für diesen Ausbruch geschämt.   Mein Mann blieb bei seiner Aussage, mein Nervenkostüm ging in den folgenden Jahren der Ungewissheit förmlich den Bach hinunter. Ich fing an, an meiner Wahrnehmungsfähigkeit zu zweifeln, zeitweise dachte ich wirklich, dass ich vollkommen bekloppt sei.  

Erst 2009 ließ mein Mann es sein mich mit der Lüge zu quälen, dass ich diese Frau sei. Seit dem sagt er ständig : " Ich erinnere mich nicht an eine Frau, es gab vorher keine Frau, zu diesem Zeitpunkt keine Frau...und später auch nicht". Und genau DAS kann ich nicht verstehen. Es gab damals eine Frau, aber die gab es nicht, bzw. keine Erinnerung. Es gab eine Verabredung, aber die gab es nicht, ebenfalls keine Erinnerung.   Die anderen Gespräche, die ich 2003 auf den PC gespeichert habe, hörte ich erst Jahre später richtig an, mit Hilfe eines Sprachverbesserungsprogramms.   Zu hören waren Gespräche mit einem anderen Mann. In diesen Gesprächen spiele ich die Hauptrolle. Dieser Mann benutzt meinen Vornamen so normal, als würde er mich sehr gut kennen. Mein Mann plaudert ein sehr intimes Geheimnis von mir aus, von dem nur er und kein anderes Familienmitglied etwas weiß. Er erzählt diesem Mann, dass ich eine Elefantin sei und nichts vergessen könne. Dieser Mann warnt meinen Mann, er solle bloß nichts der XXX (also mir) von einer "Sache" erzählen, sonst gebe es Probleme. Dieser Mensch weiß, dass ich eine Zahnfüllung verloren hatte und unter Schmerzen litt. Mein Mann berichtet über unsere Ehestreitigkeiten. Es wurde über mich gelacht und gelästert, teilweise in einer, meine Person betreffend, beleidigenden Vulgärsprache.  

Mich schmerzt das alles ganz, ganz arg, besonders, dass mein Mann mein Geheimnis ausgeplaudert hat.   Mir war niemals bekannt, dass mein Mann einen Freund, bzw. einen Kollegen hatte, mit dem er sich privat austauschte. Mein Mann hatte offiziell keinen Freund und ist, so wie ich ihn kenne, ein sehr introvertierter Mensch.   Nachdem ich meinen Mann bat, mir zu sagen, wer dieser Mensch ist, kam wieder die Aussage :" Es gibt keinen vertrauten Freund/Kollegen in meinem Leben. Ich war wohl nur irgendwie wütend auf dich, darum habe ich das alles irgendjemandem erzählt".   Mein Mann scheint nicht nachvollziehen zu können, warum ich so darunter leide, es könne sich lediglich um Kleinigkeiten gehandelt haben.   Einmal suchten wir eine Eheberatung auf ( das war im Jahre 2004 ), die Psychologin riet uns zur Trennung. Ich bat meinen Mann gefühlte tausendmal, sich eine Wohnung zu suchen. Er unterschrieb schon mehrfach einen Mietvertrag, wir zahlten die Miete, er ist noch immer hier im Haus. Wenn es soweit ist, und er ausziehen soll, dann leidet er dermaßen stark ( hoher Blutdruck, Magenschmerzen ), dass mich mein Gewissen plagt und ich meine Entscheidung wieder rückgängig mache. Aber dann leide ich wieder, was meinen Mann jedoch weniger kümmert. Er geht seinem Leben hier nach, mal mehr..mal weniger normal, während ich immer trauriger, freudloser und antriebsschwächer werde. Mittlerweile regelt mein Mann sogar die Wäsche, ich habe einfach keinerlei Energie mehr im Körper.  

Seit über 7 Jahren lebe ich in einer Ungewissheit, die für mich unerträglich ist, aber...ich werde niemals erfahren,was hinter dieser ganzen Geschichte steckt. Ich kann meinem Mann das Vergessenhaben nicht glauben, mein Kopf nimmt das nicht an.   Haben Sie eine Idee, wie ich meine Ruhe wiederfinden kann, denn so kann es nicht weitergehen. Reagiere ich über, so wie mein Mann behauptet ? Habe ich evtl. eine Wahrnehmungsstörung ? Eine Therapie ist vollkommen zwecklos, mein Mann hat mir nichts zu sagen, was ich verzeihen könnte, es liegt alles im dichten Nebel. Besonders das Lästern hinter meinem Rücken macht mir unglaublich zu schaffen, das ist einfach zu viel für mich.   Sorry, ist wirklich lang geworden, herzlichen Dank für's Lesen.  

Liebe Grüße  von der Unentschlossenen

 

Liebe Unentschlossene!
Ich finde, Sie quälen Ihren Mann und sich selbst all die Jahre sehr. Aber warum? Was wollen Sie mit all dem Misstrauen, der Eifersucht und dem Gekränktsein erreichen? Ich kann kein ernsthafteres Vorkommen in Ihrer Ehegeschichte erkennen, das wirklich begründeten Anlass bieten würde für Ihr ständiges Misstrauen und Ihr Gekränktsein.

Sind Sie kinderlos? Das würde zum Teil erklären, warum Sie so auf Ihren Mann fixiert wirken. Gemeinsame Kinder puffern Beziehungsprobleme zwischen Eheleuten oft ab, sie machen großzügiger, erweitern die ehelichen Spielräiume und lenken die Aufmerksamkeit voneinander etwas ab, hin auf Wichtigeres, nämlich die Kinder.

Mir fällt auch auf, dass Sie zumindest zeitweilig Alkoholprobleme zu haben scheinen (schienen?). Nachdem Sie einige Zeit keinen oder wenig Alkohol getrunken zu haben schienen, ist es in Ihrer Ehe ruhiger gewesen. Stimmt das? Überhaupt glaube ich, dass nicht eine Ehetherapie, sondern eine Einzel- oder Gruppentherapie für Sie selbst sehr hilfreich sein würde. Sie sollten tiefer ergründen, warum Sie sich und Ihre Ehe so quälen und was es wirklich mit Ihrem Misstrauen, Ihrer Eifersucht und Ihrem Gekränktsein auf sich hat. Ist alles wirklich begründet? Oder hat alles tiefere Ursachen, die in Ihrer Lebensgeschichte wurzeln? Erst, wenn Sie sich hierüber klarer sind, wissen Sie, wozu Sie sich entschließen könnten. Eine Gruppen- oder Einzelpsychotherapie oder Selbsterfahrung hilft, Ihre Unentschlossenheit zu beenden.

Dabei wünscht alles Gute
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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