| Hallo, ich benötige dringend einen Rat. In unserer Firma gibt es seit Anfang des Jahres eine neue Kollegin. Nun ist mir vor ein paar Wochen zu Ohren gekommen. daß sie von jemandem Liebesbriefe, E-Mails und Blumen bekommen hat. Sie weiß aber nicht hundertprozentig, wer das gewesen sein könnte. Sie vermutet es nur. Und ihr Verdacht fällt nun auf mich. Nur habe ich damit nichts zu tun. Erfahren habe ich das allerdings nicht von ihr sondern von einem Kollegen. Ich habe danach versucht, mit ihr zu reden. Eben deswegen und zudem war mir auch schon aufgefallen, daß sie sich immer mehr zurückzieht von mir, mir aus dem Weg geht und noch nicht mal mehr grüßt vor weniger mit mir redet, was am Anfang aber war. Wenn wir uns über den Weg laufen, schaut sie beispielsweise einfach weg. Das Gespräch hat allerdings nichts gebracht, denn sie hat es nach wenigen Minuten einfach abgebrochen, weil sie mir nicht glaubt. Ich muß dazu sagen, daß ihr Verdacht nicht von irgendwo herkommt, sondern es gibt schon einige Kleinigkeiten, die auf mich deuten. Das sehe ich auch ein. Nur kann ich mir sehr gut vorstellen, daß sich vielleicht ein kollege einen Scherz erlaubt hat oder mich aufs Glatteis führen wollte. Auf jeden Fall gibt es keine eindeutigen "Beweise" gegen mich, aber auch leider nicht für mich. Und in dem Gespräch hat sie dummerweise jedes meiner Worte auf die Goldwaage gelegt und fühlte sich nur bestätigt mit dem was in den Mails und Briefen stand. Ich muß dazu sagen, daß sie aus den neuen Bundesländern kommt und nun bei uns in NRW arbeitet. Und zu Beginn ist sie jedes Wochenende nach Hause gefahren. Sie sagte auch, daß sie eine Riesenangst gehabt habe, wenn sie am ende eines Wochenendes zurück nach hier kam, daß ihr jemand auflauert oder sie verfolgt. Das kann ich auch irgendwie verstehen und nachvollziehen. Nur habe ich nichts damit zu tun. Ich habe nun einige Wochen nach diesem Gespräch nochmal versucht auf sie zuzugehen und mit ihr die Sache in einem Gespräch zu klären. Aber nun blockt sie einfach ab und will nicht mehr mit mir reden. Sie schaltet auf stur. Nur habe ich nun das Problem, daß sie ihr privates Problem mit in die Firma hineingetragen hat und es für mich zunächst nur ein berufliches Problem war. Doch inzwischen ist es auch für mich ein privates Problem, weil ich diese Stimmung und meine Laune durch diese Geschichte auch mit nach Hause nehme. Und sie nannte mir ja auch die Mail-Adresse und sagte, ich solle dahin schreiben, daß die Person sie in Ruhe lassen solle, wenn ich es wirklich nicht sei (was sie aber nicht glaubt, daß ich es nicht war). Das habe ich auch getan und ich hatte eine Himmelangst um sie, daß ich mit diesem Mail wieder was lostreten könnte und ihr was passieren könne, nachdem was sie mir da erzählt hatte. Aber glücklicherweise war dies als unzustellbar zurückgekommen und darüber war ich erstmal heil froh. Nur ärgert es mich auch, daß ich noch so blöd bin und setze mich für sie noch privat ein und versuche da für sie was zu tun und sie sieht es nicht und läßt auch nicht mit sich reden. Was genau in den Mails und Briefen stand weiß ich leider nicht, weil sie es mir ja nicht sagt da sie mir nicht traut. Und inzwischen redet sie gar nicht mehr mit mir. Und es wird immer schwieriger, denn es wirkt sich natürlich auch aufs Arbeitsklima aus und selbst berufliche Dinge kann ich nicht mehr mit ihr klären. Sie muß auch eine Risenangst vor mir haben, weil sie einen großen Bogen um mich macht. Dabei würde ich ihr niemals was tun. Auch ihre Kollegen sagen schon, daß sie sehr stur sein kann. Und sie ist einfach so. es ist ja nicht so, daß ich ihr diese Vorwürfe nicht verzeihen könnte. Ich verstehe sie ja auch zu gut. Nur man muß doch mal drüber reden und das aus der Welt schaffen. Man kann doch nicht alles totschweigen. Das nützt weder ihr noch mir. Denn ich bin mit den Nerven am ende und das alles belastet mich sehr. Und weil ich bei ihr nicht weiterkomme, sehe ich an scih nur noch dei Möglichkeit, das über die Anbteilungsleitung zu regeln, denn dann muß sie mit mir reden. Nur möchte ich das andererseits auch nicht, weil das erstens ja nicht das Arbeitsklima fördert und weil ich zweitens weiß, daß sie dadurch nur Ärger bekommt. Und das will ich auch nicht. Denn ich weiß ja, daß ich es nicht war, aber sie eben nicht. Und das Problem ist, ich kann eben nicht das gegenteil beweisen. Aber sie hat natürlich auch keine Beweise gegen mich. Ich möchte das Verhältnis zu ihr gerne wieder in den Griff bekommen, aber nur wie? Ich würde ihr ja auch gerne helfen, wenn sie nochmal Probleme in der Richtung hat. Können Sie mir dazu vielleicht noch einen Rat geben? Ich weiß nicht mehr weiter. Was kann ich noch tun? Ich weiß aber schon genau, daß die zeit nicht helfen wird. Also, "Zeit heilt alle Wunden" zieht nicht. Sie wird das niemals vergessen, wenn ich nicht mir ihr ins reine komme. Und nebenbei wird sie ja auch jedesmal wenn sie mich sieht daran erinnert, weil sie mich ja damit in Verbindung bringt. Und weil es mich nun auch privat sehr belastet und auch meine Familie das leider zu spüren bekommt, wende ich mich nun an Sie. Also, bitte helfen Sie mir! Gruß Michael G. |
Lieber Michael G.,
das Einzige, was Sie tun sollten ist: Gehen sie vollständig auf
Distanz zu
Ihrer Arbeitskollegin! Nicht Sie müssen etwas mit ihr ins Reine
bringen,
sondern sie selbst müsste das tun. Denn sie hat ja völlig
unbegründet Sie
verdächtigt und damit das Verhältnis zu Ihnen zerstört.
Deshalb wäre es an
ihr, das Verhältnis wieder zu reparieren oder nicht. Sie selbst
können
praktisch nur Fehler machen, wenn Sie jetzt auf sie zugehen.
Allein durch
Ihr Interesse an ihr machen Sie sich bereits verdächtig. Deshalb
müssen Sie
Ihr Interesse an ihr vollständig begraben. Seien Sie
freundlich-distanziert
zu ihr, wie zu einem entfernten Nachbarn, zu dem Sie keinerlei
innere
Beziehung haben. Nur so kommen Sie aus dieser Falle wieder
heraus. Sie
müssen es der Arbeitskollegin völlig allein überlassen, wie
und ob sie das
Verhältnis zu Ihnen jemals wieder normalisieren will. Wenn Sie
sich
vollständig von ihr zurückziehen, wird sie sich um so schneller
beruhigen
( und Sie selber auch!).
Freundliche Grüße, Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt