| Guten Tag ! Ich leide seit 6,7 Jahren an intensiveren Waschzwangsstörungen. Depressionen begleiten mich seit etwa meinem 15. Lebensjahr. Die Waschzwänge resultieren aus Angst vor dem eigenen Stuhl und dem Stuhl anderer Menschen. Diese Vorstellungen begleiten mich intensiv seit etwa einem Jahr. Davor hatte ich immer regelmäßig Angst vor Ausscheidungen wie Urin oder Sperma. Diese Angst konnte ich jedoch für mich überraschenderweise überwinden. Nach ein paar Wochen allerdings haben mich die oben erwähnten Vorstellungen plötzlich überfallen. Das heißt Gedanken habe ich mir schon zuvor darüber gemacht. Aber auf einmal gab es eine Art auslösenden Moment, wo mich das ganze 'infiziert' hat. Ich mache zwar seit 5 Jahren Gesprächstherapie. Insgesamt aber habe ich das Gefühl, dass ich damit insgesamt nicht weiterkomme. Ich bin mittlerweile derart verzweifelt, dass ich mir schon überlegt habe, irgendwelche Geistheiler aufzusuchen. Die Zwänge verschlingen jede Menge Energie von mir, so dass ich mich jeden Tag mehr oder weniger durchs Leben quäle und regelmäßig Suizidgedanken pflege. Raten Sie mir zu einer anderen Form der Therapie? Ich habe da große Ängste, in schlechte Hände zu geraten und traue mich auch nicht, mich von meiner jetzigen Therapeutin zu trennen, da ich mich in Therapiepausen oft noch schlechter fühle und sie mir immer das Gefühl einer Anlaufstelle gibt, was zu einer gewissen Beruhigung beiträgt. Mit bestem Dank |
Hallo,
vielen Dank für Ihre Anfrage! Ihre seelische Zwangsproblematik
kann erfolgreich behandelt werden. Bevor Sie allerdings
irgendwelche "Geistheiler" aufsuchen, sollten Sie
ernsthaft überlegen, ob Sie nicht in einer
psychotherapeutischen-psychosomatischen Klinik eine
psychotherapeutische Intensiv-Kur machen. Ein solcher
stationärer Klinikaufenthalt wäre aus meiner Sicht die beste
Möglichkeit, aus Ihrer Krise heraus zu finden. Besonders Ihre
Suizidgedanken machen mir Sorgen. Allerdings sollten Sie Ihre
Gesprächstherapie vielleicht erst einmal beenden oder pausieren.
5 Jahre Dauer sind sowieso sehr lang, wenn Sie obendrein keine
deutliche Heilung feststellen. Eine neue nur ambulante Therapie
würde derzeit vielleicht zu lange brauchen, um Ihnen kurzfristig
wirklich zu helfen.
Deshalb mein dringender und ernsthafter Rat an Sie: Suchen Sie
sich mit Hilfe Ihrer Therapeutin und Ihrer Krankenkasse eine gute
psychotherapeutische Fachklinik aus, in die Sie für eine
Intensivkur gehen. Eine spätere neue ambulante Psychotherapie
(vielleicht bei einem Psychoanalytiker) kann sich immer noch
daran anschließen.
Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt