Guten Tag Herr Schmidt

Ich hoffe sie helfen mir bei meinem "schmerzvollen Erwachen". Meine Eltern
sind vor meiner Geburt aus wirtschaftlichen Gründen alleine ausgewandert.
Beide waren während der ganzen Zeit Berufstätig. Mein Vater war immer etwas
mehr oder weniger depressiv und sehr introvertiert - eine schwache Persönlichkeit.
Meine Mutter war der Kämpfer Typ hat alles gemanaget, mein grösserer Bruder
und mich grossgezogen und uns zu erfolgreiche Ingenieure werden lassen. Sie
hat selber mit 45 Jahren in ihrer Firma ein Karriere gestartet und es zu
einer Führungsperson gebracht. Soweit so gut. Wenn ich in meine Kindheit
zurückblicke so sehe ich, dass ich bis zum Alter von 14 Jahren ein impulsiver
"revolutionär" in unserer Familie war - und von da an wurde ich das liebe
ruhige schäfchen, welches immer erfolgreich war und nie irgendwo durchgefallen
ist. Meine Mutter schlug mich in meiner Kindheit öfters, hatte taktiken um
meinen Fleiss und ihr Wille mit Geld oder Liebe zu kaufen. Verschwieg mir
öfters sachen oder erzählte mir Unwarheiten - hauptsache sie erreichte ihre
Ziele und Wünsche. Dies ebenfalls mit meinem Bruder und meinem Vater. Auch
heute ist es noch so, aber in der Zwischenzeit bin ich mit einer intelligenten,
starken Frau verheiratet welche es nicht toleriert dass Menschen lügen, was
meine Mutter mit ihrer Herrschsucht täglich macht. Meine Frau hat meine Eltern
sehr gerne und respektiert sie doch ab und zu kocht es bei Ihr. Ich persönlich
bin sehr beliebt und erfolgreich - leide aber unter Minderwertigkeitskomplexe
und unzufriedenheit im Job. Wie kriege ich meine langersehnte Wende in meinem
Leben ? Für Ihre Antwort danke ich im voraus herzlichst.

Hallo,
ich habe überlegt, was Sie mit Ihrer langersehnten Wende in Ihrem Leben meinen könnten. Sie schreiben ja nicht, was Sie damit meinen (Sie schreiben auch nicht, ob Sie männlich oder weiblich sind, ich glaube aber, dass Sie ein Mann sind). Bedeutet dies, dass Sie zwar eine Wende wünschen, aber gar nicht so genau wissen, welche?
Wer aber eine Lebenswende wünscht, ist mit irgendetwas in seinem bisherigen Leben sehr unzufrieden. Ich vermute, bei Ihnen hängt dies mit Ihrem Verhältnis zu Ihrer Mutter zusammen. Weder Ihr Vater noch Sie selbst konnten es wohl bisher mit Ihrer Mutter aufnehmen und sich ihr gegenüber angemessen profilieren. Ihre Mutter scheint eine so dominante Person zu sein, dass Sie sich lieber eine mindestens genauso dominante Ehefrau gesucht haben, statt sich selbst gegenüber Ihrer Mutter durchzusetzen. Kann es sein, dass Sie in Ihrer Partnerwahl ihr Mutter-Sohn-Verhältnis annäherungsweise wiederholen? Dann haben Sie in Ihre Ehe ein Autonomieproblem übernommen, das Sie bereits als Kind mit Ihrer Mutter hatten.

Ist das vielleicht das Problem, bei dem Sie ein Wende herbeisehnen? Ich bin mir aufgrund Ihrer wenigen Angaben etwas unsicher. Eine persönliche psychologische Lebensberatung (online oder in einer Praxis) könnte Ihnen aber helfen, diese Zusammenhänge präziser zu erkennen und zu bearbeiten.

Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt