| Sehr geehrter Herr Schmidt, ich finde es schön, dass sich mal jemand, ohne Geld zu verlangen, für eine Beratung hergibt und möchte mich schon im voraus bedanken. Mein Problem ist folgendes. Ich leide schon seit über 20 Jahren an Zwängen. Leiden ist vielleicht nicht mehr der richtige Ausdruck, weil ich damit zu leben gelernt habe. Ich will mich auch so gut es geht kurz fassen. Ich habe in den ganzen Jahren auch schon immer mal Psychologen aufgesucht, viele Jahre gar nicht. Vor 2 Jahren war ich mal zu einer psychosomatischen Kur. Mein Problem ist, ich kann "es" nicht ganz lassen. Sie wissen ja, dass man Zwänge nicht einfach lassen kann, sonst täte man es. Also, was in dieser Richtung auch geraten wird, geht nur soweit, wie man es selber irgendwie schafft, danach mit den Ängsten klarzukommen. Gut, also ich lebe damit irgendwie, manchmal geht es mir sehr auf den Nerv. Deshalb würde ich gerne mal wisse, gibt es in der Zwischenzeit ein wirkliches Mittel, das wirklich dagegen wirkt und könnten sie mir dieses mitteilen? Eine Psychotherapie wäre für mich nicht mehr angebracht, ich habe glaube ich, alles über meine Erkrankung gelesen und kann, wie gesagt, so mehr oder weniger, wenn ich mich der Krankheit anpasse, damit leben. Zwar wüsste ich gerne mal, wie man es einfach "abgewöhnen" könnte, aber das weiss ja niemand. Besonders schlimm ist es nachts, wenn ich 2 bis 3 Stunden vor dem Zubettgehen noch aufräumen "muss". Damit ich davon runterkomme, nehme ich dann Schlaftabletten, lege mich schnell hin und warte, dass sie wirkt. Gut, ein anderes Mittel wäre auch bloß Chemie, aber vielleicht könnte es in meinem Gehirn eine Änderung bewirken, so dass ich die Schlafmittel nicht mehr brauche. Aber es sollte erwiesen sein, dass es auch wirklich hilft, denn ich möchte nicht herumexperimentieren und zum Schluss noch schlechter drauf sein, als vorher oder irgendwie anders (vielleicht fett und häßlich oder mit einer anderen psychischen Störung), aber auch nicht "normal". Dann bleibe ich lieber, wie ich bin, daran habe ich mich gewöhnt, obwohl so ein Leben wirklich schwer ist. Ich wäre gern, wie alle normale Menschen, denn diesen Quatsch habe ich mir nicht ausgesucht. So, sehr geehrter Herr Schmidt, ich hoffe, dass ich mein Problem so einigermaßen darstellen konnte und freue mich schon jetzt über eine Antwort von Ihnen. Vielen Dank im voraus. K. |
Hallo,
nein, leider konnten Sie Ihr Problem nicht so darstellen, dass
ich Ihnen genauer raten könnte. Sie schreiben von
"Zwängen", ohne sie zu beschreiben (bis auf das
Aufräumen abends), und Sie fragen nach einem "wirklichen
Mittel", womit Sie wohl Medikamente meinen. Wieso fragen Sie
das ausgerechnet mich? Ich bin Psychologischer Psychotherapeut.
Wenn Sie Medikamente suchen, ist ein Arzt (Psychiater) die
richtige Adresse. Ansonsten schreiben Sie nichts über Ihr Leben,
Ihre Familie, Ihre psychologischen Verhältnisse, Ihre Wünsche,
Enttäuschungen, Erfahrungen...Ich weiß nicht mal, ob Sie
Männlein oder Weiblein sind, von Ihrem Alter keine Rede. Sind
Sie wirklich der Meinung, dass dies alles bei Ihren Problemen
keine Rolle spielt?
Ich kann Ihnen deshalb nur (entgegen Ihrer eigenen Ansicht) zu einer seriösen und intensiven Psychotherapie raten. Ich lese zwischen Ihren Zeilen, dass Sie diesen Weg noch nicht wirklich gegangen sind, denn sonst hätten Sie differenzierter geschrieben. Anlesen können Sie sich eine Besserung Ihrer Zwänge sowieso nicht.
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt