Hallo!

Ich (27) lebe seit fast 10 Jahren mit meinem Mann (29) zusammen. Seit 2 Jahren sind wir verheiratet. Bis kurz vor unserer Heirat war mein Mann auswärts tätig und wenig zu Hause. So lange lief alles prima.

Seitdem er jeden abend zu Hause ist, wird es von Jahr zu Jahr schlimmer.

Ich habe fast alle Dinge, die mir wichtig waren aufgegeben, da ihm diese Dinge als Blöd oder nervig erschienen. Nun bin ich aufgewacht und habe bemerkt, daß von mir nur noch ein sehr kleiner Teil übrig geblieben ist.

Seit Anfang Oktober studiere ich nun neben meinem Vollzeitjob, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Er wollte mich unterstützen. Doch obwohl er momentan arbeitslos ist bleibt vieles an mir hängen, da er es einfach liegen läßt.

Zudem kommt noch, daß wir uns sehr ein Kind wünschen. Dieser ist aber leider nach 2 Fehlgeburten (April 2000, April 2002) jetzt definitiv unerfüllbar geworden.

Wenn ich ihm schildern will, was mir fehlt und was mich stört, weicht er mir aus oder sagt mir ziemlich barsch, daß ich ihn nerve ("Du gehst mir auf den Wecker" "Geh in Dein Büro und komm wieder wenn Du ausgeheult hast" "Geht das schon wieder los. Ich verstehe Dich nicht" ...).

Nun habe ich mich sehr gut mit einem Studienkollegen, der schwul ist, angefreundet. Ich habe ihn schon besucht und er mich auch. Bei dem letzten Besuch eskalierte die Situation. Mein Mann ist plötzlich völlig grundlos manisch eifersüchtig und will mir den Kontakt zu meinem Kommilitonen verbieten. Zu alle dem mischt sich nun auch noch meine Mutter ein, indem sie meinem Mann rät "seiner Frau mal ordentlich den Kopf zu waschen". Es gehört sich in ihren Augen nicht, daß ich "Männerbesuch" empfange. Meine "Strafe" bestand nun darin, daß er drei Tage kein Wort mit mir gesprochen hat. :-(

Wir haben uns inzwischen ausgesprochen. Eigentlich sollte nun wieder alles gut sein. Doch ich kann ihm nicht mehr richtig vertrauen und ihm glauben, daß er sich ändert und sich mir gegenüber liebevoller verhält. Außerdem fühle ich mich nun wie in einem goldenen Käfig in dem ich sitze und von allen Seiten beäugt werde. Er sagt, daß er mir den Kontakt zu dem Komillitonen zwar nicht verbietet, aber mir sagt wenn es in seinen Augen zu viel wird. Die anschließende Konsequenz können Sie sich ja sicher denken.

Ich weiß nicht, ob ich ausharren soll oder gehen soll, um frei und eigenständig zu sein.
Ich habe keine Kraft mehr diesen permanenten Druck und Streit auszuhalten.

Vielleicht können Sie mir weiterhelfen.

Liebe Grüße

Winnie the Puh

Hallo,
wie soll ich Ihnen weiterhelfen? Ihr Brief klingt so, als wäre es besser für Sie beide gewesen, wenn Sie sich weiter wie während der Zeit, als Ihre Mann noch auswärts tätig war, nur sporadisch gesehen hätten. Fürs tägliche Zusammenleben scheint Ihre Beziehung jedenfalls derzeit nicht sehr zu taugen. Woran das genau liegen mag, kann ich nicht beurteilen. Sie beide haben sich ja auch sehr früh (zu früh?) aneinander gebunden. Wie schaffen Sie ein Studium neben einem Vollzeitjob? Und warum soll sich Ihr Mann alleine ändern, Sie aber nicht?
Ich kann aus Ihren wenigen Angaben nicht sagen, woran es liegt, dass Sie unzufrieden sind. Ihr Mann scheint aber auch nicht zufrieden zu sein, immerhin ist er arbeitslos, während Sie arbeiten, studieren und einen "Studienkollegen" haben. Könnte es sein, dass Sie manchmal etwas zu wenig einfühlend mit Ihrem Mann umgehen?
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt