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geehrter Herr Schmidt, ich bin 36 Jahre alt und ein massives Problem mit der Kommunikaion. Ich habe, bis auf einen Bandscheibenvorfall der mich seit Jahren schwer beschäftigt, sonst keine größeren körperlichen Probleme. Ich schaffe es nur sehr schwer, mich mit anderen Menschen normal zu Unterhalten. Wenn eine Gruppe Menschen zusammenstehen und sich unterhalten, stehe ich oft Abseits, weil ich mich nicht in Gespräche einklinken kann. Wenn ich mit einer Einzelperson über ein Thema rede, wo ich mich sehr gut auskenne, dann klappt es einigermaßen. Mir fehlen oft die Worte wenn ich etwas gefragt werde, dann sage ich meistens ja oder nein oder sowas aber ich habe dann eine Blockade um auf ein Thema einzusteigen. In solchen Situationen rede ich mir dann selber ein, "Du musst jetzt reden, jetzt sag halt was etc." aber es geht nicht. Die folge ist, ich werde traurig und depressiv. Ich bin NICHT selbstmordgefärdet, dazu hänge ich viel zu sehr am Leben und an den Menschen die mir nahestehen, aber ist eine starke Belastung für mich. Meine Beziehung zu meiner Freundin und Ihrer Tochter ist kurz davor in die Brüche zu gehen, eigentlich ist sie schon in die Brüche gegangen, aber wir wollen jetzt etwas Abstand von einander nehmen und sehen wie es sich weiterentwickellt. Meine Freundin ist zur Zeit auch nicht in der Lage mir zu Helfen. Ich würde gern zu einem Psychologen gehen und eine Therapie machen. Was meinen Sie ?? Gruß |
Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief! Ich würde Ihnen zu einer
Verhaltenstherapie bei einem Psychologischen Psychotherapeuten,
Fachrichtung Verhaltenstherapie, raten. Wenn er oder sie eine
Kassenzulassung hat (und das sollte er/sie haben), bezahlt Ihre
Krankenkasse die Therapie. Sie können dort systematisch üben
und unter fachlicher Anleitung lernen, Alltagskommunikation zu
machen, so dass es Ihnen Spaß macht und Sie ungezwungener mit
anderen Menschen sprechen können. Meist setzen sich Menschen wie
Sie viel zu sehr unter Erwartungsdruck, so, als müssten Sie
immer brillante Redebeiträge liefern und über alles bestens
Bescheid wissen. Und weil sie dann diesen zu hohen Erwartungen
natürlich nicht gerecht werden können, werden sie ganz unsicher
und fühlen sich innerlich so blockiert und ängstlich, dummes
Zeug zu reden, dass sie gar nichts mehr herausbringen und
sozusagen wie mit dem Gummihammer gekloppt dastehen. Ein kleiner
Tipp vorab: Wenn Sie eine Gruppe anderer Menschen auf einer Party
oder so miteinander sprechen sehen, stellen Sie sich einfach dazu
und hören freundlich-zugewandt zu. Und sobald sich die Möglichkeit
bietet, stellen Sie jemandem, der gerade erzählt, Fragen und
interessieren sich für weitere Einzelheiten. Das gefällt den
meisten Menschen: dass man ihnen interessiert zuhört und ihnen
Fragen stellt. Man muss also nicht immer selbst ein Thema haben.
Man muss sich nur für die Themen der anderen interessieren.
Dabei erfährt man dann nicht nur viel Interessantes und Neues.
Man kommt auch gut an und macht sich sympathisch. Und das
wiederum macht Sie ungezwungen und selbstsicher.
Alles Gute!
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt