Lieber Herr Schmidt,
seit 9.Jahren bin ich nun Mutter einer wundervollen Tochter, einer
Tochter die alles, wirklich alles dafür tut meinen Ansprüchen
gerecht zu werden.
Sie handelt, besonders in meiner Gegenwart, nur so wie sie glaubt,
daß es mir gefallen würde. Wenn Lisa (das ist der Name,unserer
Tocheter) eine Entscheidung treffen soll kann sie das nur wenn sie
mich im Vorfeld zu rate gezogen hat. Ausserhalb meiner
Gegenwart ist sie zuweilen recht eigensinnig
manchmal sogar stur. Sie ist nicht bereit eine Schriftliche Arbeit in
der Schule abzugeben ohne das ich diese zuvor angeschaut habe.
Weder Lisas Lehrern noch anderen Bezugspersonen ist es möglich
einen Weg zu ihr zu finden. Immer wieder versuche ich meine
Tochter auf einen eigenen Weg zu bringen ihre eigene Phantasie
leben zu lassen. Häufig zeige ich ihr, daß auch
ich Schwächen habe; ich laße mir, ganz bewust, in ihrer
Gegenwart helfen oder sage das ich bei bestimmten Situationen
keinen Rat habe. Doch bisher sind meine Bemühungen alle
fehlgeschlagen. Wie kann ich meiner Tochter nur klar
machen das sie sich zu einer eigenen Person mit eigenen
Imotionen entwikeln muß? Können Sie mir einen Rat geben?

K.T.

Liebe K.T.
vielen Dank für Ihre interessante kleine Anfrage. Leider berichten Sie weiter gar nichts über den weiteren familiären Hintergrund Ihrer Tochter, so dass ich Ihnen nicht viel über mögliche Ursachen schreiben
kann. Dazu erfahre ich zu wenig. Sind Sie alleinerziehend? Ist Lisa ein Einzelkind? Wie alt sind Sie selbst, usw. Solche psychologisch wichtigen Informationen braucht ein Psychologe eben, um etwas sagen zu
können. Ihre Tochter scheint aber sehr stark auf Sie fixiert, sehr stark an Sie gebunden zu sein. Das müssen Sie irgendwie und ohne dass es Ihnen offenbar bewusst ist, erreicht haben. Sie haben sie offenbar
sehr an sich gebunden, sehr auf sich fixiert. Aber wie und warum?
Finden Sie das in einer guten und sorgfältigen  Erziehungsberatung mit einem Fachmann/einer Fachfrau heraus! Dort werden Sie dann nach all dem gefragt, was Sie hier nicht mitteilen. Dann können Sie verstehen
lernen, wie die Fixierung Lisas auf ihre Mutter gekommen ist, und dann können Sie Ihrer Tochter helfen. Es sieht alles sehr nach einer gestörten Mutter-Tochter-Beziehung aus. Ihr erster Satz liest sich aus meiner Sicht so, als bewundern Sie Lisa geradezu dafür, dass sie keinen eigenen Willen hat, sondern nur Ihren Wünschen gerecht werden will. Tun Sie das? Dann ist schon vieles erklärt. Wie können Sie eine Tochter wunderbar finden, die nur den Wünschen der Mutter gerecht werden will, und sonst nichts? Haben Sie kürzlich in der Presse die Geschichte des kleinen Josef aus Sebnitz verfolgt? Wenn ja, dann ist Ihnen vielleicht auch die ältere Schwester Josefs im Fernsehen aufgefallen, die so stark die Partei der Mutter vertreten
hat? An dieses Mädchen und seine Mutter musste ich beim Lesen Ihres Briefes spontan denken. Fragen Sie in Ihrer Stadt nach der nächsten Erziehungsberatungsstelle und machen Sie dort Termine. Der Service ist
kostenfrei.
Mit freundlichem Gruß, Ihr
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt

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