Lieber Herr Schmidt,
meine Tochter Darleen ist jetzt 1 Jahr alt. Mit 6 Wochen hat sie
schon durchgeschlafen. Als die Zähne dann mit 4 Monaten kamen war
der Traum zuende. Sie kommt seither jede Nacht 4-5 Mal und schläft nur an der Brust
wieder ein. Auch die Mittagsschläfchen hält sie nur in meinem Arm. Vor ca. 4
Monaten probierte ich dann die Maßnahme aus "Jedes Kind kann schlafen
lernen" mit dem Erfolg, dass sie nun gar nicht mehr in ihr Bett will. Sie wird richtig
hysterisch, wenn sie wach wird und ich nicht in ihrer unmittelbaren
Nähe bin. Ich will sie auch auf keinem Fall mehr schreien lassen. Ich bin in
dieser Situation ratlos.
Karin D.

Liebe Frau D.,
vielen Dank für Ihre Anfrage! Was sagt Ihr Kinderarzt dazu? Möglicherweise
hat Ihre kleine Tochter nach wie vor noch Schmerzen mit den Zähnen?
Vielleicht fragen Sie auch mal Ihren Zahnarzt. Erst, wenn Sie ausgeschlossen
haben, dass Ihre Tochter Schmerzen hat und deswegen nicht alleine schlafen
will, können Sie davon ausgehen, dass alles eine seelische Ursache hat.
In diesem Falle schreit sie nicht aus Schmerzen, sondern aus Angst vor
möglichen Schmerzen, und wohl auch ein bißchen aus Verwöhnung?  Sicher sind
Sie eine feinfühlige und liebevolle Mutter, und es zerbricht Ihnen das Herz,
wenn die Tochter jämmerlich schreit. Deshalb sollten Sie auch alles so
liebevoll weitermachen, wie bisher: nur alles zunehmend kürzer und weniger!
Bauen Sie ganz langsam alles ab, was sich Ihre Tochter bereits angewöhnt hat
an mütterlicher Zuwendung, wenn es ums Alleine-Schlafen geht. Ermuntern Sie
sie stattdessen immer mehr, wenn Sie aufwacht, nicht mehr wie ein Baby
loszuschreien, sondern erlauben Sie ihr dann, aus dem Bett zu Ihnen zu
kommen (falls sie schon so gut laufen kann). Wenn sie das noch nicht kann
(aber bald wird sie es können), ermuntern Sie sie, nach Ihnen zu rufen,
statt loszuschreien wie ein Baby. Lassen Sie dafür die Türen angelehnt (und
erklären Sie ihr dies), damit man ihr Rufen dann auch sofort hört. Die nur
angelehnten Türen beruhigen sie. Das ist ja nicht auf Dauer, sondern
vorübergehend. Schlagen Sie ihr vor, das Mittagsschläfchen nicht mehr wie
ein Baby in Ihrem Arm, sondern im Bett vorzunehmen. Bleiben Sie anfangs so
lange am Bett, bis sie eingeschlafen ist, wieder mit angelehnten Türen.
Kurz: locken Sie Ihre Tochter zu altersgerechterem Verhalten. Helfen Sie
ihr, sich altersgerechter zu verhalten und die Ängste dadurch abzubauen,
dass sie merkt, dass Sie als Mutter auch dann da sind, wenn etwas weh tut,
wenn man sich nicht wie ein Baby verhält, sondern schon alleine
Mittagsschlaf hält und ruft oder kommt, wenn man nachts aufwacht.
Viel Geduld wünscht Ihnen Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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