| Guten Abend Durch Zufall bin ich auf Ihre Seite gestossen und erhoffe mir, dass Sie mir vielleicht aufzeigen können, wie ich weiter handeln soll. Unser Sohn, ein liebenswerter, lustiger Kerl, kommt mir manchmal vor wie eine Zeitbombe. Einerseits ist er fröhlich, sehr sehr fantasievoll, kreativ, klug. Andererseits, wenn etwas nicht nach seinem Willen geht oder ihn jemand provoziert, rastet er aus. Dann tritt er, schmeisst Gegenstände rum und rauscht davon ins Kinderzimmer. Ansprechbar ist er dann nicht. Erst viel später, wenn er sich wieder beruhigt hat, kann man wieder mit ihm reden. Wenn er was verbockt hat, kann er das prinzipiell nicht zugeben. Schuld daran sind immer die anderen. Seit einiger Zeit lügt er auch noch. Zum Beispiel verschwinden Esswaren, welche für andere bestimmt waren: er wars nicht. Oder er hat, trotzdem er vom Taschengeld diese Essware ersetzen musste, noch immer Geld übrig, woher es auch immer kommen mag. Wenn ich mit ihm lange rede, gibt er auch zu, dass er geschwindelt hat, sagt aber auch immer, er wisse nicht, wieso dies passiere und fühlt sich eigentlich schlecht dabei. Sein Selbstwertgefühl ist wohl auf dem Tiefpunkt angelangt. Mehrere Versuche, ihn für einen Sportverein zu begeistern, sind fehlgeschlagen, endeten in Krach (dabei ist er sehr sportlich und geschickt). Können Sie uns weiterhelfen? Unsere Situation ist so verfahren. Irgendwie wird es immer schlimmer und es graut mir daran zu denken, was vielleicht in 4 - 5 Jahren sein wird, wenn jetzt nichts geschieht. In der Schule hat er übrigens im Begreifen des Lernstoffes nur beste Bewertungen, doch im sozialkompetenten Bereich (konfliktverhalten, respektieren von Regel, etc.) versagt er. Vielen Dank für Ihre Hilfe und freundliche Grüsse |
Hallo,
mir fällt auf, dass Sie gar nichts über den familiären Hintergrund schreiben, in dem Ihr Sohn aufwächst. Sie erwähnen keinen Vater und machen auch keinerlei Angabe über Ihren Erziehungsstil oder sonstige wichtige Besonderheiten Ihrer Familie ( ob Ihr Sohn Geschwister hat, wie die Beziehungen in der Familie sind (vor allem diejenige zwischen Vater und Sohn...)). Wie soll ich Ihnen etwas raten, wenn Sie mir so wenig mitteilen? Kann es sein, dass Sie mir so wenig mitteilen, weil Sie sich gewöhnlich auch wenig Gedanken über die Psychologie Ihrer Familie machen? Das wäre immerhin schon eine Erklärung, die Ihnen vielleicht zu denken geben kann. Sie beschreiben das Verhalten Ihres Sohnes, ohne sich zu überlegen, woran alles liegen könnte. So wirkt jedenfalls Ihr Brief auf mich. In Ihrer Erziehung läuft mit Sicherheit einiges falsch. Ich (und Sie selber) können aber so natürlich nicht beurteilen, was.
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt