Unsere beiden ältesten Enkelkinder sind Zwillinge, ein Mädchen und ein Junge, sie werden im August 12 Jahre alt. Die Kinder sind gut erzogen, sehr nett, intelligent, beide im Gymnasium mit guten Noten etc. Sie haben unterschiedliche Charaktere, die sich zumindest teilweise ergänzen, sie streiten nicht viel und kommen ganz gut miteinander aus.  Aus der Wohn- und Familiensituation hat es sich ergeben, daß beide im gleichen Zimmer schlafen, und das heute noch. Meine Frau und ich haben unsere Tochter schon vorsichtig darauf angesprochen, die beiden doch zimmermäßig zu trennen. Aber sie will davon nichts wissen, obwohl es räumlich in ihrem Reihenhaus durchaus und ohne besondere Umstände möglich wäre. Kann  man die Situation einfach so lassen oder muß man darauf drängen, jetzt in der Vorpubertät die Kinder zu trennen?  Ich bin Laie und habe keine Ahnung, rein gefühlsmäßig denke ich manchmal, man hätte schon vor Jahren handeln müssen. Nun ist meine Tochter wissenschaftlich hoch gebildet und wenn meine Bedenken berechtigt wären, wäre  ich noch lange nicht in der Lage sie davon zu überzeugen.  Deshalb die Frage: gibt es hieb - und stichfeste Erkenntnisse zu diesem Problem, die auch eine selbstbewußte und skeptische Mutter überzeugen könnte? Mit bestem Dank im voraus für Ihre Stellungnahme, und mit freundlichen Grüßen B

Lieber Herr B,
vielen Dank für Ihre Frage.
"Hieb- und stichfeste Erkenntnisse" sind mir hierzu nicht bekannt. Man kann aber generell davon ausgehen, dass es den Kindern - und gerade auch Zwillingen- gut tut, wenn sie sich individuell möglichst frei entwickeln können. Der Freiraum eines eigenen Zimmer kann dies unterstützen. Und gerade Bruder und Schwester entwickeln in der Pubertät ein völlig normales Schamgefühl auch gegenüber dem Geschwister, das es zu berücksichtigen gilt.
Wie begründet Ihre Tochter denn ihre Einstellung? Spielt vielleicht auch eine Rolle, dass sich Ihre Tochter von Ihnen nichts mehr reinreden lassen möchte und deshalb auf ihrer anderen Meinung beharrt? Ihre Wortwahl "hieb- und stichfest" klingt mir etwas nach einem "Kampf" zwischen Ihnen und der Tochter, so als wäre die Autonomie in der Kindererziehung für Ihre Tochter selbst auch noch ein Thema. Aber das vermute ich nur so, Sie können ja mal darüber nachdenken...
Mit freundlichem Gruß,
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt