| Sehr geehrter Herr Schmidt, mein Mann(41)und ich(38) wünschen uns ein zweites Kind.Unsere Tochter(8)hingegen rastete ,als sie davon erfuhr,völlig aus.Ihre Gefühlsausbrüche nehme ich sehr ernst und habe jetzt Angst ,daß sie bei einer Schwangerschaft spy chisch krank wird.Ihre Aussage ist,daß sie Einzelkind bleiben will und wenn ich schwanger würde ,würde sie sich umbringen.Ronja schläft immer noch bei uns im Bett .Das stört uns nicht weiter,sie hat Angst álleine im Zimmer zu schlafen. In der Hoffnung,daß sie uns helfen können,verbleibe ich mit freundlichen Grüßen S |
Liebe Frau S,
Sie erlauben Ihre Tochter viel zu viel Einfluss und Macht. Die
Entscheidung, ob ein weiteres Kind kommen soll, treffen ganz
allein die Eltern, und nicht das bereits anwesende Kind. Nehmen
Sie bei dieser Entscheidung keine falsche Rücksicht auf Ihre
Tochter, entscheiden Sie sich als Eltern ganz unabhängig. Sie
muten Ihr ja schließlich gar nichts Schlimmes zu, wenn Sie in
weiteres Kind bekommen, ganz im Gegenteil.
Aber bereiten Sie danach Ihre Tochter liebevoll und geduldig auf das neue Geschwisterchen vor, lassen Sie sie z.B. während Ihrer Schwangerschaft möglichst viel kindgerecht an allem teilhaben (z.B. am Bauch auf das Baby horchen, Kleidung auswählen, überlegen, was man zusammen dann spielen könne, Fragen nach der Herkunft des Babys beantworten, an die Schwangerschaft und an das Babyalter mit Ihrer Tochter erinnern (mit Fotos z.B.) ... Kinder, die so starke Angst vor einem Geschwisterchen haben, glauben oft, sie seien nun abgeschrieben oder nur noch "zweite Wahl". Dass das nicht stimmt, müssen Sie Ihre Tochter erleben lassen.
Und gewöhnen Sie sie nun
endlich ans Schlafen im eigenen Bett. Das haben Sie offenbar
bisher versäumt, und auch deshalb benimmt sich Ihre Tochter für
ihr Alter derzeit noch ziemlich kleinkindhaft und grundlos
eifersüchtig.
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt