Mein Mann und ich machen uns große Soregn um unsere Zwillingstöchter 12 Jahre alt.
Sie kamen als Frühgeborene in der 35. SSW per Kaiserschnitt zur Welt. Am 11. Tag
wurde bei einer Tochter ein schwerer Herzfehler diagnostiziert (Singleventrikel). Es folgte eine Bandingoperation im Alter von 3 Monaten. Bis zu ihrem 6 Lebensmonat mußte sie über eine Magensonde ernährt werden.Sie war immer sehr schwach und ihre Entwicklung war gegenüber ihrer Schwester immer etwas zeitverzögert.Doch im großen und ganzen konnten wir zufrieden sein. Doch was auffiel war dann das Sprechverhalten der beiden Mädchen. Sie fingen beide sehr spät an zu sprechen und was sie sagten war für Außenstehende eher unverständlich. Selbst mein Mann hatte Schwierigkeiten sie zu verstehen.Die Kinder kamen dann mit 4 Jahren in eine Sprachheilschule (erst Vorschule, dann Grundschule). Sie kamen im Unterricht gut mit und wechselten dann zur 3. Grundschulklasse an eine normale Grundschule.Das Sprachdefizit war aber noch immer nicht 100% behoben. Hauptsächlich bei der kranken Tochter. Beide waren im Unterricht sehr leise und zurückhaltend und wurden von ihren Mitschülern ziemlich stark ausgegrenzt. In der 5. Klasse wechselten sie an die Realschule.Vom Unterrichtsstoff kamen und kommen sie gut mit doch gibt es große Probleme bei der mündlichen Mitarbeit. Es kommt vor, daß sie trotz Aufruf vom Lehrer einfach keine Antwort geben. Auch würden sie niemals von sich aus den Lehrer ansprechen, wenn sie etwas nicht verstanden haben. So ist es eigentlich auch im privaten Umfeld. Sie sprechen nur mit mir ihrer Mutter, ihrem Vater und ihrer Oma ungehemmt und frei. Selbst mit ihren beiden erwachsenen Brüdern haben sie Schwierigkeiten ins Gespräch zu kommen und wenn dies doch mal vorkommt so sind es doch eher nur 2 bis 3 Worte. Wir machen uns große Sorgen um ihr weiteres Leben. Beide nehmen sich mit ihrer Angst vor dem Sprechen soviel Lebensqualität, daß einem das Herz zerreißt. Ich muß noch erwähnen , daß die Mädchen in der Realschule keine Probleme mit den Mitschülern haben. Sie haben Freundinnen und treffen sich in der Freizeit wechselseitig. Was können wir tun um unseren Kindern zu helfen ?

Hallo,
vielen Dank für Ihren differenzierten Brief! Ich möchte Ihnen zuerst herzlich gratulieren zu Ihren so wohltuend individuellen Töchtern! Ich finde, Sie und Ihre Töchter haben sich unter den gegebenen Verhältnissen bisher prächtig entwickelt. Naturgegebene Schwierigkeiten, wie Zwillingsgeburt und die zusätzlichen Entwicklungsprobleme Ihrer einen Tochter strapazieren die Belastbarkeit von Eltern und psychosozialer Umwelt natürlich immer besonders stark. Aber alles, was Sie beschreiben, ist unter dem Strich langfristig nicht besorgniserregend. Es entspricht vielmehr der besonders bei Zwillingen besonders bunten und etwas mehr belastenden psychosozialen Gesamtsituation. Ich möchte Ihnen raten, die weitere Entwicklung Ihrer Töchter wie bisher wohlwollend zu begleiten und weiterhin eine besondere Anpassungsfähigkeit an die ganz individuelle Entwicklung Ihrer Töchter aufzubringen. Machen Sie sich keine Sorgen um die weitere Entwicklung und das zukünftige Leben Ihrer Töchter. Sie verstehen mich dabei sicher richtig, indem ich damit zum Ausdruck bringen will, dass man in Ihrem Falle mit der nötigen Duldsamkeit und Gelassenheit die weitere Entwicklung Ihrer Töchter, auch wenn sie etwas strapaziöser und komplizierter verlaufen wird, mit Geduld und Spucke abwarten sollte. Die Zeit wird in diesem Falle alles regeln,
Meint jedenfalls Ihr
Dipl.-Psch. H.-R. Schmidt