Lieber Herr Schmidt! Durch Zufall habe ich ihre Seite aufgeschlagen und möchte sie fragen ob sie mir einen geeigneten Kinderphychologen nennen können(Raum Kulmbach oder Bayreuth). Ich habe mit meiner Tochter (11 Jahre) ein grosses Problem. Es fing vor zwei Jahren an, da war meine Tochter in der vierten Klasse. Damals hatte sie eine sehr gute Freundin(seit dem Kindergarten bestand schon die Freundschaft) mit der sie in der Schule zusammen saß. Das Problem fing an, als sich meine Tochter zu einem anderen Mädchen setzte. Ihre Freundin akzeptierte das nicht und hetzte von da an die ganzen Kameraden und Kameradinnen gegen sie auf. Keiner spielte mehr mit ihr, jeder lachte sie aus und ihr Schulranzen wurde in den Dreck geschmissen. Ich habe mich zuerst nicht eingemischt, denn es kommt ja oft vor , dass sich Kinder streiten. Erst als es zu schlimm wurde und mein Kind nicht mehr in die Schule wollte und nicht mehr schlafen konnte, setzte ich mich mit ihrer Freundin  in Verbindung. (ich muss noch erwähnen, dass zum gleichen Zeitpunkt die Oma von meiner Tochter, also meine Mutter, schwer krank im Krankenhaus lag) Ich habe mit ihr alles in Ruhe besprochen und habe sie darum gebeten, ihr doch wieder eine gute Freundin zu sein, die sie ja zu diesem Zeitpunkt dringend brauchte, da sie sich um ihre Oma grosse Sorgen machte. Leider hat das alles nichts gebracht. Also ging ich nach einiger Zeit zu ihren Eltern (wir waren bis dorthin sehr gut befreundet). Zu meinem Leidwesen wurde mir nicht geglaubt und es wurden von mir Beweise verlangt, die ich dann schließlich erbrachte. Das Ende vom Lied war, dass sie sich nicht mehr sehen durften. Darunter litt meine Tochter sehr und mit den Schlafproblemen wurde es immer schlimmer. Abends weinte sie nur noch und ich brachte sie nie vor 23 oder 24 Uhr mehr ins Bett. Zu dieser Zeit trat sie  aus dem Tennisverein aus, weil dort auch ihre Freundin spielte.(es viel ihr sehr schwer -aber sie wollte sie nicht mehr sehen) Kurz vor Weihnachten 2000 kam meine Tochter und und sagte zu mir, dass sie auch auf eine höhere Schule gehen möchte wie ihre anderen Klassenkameradinnen(z.B. wie ihre Freundin) , sie sich aber nicht so konzentrieren könne. Nun setzte ich mich mit einem Kinderphychologen wegen ihrer Schlafstörung und ihrer Konzentrationsstörung in Verbindung. Nach mehreren Sitzungen kam er zu dem Resultat, dass es ADHS ist. Er sagte zu mir, dass ich mir Reitalin für meine Tochter verschreiben lassen solle. Wegen der grossen Verzweiflung meiner Tochter habe ich das auch gemacht., Daraufhin klappte in der Schule alles sehr gut und sie konnte auf eine höhere Schule gehen. (wegen ihrer Freundin ging sie aber nicht auf eine normale Realschule , sondern auf eine Ganztagsrealschule)  In der Zwischenzeit habe ich Bücher über ADHS gelesen und mich übers Internet wegen dem Ritalin schlau gemacht, da es für mich keine Dauerlösung war. ICH HABE MICH MIT MEINER Heilpraktikerin beraten und sie riet mir dazu, dieses Ritalin abzusetzen und auf dem Wege der Homöopathie weiterzumachen. Die Schlafstörungen hatten wir nach einiger Zeit ganz gut beseitigt, die Konzentrationsstörungen nicht. Sie riet mir dazu eine Kur zu beantragen und das habe ich dann auch gemacht (im Februar 2002). Mir ging es zu dieser Zeit auch sehr schlecht, da ich  meine Mutter als Pflegefall zu Hause hatte. Im April ist sie dann verstorben. Im August gingen meine Tochter und ich in eine Psychosomatische Klinik nach Bad Essen, denn ich wollte wissen, ob sie nun ADHS hat oder nicht. Nach 5 Wochen wurde mir dann mitgeteilt, dass das nicht der Fall wäre. In einer Beziehung war ich sehr froh darüber, aber in der anderen Beziehung wusste ich nicht mehr weiter. In der Klinik wurde mir gesagt, dass diese Angstzustände von einem Kinderphychologen weiterhin behandelt werden  müssen, weil sie sich sonst in der Pubertät noch verstärken könnten. Daraufhin habe ich mich mit meinem Kinderphychologen in Verbindung gesetzt und habe ihm alles erzählt. Dieser reagierte schon fast sauer darauf, dass das mit dem ADHS nicht stimmen solle und dass man die Angstzustände nicht behandeln müsse. Jetzt habe ich gar keine Ahnung mehr, was ich machen soll. In der letzten Zeit hat meine Tochter wieder Einschlafstörungen und ich bringe sie nur mit viel Geduld und Liebe ins Bett. Ich kann nur hoffen, dass sie mir einen Rat geben können.     Mit freundlichen Grüssen  

Hallo,
mir fällt auf, dass Sie sich überflüssiger Weise damit plagen, ob Ihre Tochter nun "ADHS" hat oder doch nicht, dass Sie aber gar nicht zu wissen scheinen, was Ihre Tochter wirklich seelisch quält. Die Episode in der Schule mit der Freundin kann doch nicht die Ursache allen Übels sein. Solche Auseinandersetzungen unter Gleichaltrigen sind doch eher alltäglich und bewirken für sich allein nicht solche Reaktionen, wie Sie sie bei Ihrer Tochter beschreiben. Da muss viel mehr an familiärer seelischer Belastung hinzu kommen!

Weil Ihre Mutter schwer krank und dann zum Pflegefall wurde und inzwischen gestorben ist, waren (und sind?) Sie selbst vielleicht in einer seelischen Krise, und dann neigt man dazu, solche Problemchen der Kinder über zu bewerten und die eigenen Lebensprobleme unmerklich in die Kinder zu projizieren. Statt den Kindern über solche Probleme mutmachend hinweg zu helfen, reisst man sie unbeabsichtigt in die eigene Depression hinein. Könnte das so sein? Hat Sie die Geschichte mit Ihrer Mutter nicht so stark belastet, so dass Sie in dieser Zeit für Ihre Tochter keine fröhliche Mutter sein konnten?

Sind Sie alleinerziehend? Was spielt der Vater Ihrer Tochter für eine möglichst hilfreiche Rolle? Warum erwähnen Sie davon gar nichts? Warum sind Sie mit der Tochter wirklich in eine psychosomatische Klinik gegangen? Doch wohl nicht im Ernst wegen der "ADHS"-Frage? Ich glaube, Sie selbst sind vielleicht aufgrund der Geschichte mit Ihrer Mutter (und anderer eigener Belastungen) manchmal allzu sehr mit den Alltagsprobleme Ihrer Tochter übermäßig befasst. Kinder, die dauernd den Eindruck gewinnen, sie machen ihren ohnedies schon belasteten Eltern zusätzliche Sorgen, sind in der Schule nicht selten wenig leistungsfähig und deprimiert. Die vielen Sorgen wegen zu Hause ziehen zuviel seelische Energie ab. Ich rate Ihnen, eine Erziehungsberatungsstelle aufzusuchen und dort herauszufinden, welche familiären Belastungen Sie und Ihre Tochter daran hindern, ein fröhliches und unbeschwertes Familienleben zu führen. Die Sackgasse mit "ADHS" würde ich dabei erst einmal vollkommen vergessen.

Alles Gute wünscht dabei Ihr
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt