| Hallo, toll dass es diese
Seite gibt... Ich habe einen äußerst lebhaften Sohn (8 Jahre), mit dem es seit Eintritt in die Schule (Sept. 2002) gesellschaftlich "bergab" geht... Kurzer Rückblick: Sein Vater verließ uns, als der Junge ein halbes Jahr alt war und hat sich auch in dem halben Jahr vorher u. in der Schwangerschaft äußerst rar gemacht. Die Trennung erfolgte im gegenseitigen Einvernehmen und seitdem waren wir eine glückliche 2-Personen-Mini-Familie. Ich habe einen Freundeskreis, mit dem auch mein Kind klarkommt, habe eine Familie, die zu uns steht, alles war ok. Klar gab es Probleme, finanziell, miteinander, wie das überall ist. Und ich denke, da fing der Schlamassel an: Andere haben einen Partner, mit dem sie abends über die Probleme reden können, wir waren nur Mama und Kind. Mein Sohn hat es oft mitbekommen, wenn es mir nicht so gut ging. Ich muss dazu sagen, dass ich ein sehr gefühlsintensiver Mensch bin, äußerst sensibel und leicht "himmelhoch jauchzend" und "zu Tode betrübt". Da Kinder sowieso eine spezielle Ader haben, sowas zu fühlen, konnte (und manchmal wollte) ich nicht alles vor meinem Kind verbergen und immer nur eitel Sonnenschein spielen. Ich dachte, vielleicht ist es auch nicht schlecht, wenn er mitbekommt, dass nicht immer alles so klappt, wie man will, dass man aber nach dem Durchhänger wieder aufstehen und kämpfen muss... Nun ja, so lebten wir ein paar Jahre, es klappte alles prima, dann lernte ich meinen jetzigen Lebensgefährten kennen und wir sind deswegen und aus Job-Gründen (ich war in D. arbeitslos, in M. konnte ich eine Stelle haben) zu ihm umgezogen. Wir fühlten uns wohl, alles war ok. Allerdings hatten wir (mein jetziger Lebensgefährte u. ich) vorerst getrennte Wohnungen. Dann kam nochmal eine arbeitslos- und in-der-Liebe-nicht-so-glücklich-Phase, dann kam mein Sohn 2003 in die Schule, Liebe war wieder ok, aber immernoch arbeitslos u. dementsprechend finanziell nicht so gut gestellt (konnten uns nicht alles leisten was wir gewollt hätten, am Monatsende spontan ins Schwimmbad gehen ging z. B. nicht, hat mich sehr belastet). In der Schule fingen die Probleme an, mein Sohn machte nicht mit, hielt keine Ordnung, war immer der Klassenkasper, manchmal auch grob zu Mitschülern (Haareziehen, schubsen, kleinere Dinge...), Hausaufgaben-Probleme, Kontakt-Probleme mit Gleichaltrigen (konnte immer schon besser mit älteren Kindern oder Erwachsenen), wirkt altklug, zeigt keinen Respekt vor Lehrern oder überhaupt Erwachsenen - es kam, was kommen musst - Verdacht auf ADS, bitte zum Psychologen. Ich hielt davon überhaupt nix, da ich ja mit meinem Kind immer klar kam, und schob die Schuld auf die inkonsequente und noch sehr junge Lehrerin (die in Gesprächen vor mir saß, die Arme ausbreitete und sagte "...ich weiß nicht mehr, was ich mit ihm machen soll" - aber ich sollte es wissen, von zuhause aus - ich saß ja in der Schule nicht neben ihm...), trotzdem zum Psychologen gegangen, man zeigt ja guten Willen, Expertenmeinung: kein ADS, weit entwickelt, kommt deshalb mit jüngeren und gleichaltrigen nicht klar, will sich deren Niveau anpassen und macht deshalb den Klassenkasper bzw. wird grob, weil er es so von den anderen sieht, evtl. Wechsel gleich in die 3. Klasse? (war Ende 1. Klasse) Die Schule hat ihn 2 Tage in der noch-2.-Klasse "test-sitzen" lassen, nach 2 Tagen: geht auch nicht, dasselbe Spiel. So häuften sich Probleme, herangezogenen Experten und Gespräche mit den Lehrern und Schulpsychologen, bis ich es fast nicht mehr hören konnte, "wie schlimm mein Kind doch ist". Inzwischen 2. Klasse, im Oktober habe ich wieder Arbeit bekommen, gesagt: jetzt nehmen wir's in Angriff und suchen uns größere Wohnung zusammen mit Lebensgefährten, am besten anderes Einzugsgebiet, Schulwechsel, vielleicht bringt es was. Gesagt getan. Letzter Tipp der Schulpsychologin der alten Schule: Nix sagen in der neuen Schule, abwarten und Tee trinken und warten, ob von da was kommt. Der 1. Tag ein voller Erfolg, Sohn kommt heim, erster Satz: "Die sind voll streng, dort MUSS man sich im Unterricht melden und DARF nicht rumrennen." Ich dachte, bingo, das zeigt doch den Unterschied zur alten Schule, dort hat er es nicht als MUSS betrachtet, hier schon, Hoffnung? Eine Woche später Einladung von der Lehrerin... :-( Auffälliges Verhalten, ich solle doch mal zum Psychologen gehen... Antwort von mir: da war ich schon, kein ADS, aber Tipp bekommen, Caritas macht wohl "Seminare" oder wie immer man es bezeichnen soll, für Kinder, die ein Kommunikationsproblem bzw. Integrationsproblem haben. Ok, bei der Caritas angemeldet, das war vorige Woche, Wartezeit bis was passiert bis Ende März, Anfang April... Und heute der Überflieger - gerade ein Anruf vom Rektor, mein Kind hätte ein anderes Kind mit dem Hinterkopf auf den Tisch geschlagen... Ziemlich doll. Ich solle später zuhause mit ihm drüber sprechen, er wollte mir nur derweil Bescheid geben, mein Sohn stehe daneben, damit er mitbekommt, dass ich es erfahre. WAS NUN??? Ich weiß nicht mehr, was ich glauben und wie ich mich verhalten soll. Bis jetzt habe ich es so gehalten, dass ich mit meinem Kind gesprochen habe, wenn es irgendwas falsch oder nicht so toll gemacht hat. Habe aber oft das Gefühl, er "schaltet auf Durchzug" und hört gar nicht richtig zu. Wie kann ich ihm heute nachmittag begegnen? Wie soll ich reagieren? Muss noch dazu sagen, er ist seit Schulanfang auch zuhause sehr aggressiv geworden, hat oft "Ausraster", schreit rum, ich versuche dann ruhig zu bleiben, schicke ihn ins Zimmer, bis er sich abreagiert hat, und versuche dann, mit ihm darüber zu reden. In den nächsten 5 min ist er wieder das liebste Kind der Welt, hilft mir, umarmt mich, sagt mir, dass er mich liebhat... Aber das heute kann ich natürlich nicht so durchgehen lassen, irgendwo muss er doch merken, dass jetzt genug ist.. ???????????????????????????? JETZT weiß ICH nicht mehr weiter... ;-) Danke und liebe Grüße |
Hallo,
ich sage es ganz frei heraus: Das ernste Dauerproblem Ihres
Sohnes ist seine gestörte Familie. Ein Vater fehlt leider
völlig, und Sie als Mutter wirken auf mich auch nicht so stabil
und reif, so dass Sie Ihrem Sohn den fehlenden Vater wenigstens
ansatzweise ersetzen könnten. Alleinerziehende Mütter müssen
ja die schwierige (und leider oft unmögliche) Aufgabe erfüllen,
ihren Kindern Vater und Mutter gleichzeitig zu sein. Ich glaube
nicht, dass Ihnen das bisher einigermaßen gelungen ist. Sie
scheinen Ihren kleinen Sohn sogar zumindest zeitweise wie einen
erwachsenen Partner total überfordert zu haben, indem Sie ihn
ungehemmt mit Ihren eigenen seelischen Zuständen und Problemen
belasteten. Besonders für Jungen ist Vaterlosigkeit ein
klassischer und starker Risikofaktor für misslingende psychische
Entwicklung. Sie sollten sich also aus meiner Sicht deshalb jetzt
ernsthaft überlegen, wie Sie Ihrem Sohn eine besser
funktionierende Familie verschaffen. Dazu gibt es mindestens zwei
Wege: Einmal könnten Sie einen Mann heiraten, der Ihrem Sohn ein
richtig guter Vater wäre. Oder Sie finden Mittel und Wege,
selber als Frau und Mutter stabiler zu werden, so dass Sie selber
dem Sohn mehr Mutter und Vater gleichzeitig wären. Dazu braucht
es aber eine echt "gestandene" Frau. Und um das zu
werden, könnten Sie auch ernsthaft an eine Psychotherapie für
sich selbst denken. Z.B. können Sie in einer
Lebensberatungsstelle nachfragen, ob es dort eine therapeutische
Gruppe für Alleinerziehende gibt.
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt