Hallo Herr Schmidt,

ich habe folgendes Problem. Seit ca. drei Jahren bin ich mit
meinem Freund (geschieden, zwei Kinder 8 Jahre und 10 Jahre)
zusammen.
Die drei Jahre waren meist eine Qual für mich. Ich habe mit
meinem Freund gekämpft, daß das Umgangsrecht und andere
Dinge zum Wohle der Kinder geregelt werden. So bekommt mein
Freund die Kinder alle 14 Tage für das Wochenende usw.
Ich wollte nur immer das beste für die Kinder. Wir haben für uns
auch beschlossen, die Kinder aus dem ganzen Scheidungskrieg
rauszuhalten.
Wir erzählten nie über die Probleme und machten auch die Mutter
nie schlecht.

Leider entwickelte sich die Angelegenheit so, daß die Mutter uns
noch noch Steine in den Weg legt. Anfangs dachten wir, daß sie
noch zu sehr verletzt ist und nicht anders handeln kann. Doch es
legte sich auch nicht, als sie selbst wieder in einer festen
Beziehung war.
Sie machte nur Ärger in verschiedenen Formen. Es war nicht zum
aushalten. Aber warum ich Ihnen schreibe: Mir machen die Kinder
zu schaffen.
Der neue Freund wurde der Geschenke-Ersatzonkel, der für die
Kinder alles tut und macht. Die Mutter hat drei Jahre mich und
meinen Freund schlecht gemacht. Hat die ganze Scheidung und
das Eheleben mit den Kinder diskutiert.
Die Kinder weichen mir ständig aus! Beleidigen mich und machen
alles aus Trotz. Für mich sind die Wochenenden zur Qual
geworden. Die Mutter streitet alles ab und wiegt sich in Unschuld.
Doch vor ca. 2 Wochen kam es zum heftigen Streit.

Es ging um das Schulfest des Sohnes. Seine Exfrau wollte mit
dem Freund dort erscheinen. Mein Freund meinte dann, er könne
auch mich dann dazu mitnehmen (Bislang fanden keine Treffen mit
der EX-Frau statt). Sie meinte untersteh Dich das zu tun. Er
meinte dann: Warum? Gleiches Recht für alle.
Sie hat sich dann so geärgert, daß der Sohn am Telefon mit dem
Papa sprechen mußte. Der Sohn meinte dann, ich mag Deine
Freundin nicht und der FReund von Mama ist mein Freund. Ich
habe am anderen Apparat mitgehört und es war sehr unschön was
ich da hören mußte.
Die EXfrau hat die Kinder gegen mich aufgebracht und die beiden
hassen mich.

Ich war sehr verzweifelt ..... wollte die Beziehung beenden, da ich
meinen Freund nicht zwingen kann, seine Kinder nicht mehr zu
sehen!Auch den letzten Sommerurlaub habe ich nicht mit ihnen
verbracht. Mein Freund nutzte die Gelegenheit um mit den Kindern
zu sprechen und sie meinen jetzt, daß sie
wieder den Kontakt zu mir wollen. Doch ich kann das alles nicht
glauben. Die Kinder sind jetzt drei Wochen mit der Mutter im
Urlaub und die wird wieder Lügen über uns verbreiten.


Ich möchte kein Leben mehr mit den Kindern. Wurde sehr verletzt
und ich kann mir ein gemeinsames Leben nicht mehr vorstellen.
Jetzt werde ich von meinem Freund und seinen Eltern unter Druck
gesetzt. Ich solle doch wieder einlenken, da es nur das Werk der
Mutter ist.
Ich kann und will aber nicht mehr nachgeben. Drei Jahre wurde ich
mit Füßen getreten......
Doch wie kann ich einen Seelenfrieden in meiner PArtnerschaft
wieder herstellen. Wie kann ich mich wehren.
Haben Sie einen Rat für mich.

Viele Grüße
C.T.

Liebe C.T.,

das Problem, das Sie beschreiben, gibt es sehr häufig in Nachscheidungsfamilien. Geschiedene Eheleute, die mit ihrer Scheidung emotional noch überhaupt nicht fertig sind, suchen sich oftmals Lebenspartner, die sie im "Kampf" gegen den oder die "Ex" brauchen. So ist es Ihnen ergangen, so ergeht es anscheinend auch dem Freund der Exfrau Ihres Partners: sie werden als "Hilfstruppe" benutzt, ja sie fechten ganze Stellvertreter-Kriege aus. Es gibt Nachscheidungsfamilien, in denen sich die neuen Lebenspartner der geschiedenen Eheleute heftigst bekriegen, während die geschiedenen Eheleute sich entspannt zurücklehnen und im Hintergrund die Drähte ziehen. Ich drücke mich etwas drastisch aus, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Sie diese wirklich undankbare Rolle nicht mehr weiterspielen wollen. Das Problem haben schleißlich nicht Sie verursacht (sie wollen ja nur Ihrem Partner helfen), sondern Ihr Freund und seine Ex, die sehr rücksichtslos und selbstgerecht gegenüber ihren Kindern zu handeln scheinen. 

Verantwortungsvolle geschiedene Väter und Mütter sollten erst dann einen neuen Lebenspartner bei ihren Kindern einführen, wenn sie ihre Scheidung emotional verarbeitet und  alle die Kinder betreffenden Fragen möglichst einvernehmlich geregelt haben. Das sind sie ja nicht nur den Kindern, sondern auch dem neuen Partner (also Ihnen, liebe Frau C.T.) schuldig. Das soll nicht heißen, dass man überhaupt keinen neuen Partner haben sollte, solange die Ehescheidung noch nicht "verdaut" ist. Aber der neue Partner darf dann eben nicht in die Auseinandersetzungen hineingezwungen werden.

Ihr geschiedener Freund hat bisher einen schweren Fehler gemacht: anstatt Sie mit seinen unerledigten Scheidungsproblemen zu verschonen, hat er Sie bewusst hineingezogen und in eine unmögliche Rolle gebracht, in der Sie nur Fehler machen können. Erklären Sie ihm deshalb, dass Sie die Beziehung zu ihm aufrechterhalten, wenn er in Zukunft trennt zwischen der Beziehung zu Ihnen und seinen Scheidungskonflikten. Letztere kann er nur ganz alleine lösen. Sie können ihn höchstens beraten, aber sobald Sie sich in seinen Ehekrieg verwickeln lassen, ist es aus. Sie wissen ja bald nicht mehr, ob Ihr Freund Sie um Ihrer selbst willen liebt, oder nur, weil sie im Ehekrieg auf seiner Seite kämpfen. Sie sollten wirklich für  die nächste Zeit aus dem Gesichtsfeld der Kinder verschwinden. Sie und Ihr Freund könnten überlegen, wie Sie das organisieren, dass er seine Kinder regelmäßig sieht, aber Sie für die Kinder bis auf Weiteres keine Rolle spielen.

Kurz gesagt: Wenn es Ihnen beiden nicht gelingt, eine klare Trennungslinie zu ziehen zwischen Ihrer Beziehung auf der einen Seite und seinen Scheidungskonflikten auf der anderen Seite (die nicht Ihre Sache sind), dann wird sich das Problem nicht lösen lassen. Wenn Ihr Freund dies versteht, hat Ihre Beziehung eine Zukunft.

Ihnen alles Gute, Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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