| Sehr geehrter Herr Schmidt, mein Mann und ich sind jeweils in 3. Ehe miteinander verheiratet, beide 41 Jahre alt, ich selbst habe 3 Kinder mitgebracht, wovon noch eines (11) in unserem Haushalt lebt. Ich habe zu der Zeit seit 6 Jahren mit meinen Kindern allein gelebt, uns ging es gut, Haus zur Miete, ein Auto und Arbeit. Wir brauchten keine Sozialleistungen. Mein Mann hat 5 Kinder "mitgebracht", zu denen er keinen Kontakt hat, teils weil er nicht will, teils ist es ihm gerichtlich untersagt worden (Gewalt und Alkohol). Er muß noch für 4 Unterhalt zahlen, der seit Jahren gepfändet wird, weil er freiwillig nicht zahlt (was ich nur durch Zufall erfuhr). Wir haben noch einen gemeinsamen Sohn, 9 Monate alt. Derzeit leben wir wiedermal getrennt, das 3. Mal. Und ich mag nicht mehr. Mein Vater war ein Alkoholiker, Tyrann mit einem Zigarettenkonsum von 100 täglich. Meine Mutter war immer Untertan (aber nur zu Hause), an ihrer Arbeitsstele wurde sie "gefürchtet". Mein Vater erkrankte an Krebs, hat diesen besiegt, raucht und trinkt nicht mehr, seitdem ist meine Mutter der Tyrann, als wolle zu ihm alles "heimzahlen". Die beiden sind seit 42 Jahren verheiratet, ich habe seit 5 Jahren keinen Kontakt mehr. Ich habe diesen unterbunden, weil ich diese Ehe für "nicht normal" hielt. Ich bin also die typische Co-Abhängige. Mein Mann stammt aus einer Lehrerfamilie mit zwei weiteren Geschwistern. Seine Brüder sind sämtlichst zumindest beruflich gescheitert und bringen dies mit ihrer Kindheit in Zusammenhang. Mein Mann erzählt aus seiner Kindheit nichts, und wenn, dann geht es um Gewalt, Geld und harte Arbeit. Seine Mutter lebt noch, sein Vater hat sich im Alter von 50 Jahren nach schweren Depressionen auf grausame Weise selbst das Leben genommen. Hinterlassen hat er seiner Frau das gemeinsame Haus und einen fast unüberschaubaren Haufen an Schulden und Krediten, von denen meine Schwiegermutter keine Ahnung hatte, daß es sie gab. Sie hat 14 Jahre gebraucht, um die Schulden abzutragen. Mein Mann ist seit 1,5 Jahren trockener Alkoholiker. Er hat dies immer abgestritten, obwohl ihm dadurch bereits 3 Beziehungen (davon 2 Ehen) und 5 Kinder verloren gegangen sind. Gesundheitlich stellten sich bei meinem Mann Probleme wie gelbe Augäpfel, blaue Hände und Füße, dicke Krampfadern, vorübergehende Impotenz sowie Demenz ein. Da waren wir 2,5 Jahre zusammen und gerade mal 1 Jahr verheiratet. Zum Arzt und zur Therapie ist er erst gegangen, nachdem er in einem völlig betrunkenen Zustand eine Straftat begangen hat und ich daraufhin ausgezogen bin. Geldstrafe damals 300,00 EUR. Mein Mann ist derzeit in leitender Positon mit einem hochdotierten Gehalt tätig. Als wir uns kennenlernten, war ich sterilisiert. Er hegte von Anfang an einen "dringenden" Kinderwunsch und nur mit mir. Mich würde er endlich wirklich lieben. Und mich hat er noch mieser behandelt, als alle seine Frauen vorher, das wußte ich da nur noch nicht. Ich habe die Sterilisation operativ rückgängig machen lassen, ich wollte ihm ein Kind schenken. Heute frage ich mich, wofür. Ich war bereits 40, als ich dann schwanger wurde. Ich hatte vorher genau darauf geachtet, daß dieses nicht passiert, eben wegen des hohen Alkoholgenusses. Schwanger wurde ich erst, als er trocken war. Nun zum eigentlichen Problem: Mein Mann lügt und zwar so frech und dreist, daß es erschreckend ist. Und immer geht es um Geld und wie ich heute weiß, seit dem ersten Tag unseres Kennenlernens. Er nimmt Kredite auf, von denen ich nichts weiß, er überzieht sein Konto (höchster Stand in 2001 17.500,00 DM) und sagt mir nichts davon. Ich habe irgendwann angefangen, alles aufzudecken. Ich war zutiefst entsetzt und habe versucht, ihm zu helfen. Ich habe geredet, ich habe getobt, ich habe geschrieen, ich habe ihn rausgeschmissen, ich habe alles versucht, was in meiner Macht stand. Es hat nichts, aber auch gar nichts gebracht. Der heutige Stand sieht so aus, daß er momentan Schulden in Höhe von ca. 125.000,00 EUR hat, unter einen Kredit meine Unterschrift gefälscht hat (als ich das erfahren habe, war ich im 8. Monat schwanger), so daß man versucht, das Geld bei mir einzutreiben. Um an ein paar Euro´s mehr zu kommen, betrügt er derzeit seinen Arbeitgeber, in dem er dem AG erzählt hat, er wäre freiwillig gesetzlich versichert, der AG ihm die vollen Beiträge zur SV auszahlt und er aber tatsächlich überhaupt nicht krankenversichert ist. Die KK hat ihm gekündigt, wegen Nichtzahlung der Beiträge. Das schlimme ist, ich erfahre das alles immer nur durch Gerichtsvollzieher oder Pfändungen. Sämtliche vorhergehende Post (Mahnbescheide, Klagen oder ähnliches) verbrennt er, nach dem Motto, daß nicht sein kann, was nicht sein darf. Was mich am tiefsten erschüttert hat: Ich erfuhr durch einen dummen Zufall wieder einmal von neuen Schulden. Daraufhin habe ich ihn erbittert zur Rede gestellt. Ich war zu der Zeit im 7. Monat schwanger. Er versprach mir "beim Leben unseres ungeborenen Kindes" (wörtlich), daß nichts mehr komme, das war wirklich alles. 4 Wochen später habe ich dann erfahren, daß er meine Unterschrift unter einen Kreditvertrag bei seinem ehemaligen Arbeitgeber gefälscht hat, die Raten nach seiner Kündigung nicht weiter gezahlt hat, man mich deshalb verklagte (weil man von ihm aufgrund der vielen Unterhaltszahlungen ja nichts bekomme) und er die Klage samt vorhergehenden Mahnungen etc. wiedermal verbrannt hatte. Ich hielt ein Urteil gegen mich in den Händen. Ich muß dazu sagen, daß er ein Jahr arbeitslos war, also jeden Tag zu Hause, während ich arbeiten gegangen bin. 4 Wochen lang hat er abgestritten, das getan zu haben, ja noch viel schlimmer: Er hat sogar behauptet, der AG hätte den Vertrag gefälscht. Erst als er von der Gegenseite dann wohl darauf aufmerksam gemacht wurde, daß man ihn wegen dieser Behauptung anzeigen würde, lenkte er ein. Nicht meinetwegen oder so, nein, um seinen A.... vor einer möglichen Verurteilung im Strafverfahren zu retten. Als ich das alles erfuhr, habe ich in rausgeschmissen. Angezeigt habe ich ihn nicht. Heute bereue ich das. Vielleicht hätte es ihm einen Dämpfer gegeben, denn die Lügen gehen immer weiter. Vor 3 Wochen saßen wir zusammen. Wir waren uns einig, daß es das letzte Mal ist, daß wir reden und versuchen eine Lösung zu finden. Ich habe ihm unmißverständlich klar gemacht, daß ich seine Lügen nicht mehr akzeptieren werde. Das wollte er beherzigen, er wolle mich und den Kleinen niemals verlieren. Ich solle mich fortan um Geld und Papierkram kümmern. Damit war ich einverstanden, habe ihm aber klargemacht, daß ich dazu alles wissen muß. Seine Post z.B. öffnet er nicht mehr, weiß dann bei Pfändungen nicht, warum usw. Ich erfuhr eine Woche! nach diesem "Reden" wieder mal durch Zufall, daß er mich genau in diesem Gespräch bereits wieder belogen hatte. Da kam das mit der Krankenkasse raus, was ich oben beschrieben habe. Ich stand nämlich beim Kinderarzt und war plötzlich mit meinem Sohn Privatpatient, weil man meinem Mann ja die Versicherung gekündigt hatte, wovon ich bis zu diesem Tag nichts wußte. Und da war für mich der Punkt zu sagen: "Feierabend, Du bist krank." Abschließend muß ich Ihnen kurz beschreiben, wie sich mein Mann verhält, wenn eine Lüge aufgedeckt wird: Zunächst streitet er alles ab, wenn ich nicht nachgebe, wird er aggressiv, stolziert wie ein "Gockel" (so nenn ich das immer) durch die Wohnung, spricht kein Wort, entrückt irgendwie der Wirklichkeit und erfindet in dieser Zeit Gründe, warum er mich belügt. Meist weiß er nicht, warum er das tut, aber wenn er es weiß, dann ist es angeblich Angst, weil ich doch so oft schlechte Laune habe und dann traut er sich nicht, mir etwas zu sagen. Allein bei der Unterschriftsfälschung muß ich ca. 1 und 9 Monate lang schlechte Laune gehabt haben, solange hat es nämlich gedauert, bis ich das erfahren habe. In 2001 kaufte er sich ein nagelneues Auto, was er mir gegenüber 24.000,00 DM günstiger "machte". Es sollte 3 Jahre dauern, bis ich die wahren Zusammenhänge mit dem Auto erfuhr. Und wenn er gar nicht mehr weiter weiß, verschwindet er für Tage zu seiner Mutter, die ihn dann herzt und schaukelt und ihm suggeriert, daß sie genau wußte, daß eine Frau mit drei Kinder nicht tauge. Vergessen hat sie dabei wohl, daß ihr Sohn ein Mann mit 5 Kindern war, als ich ihn nahm. Daß ist dann Öl auf seine Lampe und die Arroganz und Selbstherrlichkeit sind fast grenzenlos. Ich habe seine Mutter mal darauf angesprochen, daß er mich seit dem 1. Tag fast täglich, aber auf jeden Fall jede Woche mindestens einmal belügt und derzeit so und soviele Schulden hat. Sie lachte und meinte: "Kindchen, da hat er wohl was geerbt" und da erzählte sie mir die Geschichte von ihrem eigenen Mann. Ihr Mann hätte das auch gehabt, immer mehr "Schein als Sein". Ich war danach der festen Überzeugung, daß diese Frau nicht von dieser Welt stammen kann. Freunde hat mein Mann keine, meine alten Freunde und Bekannten haben sich von mir abgewandt, weil sie es nicht verstehen können, wie ich diesem Mann all die Jahre die Stange halten konnte. Arbeitsstellen hat er mir zwischenzeitlich zwei kaputt gemacht. Auch hier waren die Gründe seine Lügen, weil er teilweise meine Chefs, die ihm helfen wollten (Anwälte) belogen und betrogen hat. Wenn ich zur Vernunft gekommen sei, könne ich gerne wieder kommen. Ich wohne hier seit 15 Jahren, mein Mann hat den Zustand heute in 4,5 Jahren geschafft. Er macht mir heute den Vorwurf, ich könne die Vergangenheit nicht mal weglassen. Wie denn, habe ich ihn gefragt, die Vergangenheit ist Gegenwart und wahrscheinlich auch Zukunft, da er mich nach vor täglich einfach belügt. Ich möchte damit abschließen können, ich möchte wieder mein Urvertrauen haben, daß ich in Menschen immer hatte. Ich bin bestimmt kein Mensch, der willenlos jedem glaubt, ich mache mir immer mein eigenes Bild von anderen. Es dauert lange, bis ich Freundschaften schließe, aber wenn, sind sie für´s Leben. Mein beste Freundin ist seit 34 Jahren uneingeschränkt meine beste Freundin. Können Sie mir einen Rat geben? Ich bin völlig verzweifelt, bin 41 Jahre, allein erziehend mit 2 Kindern, ohne Arbeit, auf Sozialleistungen angewiesen und habe einen Haufen Ärger am Hals, den ich nicht zu verantworten habe. Ich ringe derzeit mit mir, ob ich für meinen Mann eine Betreuung beantragen soll. Um andere und ihn selbst vor sich zu schützen. Er hat nämlich keinerlei Einsichtigkeit. Er versteht nicht, warum ich das alles so furchtbar finde. Ich halte ihn zwischenzeitlich für krank, Persönlichkeitsstörung oder ähnliches? Würden Sie soweit gehen? Vielen lieben Dank und Entschuldigung, daß es so lang wurde. Herzlichst Ihre Frau K |
Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief! Sie hielten die Ehe Ihrer Eltern für
nicht normal und bezeichnen sich selbst als Co-Abhängige!
Richtig, dem könnte ich zustimmen. Aber leider ziehen Sie aus
Ihrer Selbstdiagnose nicht die richtigen Schlüsse für sich. Sie
betrachten Ihren Mann mit Recht als persönlichkeitsgestört.
Aber wie sieht es mit Ihnen selbst aus? Dass Sie soweit gekommen
sind wie jetzt, können Sie sicher nicht allein Ihrem gestörten
Mann zuschieben. Denn niemand hat Sie gezwungen, gerade ihn zu
heiraten. Ihre eigene Psychopathologie ist der wahre Grund für
Ihre desolate Familiensituation. Mein Rat für Sie: Versuchen Sie
in einer eigenen Psychotherapie herauszufinden, was es mit Ihnen
zu tun hat, dass Sie gerade solch einen Mann heiraten und sich
dann auch noch so ausdauernd und so heftig von ihm betrügen
lassen.
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt