Sehr geeehrte Damen und Herren
Mein Sohn ist 2,5 Jahre und  ist zum größten teil trocken( er trägt
nur noch nachts Windeln).Nun ist es zum vierten mal passiert das
er in die Windel gekackt hat , sich diese Windel auszieht und den
Kot zum spielen benutzt(u.a. reichlich an die Wand schmiert).Wir
haben es mit Erklärung und Schimpfen versucht. Aber er hat es
nun schon zum vierten mal gemacht.Wir vermuten das er nicht
einschlafen kann und lange Weile hat.Warum ekelt er sich nicht
davor,  wie sollen wir uns verhalten?
Desweiteren sind wir der Meinung das unser Sohn seit ca 3
Wochen stottert. Dies ist schon mal aufgetreten und hat sich
wieder gelegt. Auf Nachfrage beim Kinderarzt wurde uns gesagt"
Das legt sich wieder".Wie lange kann so eine Phase dauern oder
auf was sollen wir achten? Ab wann sollte man sich w
oanders Hilfe holen und bei wem ?

Ich würde mich freuen wenn Sie uns helfen könnten.
Mit freundlichen Grüßen M.

Liebe Frau M. (bzw. lieber Herr M.),

dass Ihr zweieinhalbjähriger Sohn sich die vollgemachte Windel auszieht und mit der "Einlage" spielt, ist nichts Besorgniserregendes. Auch das "Stottern" ist in diesem Alter völlig normal. Schließlich ist Ihr Sohn in seiner Sprachentwicklung noch nicht ganz fertig. Sie wundern sich, dass er sich nicht vor der Windeleinlage ekelt. Aber das ist nichts Angeborenes, das lernen die Kinder erst mit der Zeit mehr oder weniger. Vor unseren eigenen Körperausscheidungen ekeln wir uns normalerweise nicht besonders, vor denjenigen anderer Menschen dagegen viel mehr. Aber auch das kann man sich wieder abgewöhnen (denken Sie z.B. an Kranken- und BehindertenpflegerInnen, die alte Menschen windeln und sauber machen, ohne sich dabei sonderlich zu ekeln). Sie ekeln sich also  vor dem Kot Ihres Söhnchens vielleicht mehr als er selbst. Der einzige Fehler, den Sie machen können, ist, zu viel Druck auf Ihren Sohn auszuüben und aus allem erst ein Problem zu machen. Bleiben Sie immer ruhig, freundlich und hilfreich. Also nicht schimpfen (höchstens etwas tadeln, aber freundlich), nicht strafen oder lange vorwurfsvoll erklären. Sorgen Sie abends vor dem Schlafengehen für eine gemütliche gemeinsame Toilettensitzung mit Ihrem Sohn: Gehen Sie mit ihm ins Bad oder in die Toilette, setzen Sie sich selbst aufs Clo und machen, plaudern Sie dabei nett mit ihm. Danach kommt er auf die Schüssel (vielleicht haben Sie einen Kinderaufsatz), oder er sitzt auf dem Töpfchen, während Sie plaudern und scherzen oder eine kleine Geschichte erzählen. Wenn er dann nichts macht, ist es auch egal. Wenn er aber noch etwas macht, umso erfreuter sind Sie! Danach bringen Sie ihn zu Bett. Auch hier sitzen Sie noch länger am Bettrand, singen oder erzählen mit ihm...bis er müde wird und schlafen will. Sagen Sie ihm, dass er kommen oder rufen darf, wenn er nicht schlafen kann oder sich allein fühlt. Das finde ich wichtig, weil ich vermute, dass er sich nicht langweilt, wie Sie vermuten, sondern dass er sich vor dem Einschlafen einsam oder ängstlich fühlt. Das "Stottern" ignorieren Sie am besten völlig. Seien Sie ganz beruhigt. Mit freundlichem Gruß und den besten Wünschen für Sie und Ihre Familie, Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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