Sehr geehrter Herr Schmidt!
Mein Mann führt eine sehr intensive »email-Beziehung« mit einer Frau, die
wir beide im Urlaub über Silvester kennengelernt haben. Ich habe die mails
gestern heimlich gelesen, und es hat mich wie der Blitz getroffen. Er
schickt ihr Gedichte, schreibt, dass ich von diesen mails besser nichts
wissen sollte, dass er sich jeden morgen wahnsinnig aufs mails abrufen
freut...
Wir sind seit 3 Jahren verheiratet, arbeiten auch zusammen und haben
eigentlich ein aussergewöhnlich harmonisches Verhältnis. Jetzt habe ich den
Eindruck, dass ich ihm doch irgendwie auf die Nerven gehe, auch wenn er das,
um mich nicht zu verletzen, nie zugeben würde. Wir reden viel miteinander,
aber wenig über privates, ich fürchte, er sagt mir nicht, was er wirklich
denkt, was ihm vielleicht in unserer Ehe fehlt. Ich fühle mich so betrogen,
kann nicht mehr normal mit ihm umgehen, ihm aber auch nicht sagen, dass ich
die mails gelesen habe. Dann wäre er wahrscheinlich zu recht sauer und die
mail-Affäre würde sicher noch intensiver werden. Ich will unsere Beziehung
auf keinen Fall gefährden, will aber auch nicht die betrogene Ehefrau sein,
eher werde ich selbst gehen. Was soll ich tun?

Danke im Vorraus,
M.

Liebe M.,

da hilft wohl alles nichts: Sie müssen Ihren Mann damit konfrontieren, dass Sie die mails gelesen haben. Wenn er so dumm ist, kein Ihnen unbekanntes Passwort zu verwenden, muss er damit rechnen, dass Sie die mails praktisch zufällig finden und lesen. Wenn er Ihnen deshalb Vorwürfe macht: sei`s drum! Wichtiger ist, dass die Wahrheit ans Licht kommt und Sie mit ihm klären können, wie ernst die ganze Sache ist. Auf jeden Fall haben Sie recht, sich betrogen zu fühlen. Da wird sich Ihr Mann anstrengen müssen, dieses email-Fremdgehen wieder gut zu machen und Ihr Vertrauen wieder zu gewinnen! Spielt sich alles wirklich nur per mail ab, oder gibt es auch reale Kontakte zwischen den beiden? Ihr Mann muss Ihnen die Wahrheit sagen! Bestehen Sie darauf. Sie haben es nicht nötig, sich hintergehen zu lassen.

Viel Erfolg und Selbstbewusstsein wünscht Ihnen Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

Zurück