Sehr geehrte Damen und Herren,   mein Sohn (11) hat mich zum wiederholten male bestohlen. Er hat bereits dreimal jedweils 50 EUR gestohlen und warscheinlich regelmäßig Kleingeld. Er nimmt dieses Geld um im Internet-Cafe zu spielen.Bei den ersten 100 EUR habe ich sehr ruhig mit ihm darüber gesprochen und Verständnis gezeigt. Nun aber wieder. Mein Sohn hat an keiner Stelle seines Lebens etwas für ihn wichtiges nicht bekommen. Wahrscheinlich eher zuviel (seitens der Großeltern). Ich pflege die Einstellung über alles mit ihm zu sprechen und immer Verständnis für ihn aufzubringen. Trotzdem beginnt er zunehmend mich zu belügen und mich zu bestehlen. Es ist für mich so schwierig damit umzugehen, weil er sonst ein wirklich liebenswertes und nettes Kind ist. Nun bin ich mit meinem Latein am Ende und bitte um Ihre Hilfe.   Weiterhin las ich in einem Brief auf Ihrer Seite etwas über Wahrnehmungsschriegkeiten. Ein Thema, worauf mich die Lehrerin meines Sohnes hinwies und mir anrat, ihn darauf hin einmal untersuchen zu lassen. Können Sie mir auch hier weiterhelfen?   Mit freundlichen Grüßen   N

Liebe N,
vielen Dank für Ihren Brief!
Besuchen Sie mit Ihrem Sohn eine Erziehungsberatungsstelle und erzählen Sie dort alles genau. Ihr Sohn geht aber mit, damit er merkt, dass es so nicht weitergehen kann und Sie nicht mehr beide Augen zudrücken werden. Er soll sich Ihnen und dem Berater gegenüber zu seinem Verhalten bekennen und dazu stellen müssen. Sind Sie allein erziehend? Ihr Mann bzw. der Vater Ihres Sohnes spielt natürlich auch eine sehr wichtige Rolle und sollte unbedingt an der Beratung teilnehmen. In der Beratungsstelle kann man Ihren Sohn auch mit Testverfahren auf Wahrnehmungsschwierigkeiten untersuchen. Fragen Sie vorher die Lehrerin noch einmal genau, welche Beobachtungen sie macht und an welche Wahrnehmungsschwierigkeiten sie denkt. Das können Sie dann in der Beratungsstelle wiedergeben. Vielleicht sind Sie auch bisher mit Ihrem Sohn zu nachgiebig umgegangen? Vielleicht muss er einmal deutlich spüren, was die Konsequenzen seiner Diebstähle sind. Er muss zum Beispiel das Geld irgendwie an Sie zurückzahlen, z.B. dadurch, dass er die nächsten Monate irgendwelche Leistungen oder Dienste zu Hause erbringt, die Sie ihm finanziell auf seine "Schulden" bei Ihnen anrechnen (Mülleimer raustragen, tägliches Zimmer-Aufräumen, sorgfältiges Hausaufgabenmachen, usw.) Darüber führen Sie dann gemeinsam mit ihm genau Buch, bis seine "Schuld" abgetragen ist. Das Internet-Café haben Sie ihm hoffentlich bis auf Weiteres streng verboten, dazu ist er doch eigentlich auch noch zu jung, um da regelmäßig hin zu gehen. Seien Sie strenger und konsequenter, Ihr Sohn tanzt Ihnen ja schon auf der Nase herum!
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt