Hallo Herr Schmidt,
hm wo anfangen? Ich bin 30 Jahre seit 2 Jahren vereiratet, meinen Mann kenne ich bereits 12 Jahre, unser Kind ist 1 1/2 Jahre alt. Kurz nach der Geburt des Kindes (ca. 3 Monate) habe ich durch Zufall festgestell, dass mein Mann ein Verhältnis mit einer anderen Frau hat. Dazu muß ich sagen, wir haben uns nachdem unser Kind da war sehr voneinander entfremdet. Ein Leben zu dritt verändert doch wirklich alles. Wir hatten auch keinen Zugang mehr zueinander. Ich war mit dem Kind Tag und Nacht beschäftigt, unsere Maus ist ganz schön anstrengend, und war sie dann im Bett, wollte ich nur noch Beine hoch und nichts mehr tun, nichts mehr denken, und schon gar nichts für einen intakte Familie tun. Auch habe ich gemerkt, dass irgend etwas nicht mehr stimmt. Mein Mann ist sehr dominant und ich bin sehr feige und gehe daher - leider - Streitdiskussionen so gut es geht aus dem Weg. Er hat nämlich d (hier fehlt ein Stück...)
Ich weiß nicht wie ich unsere Ehe retten kann. Er ist mir schon wieder 'untreu' entgegen seinen Beteuerungen. Ich weiß nicht wie ich ihm je wieder vertrauen soll, geschweige denn ob ich es je kann. Allerdings kann und will ich nicht alles hinschmeißen, wir haben schon so viel Zeit miteinander verbracht- Ich denke nur, wenn er doch so unzufrieden ist, warum ist er dann noch mit mir zusammen`? Er weiß genau, dass ich nie möchte, dass er nur aus Verpflichtung bei mir bleibt, dass hatte ich ihm mehrfach gesagt, nachdem sein fremdgehen aufgeflogen ist. Ich hab ihm sozusagen den Weg geebnet sich frei zu entscheiden.
Andererseit habe ich große Angst vor einer Konfrontation. Er ist eigentlich ein liebevoller Mann und Vater. Er kümmert sich auch um den Haushalt und ist kein Macho. Allerdings entschuldigt dies sein Verhalten in keinster Weise.
Jeden Tag, jede freie Minute beschäftigt mich das ganze. Ich kann meine Tag mit unserem Kind einfach nicht genießen. Immer wieder kommen die Gedanken an seine Untreue auf. Wenn ich ihn nicht erreiche, fängt es zu spinnen an in meinem Kopf. Gerade auch dadurch fällt es mir sehr schwer mich ihm voll und ganz zu öffnen. Ich fühle mich dermaßen unterlegen und hilflos. Ich komme aus dem Tief überhaupt nicht raus.
Wenn ich ihm sage was ich weiß - ich glaub das kann ich einfach nicht. Außerdem hab ich auch sehr große Angst vor den Konsequenzen. Ich bin so feige. Aber ich kann mit der Situation so wie sie ist einfach nicht mehr leben. Aber ich will ihn auch nicht verlieren. Bloß kann ich jemals auf diese Bez
iehung bauen?!
Ich weiß einfach nicht was tun. Was ist richtig was falsch. Eine so hohe Toleranzgrenze hab ich dann auch wieder nicht, dass ich das alles hinnehmen kann.
Können Sie mir einen Rat geben?
Im voraus Dank.
Katrin

Liebe Katrin,
vielen Dank für die Schilderung Ihrer Familiensituation! Ihr
Hauptproblem sehe ich in dem, was Sie bei sich selbst mit "feige"
umschreiben. Ihnen fehlt es vielleicht an einer gesunden Portion
Selbstbewusstsein, so dass alles über Ihnen zusammenstürzt und Sie
sich nicht darstellen können gegenüber Ihrem Mann. Möglicherweise
macht  Sie das bei Ihrem Mann auch weniger attraktiv.
Also: Ich finde, Sie müssen bei Ihrem Mann jetzt endlich einmal ganz
kräftig auf den Tisch hauen! Er betrügt Sie offenbar schon jahrelang,
nicht wahr? Und Sie wehren sich nicht, fressen stattdessen die
Eifersucht und Kränkung in sich hinein. Das macht jeden Menschen
krank. Auch Ihr Kind merkt wahrscheinlich schon, dass Sie seelisch
sehr belastet sind.
Bitten Sie Ihren Mann in den nächsten Tagen zu einer gründlichen
Aussprache. Irgendwann, wenn Sie sich beide Zeit nehmen können,
sollten Sie ihn damit ruhig, aber sehr ernsthaft konfrontieren, dass
es für Sie so nicht weitergehen kann. Dass Sie wissen, dass er Sie
betrügt, oder dass Sie dies zumindest ganz stark befürchten.  Dass Sie
völlig unglücklich sind in Ihrer Ehe. Und dass sich etwas ändern muss,
sonst würden Sie ihn besser verlassen. Sie müssen versuchen, ihn
emotional betroffen zu machen, er muss ernsthaft in Sorge geraten,
dass Sie nicht so weitermachen werden, wenn er nichts ändert. Er soll
Ihnen seinerseits sagen, was ihn an Ihnen stört, was Sie aus seiner
Sicht ändern sollen, damit Sie wieder zueinander finden. In diesem
Gespräch könnten Sie ihm auch vorschlagen, gemeinsam eine
Eheberatungsstelle aufzusuchen. Wenn er so richtig in Sorge um seine
Ehe gerät, geht er dorthin mit. Wenn nicht, gehen Sie alleine in eine
solche kostenfreie Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Ihrer
Wohngegend (erfragen Sie die nächstgelegene Stelle z.B. bei Ihrem
Jugendamt).
Auf jeden Fall sollten Sie Ihre "Feigheit" überwinden, das sind Sie
sich, Ihrer Ehe und vor allem Ihrem Kind schuldig. Stellen Sie sich
und Ihren Mann!
Das wünscht Ihnen Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

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