Meine Freundin hat sich vor etwa einem viertel Jahr von Ihrem Mann getrennt
und lebt seitdem in einer eigenen Wohnung.Ich selbst kenne Sie seit drei
Jahren und wir waren uns unserer Gefühle dürchaus bewusst, haben aber erst
nach der Trennung von Ihrem Mann diesen Schritt gewagt. Sie und Ihr Mann
haben sich in 4 Jahren Ehe sehr voneinander entfernt, so dass meine Freundin
(25) diesen Schritt gemacht hat.
Nun verhält es sich so, dass der (Noch)- Mann zusammen mit dem Vater meiner
Freundin eine Firma gegründet hat und dadurch die familiäre Situation
natürlich extrem angespannt ist.Auch Ihre Schwester hält eher zu Ihrem
Schwager als zu uns.Kurz, es wird viel Böses gesprochen und auch ich konnte
mir schon so Einiges anhören. Verständlich ist das ja, da die beiden immer
als Traumpaar gewertet wurden und jeder vor den Kopf gestossen war als dies
passierte.
Neuerdings kommen ein paar Schwierigkeiten hinzu, die zunehmend unsere
Situation belasten.
Der Mann meiner Freundin wohnt noch im gemeinsamen Haus(das der Familie
meiner Freundin gehört) und meine Freundin hat sich eine Wohnung genommen.
Nun "vermisst" Sie ihr altes Leben, wie sie sagt und Ihr fehlen all die
materiellen Dinge in ihrer alten Wohnung sowie ihre Haustiere, die sie nicht
mitnehmen konnte. Sie leidet zur Zeit sehr darunter und ich kann Ihr nicht
helfen. Immer wenn sie aus verschiedenen Gründen in die alte Wohnung geht,
ist sie hinterher am Boden zerstört.
Sie wird erdrückt von der Erinnerung, dass Sie all das aufgebaut hat und
nicht mitnehmen kann. Zwar sagt sie, dass sie nicht mehr zurück geht zu
ihrem Mann, da sie auf die Beziehung mit mir nicht verzichten kann (Wir
harmonieren unglaublich gut miteinander, haben die gleichen Gedanken und
Vorstellungen), aber in mir wächst die Angst, dass die Sehnsucht nach ihrem
alten Rythmus stärker als unsere Liebe ist und sie zurück geht zu einem
Mann, den sie nicht mehr liebt, um in Ihrer "Heimat" zu sein. Was kann ich
tun um Ihr zu helfen, ist diese Reaktion normal und wie soll ich mich
verhalten?

Michael

Lieber Michael,

vielen Dank für die Schilderung Ihres Problems mit Ihrer Freundin! Ihre Freundin befindet sich in einer schwierigen Familiensituation. Sie versucht, ihr Leben grundlegend zu verändern (sie verlässt ihren Ehemann, sie verlässt das Haus ihrer Eltern, sie nimmt sich eine eigene Wohnung, lebt mit einem "neuen" Mann), und das alles offenbar gegen den Willen ihrer Familie und des Ehemannes. Vielleicht will sie endlich unabhängig werden und sich ein eigenes Leben aufbauen. Vielleicht hat sie ihren Ehemann in einer Lebensphase geheiratet, wo sie noch nicht unabhängig von ihren Eltern war, und nun möchte sie das nachholen. Kein Wunder, dass ihr das nicht leicht fällt und sie vielleicht manchmal unsicher ist, ob sie sich das alles richtig überlegt hat und es diesen Preis wert ist, und dass es auch Verzicht auf die gewohnte "Heimat" bedeutet, wenn man sozusagen von zu Hause weggeht ins eigene Leben hinaus.

Ihre Sorge, lieber Michael, dass Ihre Freundin aus "Heimweh" doch wieder zurückgeht, kann ich gut verstehen. Aber Ihre Freundin muss ganz allein entscheiden, welchen Weg sie einschlagen soll. Das braucht natürlich auch seine Zeit. Sie dürfen sie deshalb nicht zusätzlich unter Druck setzen. Sie können sie eigentlich "nur" einfühlsam begleiten, an ihrer Seite stehen, ihr Ihre Liebe sagen, egal, welchen Weg sie gehen mag. Vielleicht können sie ihr zureden, dass sie mit ihrer Familie spricht und dort um Verständnis bittet, indem sie ihre Gründe schildert. Wenn sie ihre Familie gewinnt, wäre das ein wichtiger Schritt ins neue Leben. Sie müssen aber wissen, dass es derzeit wohl keine Sicherheit für Sie geben kann, dass Ihre Freundin sich für das "neue" Leben mit Ihnen entscheidet, dass sie also nicht wieder zurückgeht. Ihnen wünsche ich natürlich, dass sie bei Ihnen bleibt!

Mit freundlichem Gruß und allen guten Wünschen, Ihr

Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt

Sehr geehrter Herr Schmidt,
vielen Dank für Ihre Antwort auf meine Problematik.(ich hatte Ihnen die
Probleme meiner Freundin mit ihrem Heimweh geschildert.)
Inzwischen haben sich die Ereignisse überstürzt.Gestern teilte mir Christine
mit, dass sie nach Hause geht! Für mich ist inzwischen die Welt
eingekracht.Gestern Morgen erfahre ich noch Ihre Liebe und gestern mittag
teilt sie mir mit, dass sie es mit Ihrem Mann nochmal probieren will.
Das Unverständniss in mir ist unendlich gross und der Schmerz fügt mir
sellisch grossen Schaden zu.Sie sagte mir während des Gesprächs auch noch,
dass sie mich liebt und gibt diese perfekte Liebe ( und glauben Sie mir,
wenn ich sage ich übertreibe nicht. Ich hatte immer eine Vorstellung wie
eine Beziehung funktionieren sollte und auch Ihre Ideale waren absolut
identisch. Wir waren gleichgeschaltet in unserem denken und handeln)
auf.Sie geht nun zu Ihrem Mann zurück und die Frage ob sie wiederkommt kann
nicht beantwortet werden. Sicher ist, dass sie gesagt hat, das Ihr das alte
Umfeld fehlt und Sie alles vermisst hat. Es sei für sie die bessere
Möglichkeit Ihr Leben in den Griff zu bekommen.(wenn sie mich fragen eher
der einfachere Weg, da sie vor all den burokratischen und persönlichen Wegen
Angst hatte.)
Ich bleibe zurück als weinender dritter sozusagen und muss all das
verarbeiten, das mir so unendlich viel gegeben hat. Nie würde ich eine
perfekte Liebe aufgeben um in mein altes Leben zurück zu kommen.
Ich bin tief verletzt und sie tut mir unendlich weh damit. Sie hatte gestern
betont, dass sie mir nie weh tun wollte und sich 1000 mal dafür
entschuldigt.
Da ich mehrfache schwere Enttäuschungen erlebt habe und der Gedanke, dass
sie Weg ist, mich auffrist, weil ich auf alles wundervolle mit Ihr
verzichten muss, bitte ich Sie mir zu helfen. Ich weiss, dass ich so einen
Menschen nicht mehr finden werde, denn der einzige Mensch nachdem ich mein
Leben lang gesucht habe ist in die Vergangenheit zurück.
Michael

 

Lieber Michael,

ich hatte Ihnen ja angedeutet, dass Sie davon ausgehen müssen, dass Ihre Freundin sich alles viellciht doch nicht richtig überlegt hatte, aber dass sie so rasch zurückgeht, tut mir wirklich leid für Sie! Jetzt ist für Sie eine Welt zerbrochen, und das offenbar nicht zumn ersten Mal! Ich kann Ihnen von hier aus jetzt nur sagen: Kopf hoch! Das Leben muss weiter gehen. Sie müssen und werden darüber hinwegkommen! Wenn Sie einen Gesprächspartner brauchen, mit dem Sie jetzt persönlich länger und eingehender sprechen möchten, empfehle ich Ihnen, in Ihrer Umgebung nach einer Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Ausschau zu halten (im Telefonbuch meist bei Kirchen oder Verbänden wie der Caritas. Sie können sie auch in Ihrem Rathaus z.B. im Jugendamt erfragen). Dort gibt es Psychotherapeuten, die Ihnen kurzfristig und kostenlos zu ausführlichen Beratungsgesprächen zur Verfügung stehen.

Alles Gute, Ihr Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt     






 

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