| Sehr geehrter Herr Schmidt, unsere Tochter wurde im Alter von 27 Monaten ganz ohne Zwang innerhalb von 14 Tagen tagsüber trocken und sauber (bis auf ganz wenige Ausnahmen). Nun waren wir eine Woche im Urlaub, auch dort klappte alles sehr gut. Nun geht sie wieder in den Kindergarten und macht seit dieser Zeit ihr großes Geschäft wieder in die Hose. An dieser Stelle wäre noch zu erwähnen, daß sie früh beim Abgeben wieder weint und eigentlich nicht dorthin möchte. Wir haben nun den Verdacht, sie merkt, wenn sie muß, sagt aber nichts, weil sie merkt, sie erzielt damit Aufmerksamkeit und denkt, sie kann damit Druck auf uns ausüben, weil wir uns ärgern und dies auch sagen. Ich habe sie gefragt: "Machst Du in die Hose, weil Du wieder in den KiGa mußt?" Darauf hat sie mit "Ja" geantwortet. Wie sollen wir uns nun verhalten? Wie kriegen wir das Problem in den Griff? Vielen Dank für Ihre Antwort. H |
Hallo,
Ihrem Gedankengang über die angebliche Ursache kann ich nicht
ganz folgen. Jedenfalls sollten Sie sich doch nicht darüber
ärgern, wenn die Kleine vorübergehend wieder in die Hose macht.
Das ist doch nichts Besorgniserregendes! Es ist völlig normal,
wenn Kinder in der Sauberkeitserziehung immer mal wieder
Rückfälle haben. Daraus darf keinerlei Drama gemacht werden.
Sie sollten das höchstens ein wenig bedauern, denn das tun die
Kinder in solcher Lage im Grunde auch selbst, aber ansonsten kein
Aufsehen darüber machen, sondern sie liebevoll beruhigen und
betonen, dass das nicht schlimm ist und dass sie es sicher bald
wieder hinkriege.
Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer chicken Party und
bekleckern der Gastgeberin vor aller Augen aus Versehen ganz
fürchterlich die Bluse. Wie peinlich! Wenn die Gastgeberin sich
nun darüber öffentlich ärgern oder sonstwie mokieren würde,
fänden Sie das doch sicher auch unmöglich von ihr, nicht wahr?
Stattdessen wird sie doch hoffentlich sagen, dass das doch gar
nichts mache und jedem mal passieren könne. Statt sich über Sie
zu ärgern, wird sie Sie stattdessen beruhigen und einfach die
Bluse wechseln.
Genau so sollten Sie sich Ihrer Tochter gegenüber auch
verhalten.
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt