Hallo,

Ich bin 34 Jahr alt, verheiratet und habe einen 12 jahre alten Sohn und eine 5 jahre alte Tochter.

Unser Sohn hat nun ein wie ich und auch die Lehre seiner Schule finde, sehr großes Problem mit der Wahrheit, er weiß gar nicht was das ist, er lügt ständig und jeden an, dass ist z.B. wenn er etwas ganz offensichtliches angestellt hat, wie z.B. etwas verschüttet hat, und man ihn dabei erwischt hat, sagt er: "das war ich nicht". Und er besteht auch gnadenlos auf diesen Punkt, in der Schule hat ihm dass nun große Schwierigkeiten eingebracht, da die Lehrer Ihn offensichtlich bei veschiedenen Vergehen erwischt haben und er es trotz Zeugen und Beweisen abstreitet (Schneebald werfen, trotz Abmahnung des Lehrer, Mitschüler und Lehrer haben es bezeugt, dass er es war, er aber wiedermal mit dem Satz konderte dass er gar nichts gemacht habe). Die Lehrer sind nun an den Punkt angelangt, dass sie ihm überhaupt nichts mehr glauben und ihn auch ständig als "Schuldigen" hinstellen. Die Rektorin seiner Schule hat bei einem Telefongespräch mit mir, mir zu verstehen gegeben, dass mein Sohn einfach ein Lügner sei und er eben unglaubwürdig sei und man ihn deshalb ja wenn er mal tatsächlich was nicht gemacht hätte auch nicht mehr glauben könne.

. Mein Mann und ich wissen ja auch nicht mehr, ob er was angestellt hat, oder ob er es nun tatsächlich nicht war. Er läßt sich auch nicht durch irgendwelche Androhungen wie Hausarrest oder Strafarbeit, einschüchtern, wir wissen nun nicht wie wir ihn diese "Unwahrheit sagerei" "abgewöhnen" sollen. Haben Sie uns vielleicht einen Tip wie wir auf unseren Sohn einwirken können? Wir vesuchen ständig mit ihm ein Gespräch über dieses Thema zu führen, aber er schein daran überhaupt kein Interesse zu zeigen, er schaltet ab und man kommt sich vor, als ob man gegen eine Wand reden würde.

Danke im voraus für Ihre Hilfe.

Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief! Ihr armer kleiner Sohn ist ja stark unter moralischem Druck der Erwachsenenen. Er ist angeblich ein Lügner! Meine Güte, mit welcher Selbstgerechtigkeit wird hier über ein Kind geurteilt! Dabei ist es doch eigentlich recht leicht zu verstehen, dass er nur "lügt", um seine subjektive Selbstachtung nicht zu verlieren. Dass er aber immer in Gefahr gerät, seine Selbst- und Fremdachtung zu verlieren, liegt wahrscheinlich an den sehr strengen und pingeligen moralischen Ansprüchen der Erwachsenen. Verstehen Sie, was ich meine?

Ein Kind, das große Angst vor Strafen hat, wenn es etwas ausgefressen oder falsch gemacht hat, lügt deshalb, weil es die Strafe oder den Verlust an Selbstachtung vermeiden will. Strafe kann dabei auch eine moralische Verurteilung durch die Erwachsenen sein, abgesehen von so albernen realen Strafen wie Stubenarrest und Fernsehverbot etc. Strafen oder Einschüchtern ist bei kindlichem "Lügen" vollkommen falsch. Die beste Methode, dem Kind das "Lügen" zu ersparen, besteht deshalb darin, den übermäßigen strafenden Druck wegzunehmen. Wenn das Kind irgendetwas ausgefressen hat und es hinterher leugnet oder lügt, sollte man dies deshalb einfach gar nicht ernst nehmen und auf keinen Fall in so eine Art polizeiliches Verhör mit Geständniszwang verfallen. Das verstärkt nur das kindliche "Lügen".

Wenn Ihr Sohn also jemandem einen Schneeball an den Kopf wirft und andere haben es gesehen und er behauptet trotzdem, dass er es nicht war und wird in der Schule dafür bestraft, dann zucken Sie doch einfach tadelnd und leicht traurig die Achseln. Und gehen sofort wieder zur Tagesordnung über. Das wirkt mittelfristig am Besten.

findet Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt