Ueberschrift: Ich bin staendig mit meinem Mann unzufrieden
Ich bin eine relativ junge Mama, 24 J. seit 3 Jahren verheiratet.
Habe ein gemeinsames Kind mit meinem Mann, 2,5 J. und Nr.2 ist
schon unterwegs. Ich bin nun mit meinem Leben recht zufrieden,
mir fehlt nichts (sozial) ich habe eine tolle Tochter, wünschte
mir unbedingt ein Geschwisterchen für sie... nun mit meinen
Lebenspartner komme ich nicht klar !!!
Er meint, ich bin ständig am nörgeln...Ich sehe die Sache ein
wenig anders, es gibt halt viele Gründe für mich unzufrieden
zusein. Ich versuche es meinem Mann zu vermitteln, worum es mir
geht, aber es kommt nicht an.
Ich mache zwar den Haushalt, ich würde mich aber riesig
freuen, wenn mein Mann Bio Müll auf dem Weg zur Arbeitmitnimmt,
Mal die Flaschen versorgt, im Keller aufräumt, das Bad ein Mal
im Monat von sich selbst putzt etc
Ich habe keine Lust das vor der Tür stellen müssen, er hat doch
auch sein Kopf.
Wenn ich was sage, ist schlecht, weil ich meckere... Der Mann ist
31 J. lässt alles von seine schwangere Frau ( 8 SS
Monat) machen, unsere Waschmaschine steht unten im Keller, wer
schleppt alles hin und her, natürlich ich.
Mir geht es eigentlich um mithelfen, das ich Mal auch das Gefühl
habe, jemand entlastet mich. Schliesslich kann er auch auf dem
Weg zur Arbeit Biomüll versorgen, gelben Sack runter nehmen etc.
Aber dem Typ muss man alles sagen, was zu tun ist. Wo hat er denn
seine Augen ???
Seine Tochter macht Pipi auf dem Topf, der bleibt in der mitte
des Zimmers halben Tag stehen... wenn ich dazu was sage, bin ich
eine blöde Kuh, die ihm ständig kritisiert...Es kommt oft bei
ihm der Satz, lass mich in Ruhe, ich mache alles sowieso falsch.
Für mich gibt es bestimmte Regeln an denen sich man halten muss
!
Das Kind geht ins eigene Bett schlafen, um eine bestimmte Zeit.
Das kann mein Mann auch nicht lernen. Er guckt Fernseh mit dem
Kind, irgendwann schläft es ein, oder wenn sie nicht schlafen
will, legt er sich zu uns, im Schlafzimmer ins Bett und
irgendwann klappt es mit dem Einschlafen, auf jeden Fall
schneller, als im Kinderzimmer.Und dann muss die Mama sie
rübertragen, als könnte die M.nicht
gleich bei sich einschlafen. Mein Mann meint ich wäre so
herzlos, wenn ich mit ihm schimfe,
sie soll in eigenem Bett schlafen. Ich bin aber den ganzen Tag
mit
meine Tochter, irgendwann möchte ich auch die Tür vom
Kinderzimmer zu machen und sich eigenen Sachen widmen. Wenn
sie ins Bett gehen soll, fängt er mit ihr sich gross sich zu
beschäftigen, ein liebevoller Vater, der am liebsten den
ganzen Tag am PC sich beschäftigen würde. Er ist sehr oft im
Internet, z:B. kommt er
zu Mittagspause, schaltet seine Kiste an. Und das Kind ruft 10
Mal
: "Papi komm, schau Mal, hilf mir etc." Ich finde es
bescheuert, anstatt sich hinzusetzen, ausruhen, mit dem Kind
reden machter solche Sachen.Wenn ich schlecht drauf bin, sag ich
schon, was ich davon halte,
dann flippt er aus, geht seine Zigarette rauchen, knallt die
Balkontür usw.
Wir haben neulich eine Regel ausgemacht, oder besser gesagt, ich
bin auf die Idee gekommen, den Komputer einzuschalten, wenn das
Kind im Bett ist.Es ging mir darum, das er noch am Abend sich der
Tochter widmet. Er ist um 18 Uhr da. Das wir halt zusammen essen,
spielen. Ich würde in ihm mehr Interesse an dem Kind wecken. Er
hat zugestimmt, er macht mit. Es hat zwei Tage funktioniert. Ich
bin wieder diejenige, die alles kaputt macht. Es stört mich,
dass er kein Familienmensch ist, am Wochenende mag er
ausschlafen, Spazieren gehen geht er nicht freiwillig.
Irgenwelche Kinderfeste sind doof, baden und Strand, wir wohnen
am Bodensee, kommt nicht in Frage, es ist zu heiss... Ich
frage mich, ob der Mensch aus dem Mond kommt !!!???
Er würde am liebsten sich zurückziehen, haupsache es gibt was
zu essen !Ins Kino gehen wir auch nicht, es gibt keine gescheite
Filme, ich habe keine Lust mir Kriegsfilme anzuschauen. Aussgehen
ist
schlecht wegen Kinderbetreuung, wenn ich was organisiere,
streiten wir uns, weil man Mann nicht richtig angezogen ist-
schlampig halt. Ich bin überwiegend mit seinen Klamotten nicht
zufrieden. Er ist mollig, das stört mir aber nicht, nun seine
Art, wie er sich kleidet, Opa-Zeug.Einkaufen macht ihm viel
Stress, er kauft sich die Hose, wenn seine
entweder klein sind oder ein Loch haben.Wir streiten uns über
Süssigkeiten und MC Donald.
Wenn er mit dem kind "spazieren" geht, geht sehr oft
bei MC Donald Pommes essen, es muss nicht sein !!! Ein mal in
Monat
reicht !!! Wenn das Kind MC Donald Schild sieht, erzählt vom
Balon und Pommes.
Wir haben uns zwei tolle Fahrräder gekauft, der von meinem Mann
steht aber kaum verbraucht im Keller. Er fährt seine Tochter mit
dem auto spazieren, sogar in 30 grad Hitze, wo ich nie im Leben
ins Auto einsteigen würde. Das arme Kind !Das beste war heute
Abend, die kleine wollte kein Abendessen
essen, hat nur die Hälfte von Kartoffelpuffer gegessen, über
den ganzen Nachmittag auch nicht viel
durchgekaut. Sie war mit dem essen fertig, sagte zur Papa, sie
hätte gern Bonbon.Er hat mindestens 5 Mal nein gesagt, weil sie
immer bohrt, und
was der Papi macht ? Ging mit ihr in die Küche, packt den 2,5
Jährigem Kind sogar einen Bonbon aus und schenkt ihr. Da bin ich
natürlich ausgeflippt... erst mal hat sie nicht Mal was gegessen
und zweitens, mit dem "Nein" hat mich
über die Bahnen geworfen !!! Wie kann man überhaupt so was
machen ???
Er war natürlich damit nicht einverstanden, dass ich mit ihm und
M. schimpfe,
war beleidigt. Er hat den Bonbon weg gelegt, war agresiv zu mir,
ich soll den Mund halten....
Für mich gibt es Regeln, was das Kind betrrifft, an denen muss
man sich halten.
Das heisst dann aber, darf das Kind kein Bonbon essen ? Oder ich
wollte beim Essen Fernseh ausschalten, weil die M.
glotzt! das zu einem Gespräch kommt, der kann sich auch nicht
daran halten.
Zusamenfassung:
Unsere Familie ist für mich eine komische. Ich habe zwar einen
Partner, der versorgt mich, aber mir fehlt das
Familiäre, was ich vom zu Hause kenne. Das man zusammen baden
geht, ins Kino, das der Man
im keller aufräumt, das Kind spontan am Abend zum See nimmt, Mal
was nettes zum Hochzeittag besorgt etc.
Ich habe das Gefühl, ich muss um alles kämpfen... ich bin oft
auch werbal agressiv, ich muss das Zeug auch abreagieren...
Wir verwenden keine Beschimpfungen, aber es ist manchmal
unangenehm.
Wenn die Atmosphäre so angespannt ist, klappt im Bett meistens
nicht.Was mir aber so körperlich fehlt... ich brauche meine
Streicheinheiten...er eher weniger... seine Mutter hat ihm mit 18
J. gekriegt, er war kein Liebeskind, seine Mama hat irgendwann
angefangen zu trinken, hat ihm permanent vernachlässigt, mit 9
Jahren ist er im Internat gelandet...Hat nie eine Unterstützung
von seine Familie gekriegt, der Papa hatt auch keine grosse
Interesse gezeigt, er hat schon bezahlt,
aber er kennt ihm nicht so gut !!! klar seine Vergangenheit
spielt eine grosse Rolle...
Ich komme eher von eine normale Familie, für mich stimmt alles,
von vorne bis nach hinten, bei uns nicht.
Ich liebe meinem Mann, er ist ein netter Kerl, irgendwas zieht
mich magisch an ihm an , das Liebe Gefühl. Aber ich frage mich
eben was ich mit der Unzufriedenheit in zehn Jahren mache.
Irgendwann
habe ich vermutlich die Schnautze voll !!! Ich weiss, alle
Eheleute haben irgendwelche Probleme, so reibungslos läuft die
nicht ab. Aber ich frage mich, wie haben das meine Eltern
gemeistert, das die sich trotz den vielen Jahren
immer gut verstehen, zusammen ergänzen, gern was unternehmen
?Ich könnte sie theoretisch fragen, fällt mir ein.
Aber einen mega grossen Rat hätte ich von einen Familienberater
gebraucht. Ich würde gern daran arbeiten, dass meine Ehe
einigermassen normal ist. !!!!
Mein Text ist jetzt ziemlich lang, ich hoffe es war mal wert,
sich die Zeit dafür zu nehmen. Ich würde mich wahnsinnig auf
die Post von einen Experten freuen !!!
Mit Herzlichen Grüssen
Liebe "junge Mama",
ich hoffe, Sie sind einverstanden, wenn ich Sie so nenne. Sie stellen sich ja selbst so vor. Zunächst möchte ich Sie zu Ihrer jungen Familie und zum Kleinen, das unterwegs ist, herzlich beglückwünschen! In so einer Familie steckt viel Glück für alle Angehörigen, wenn das Zusammenleben einigermaßen harmonisch ist. Aber da bin ich bereits bei Ihrem Thema! Zwischen Ihnen und Ihrem Mann scheint es häufiger nicht sehr harmonisch abzulaufen. Sie haben das ja sehr anschaulich geschildert, wie unzufrieden Sie mit ihm oft sind, und wie gereizt er dann reagiert, wenn Sie "nörgeln" oder "meckern". Da haben wir wohl ein Ehepaar, das sich vorgenommen hat, eine glückliche Familie mit zwei Kindern zu werden, und jeder fühlt sich vom anderen vernachlässigt. Jeder hat das Gefühl, auf ihm werde nur herumgehackt und alles müsse er alleine machen, ohne Lob und ein gutes Wort! Beide fühlen sich wohl unter Druck und Stress: Sie sind hochschwanger, das erste Kind ist auch in einem anspruchsvollen Alter, da sind Sie sicher manchmal "geschlaucht" und genervt. Ihr Mann arbeitet den ganzen Tag ausser Haus, kommt nach Hause und spürt seine Verantwortung und Ihre Unzufriedenheit. Er scheint dann gekränkt zu sein, fühlt sich wohl auch hilflos und überfordert und seinerseits von Ihnen (und vielleicht auch von seinen eigenen Eltern früher) seelisch vernachlässigt. So kann keiner auf den anderen liebevoll zugehen. Stattdessen nerven und verweigern sie sich wechselseitig. Liebe junge Mama, hier ein Beispiel für Sie und Ihren Mann (lassen Sie ihn doch meinen Brief lesen!), an dem ich veranschaulichen möchte, was ich Ihnen beiden rate: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit einer Freundin (einem Freund) am Esstisch und benötigen das Salz, das am anderen Tischende steht. Sie warten eine Weile, und als das Salz nicht kommt, sagen Sie zu Ihrer Freundin: "Dass Du nicht merkst, dass ich das Salz brauche, wundert mich bei Dir blöden Kuh wirklich nicht..." Ihre Freundin wird wohl nicht mehr so schnell mit Ihnen Essen gehen, nicht wahr? Ihre Beziehung ist vielleicht kaputt. Natürlich werden Sie stattdessen mit freundlichem Ton sagen: "Hannelore, sei so lieb und reich mir das Salz. Danke Dir!" So bekommen Sie, was Sie brauchen, und Ihre Beziehung ist hilfreich-wohlwollend. Verstehen Sie, was ich meine? So schwierig es auch fällt, Sie müssen sich wechselseitig umeinander bemühen, freundlich zueinander sein, "Bitte, Liebling, sei so nett und..." und "Danke, Liebling, das ist nett von Dir" sagen, etwas Gutes zu essen füreinander machen, eine kleine Aufmerksamkeit bereithalten, sich loben, sich unterstützen... Jetzt werden Sie vielleicht sagen, genau, damit soll mein Mann (meine Frau) mal sofort anfangen! Halt! Das ginge gleich wieder schief. Sie, liebe junge Mama müssen ganz alleine damit anfangen (oder Sie lieber junger Papa, müssen ganz alleine damit anfangen). Wenn einer anfängt und es durchhält, wird der andere sowieso nachziehen. Es tut mir leid, dass ich keinen einfacheren Rat für Sie habe. Aber so ist es nun mal: man kann Liebe nicht erzwingen oder fordern. Sie muss wie von selbst fließen, und das tut sie, wenn Sie sie nicht durch "Meckern" und "Nörgeln" zum Versiegen bringen. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
Alles Gute für Sie und Ihre Kinder, Ihr Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt