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geehrter Herr Schmidt, ich lebe seit August 2000 von meinem - mittlerweile geschiedenen- Exmann getrennt. Wir haben gemeinsam zwei Töchter. Beide Töchter sind im Juli 2001 mit mir freiwillig nach münchen gezogen. Die jüngere hat die vielen Veränderungen leider nicht verkraften können und ist im Juni 2002 zurück zum Vater gezogen. Mein Ex-Mann hatte zu diesem Zeitpunkt bereits wieder eine feste Partnerin, so dass ich und meine Tochter davon ausgehen konnten, dass sie dort in einen festen Familienverband zur Ruhe kommen könne. Anfangs klappe das auch scheinbar ganz gut. Mit der Zeit jedoch lehnte es mein Mann immer öfter ab, dass die zweite Tochter zu Besuch kommt (Weihnachten) mit der Begründung, dass die neue Partnerin bereits schon mit der einen Tochter überfordert sei. Die neue Partnerin hat selbst einen Sohn im gleichen Alter wie meine Tochter. Es kristallisierte sich immer drastischer heraus, dass die neue Partnerin die Tochter schikaniert und der Vater nichts dagegen unternahm. Meine Tochter wurde nun gemeinsam von Vater und neuer Partnerin auf die Straße gesetzt. Meine Tochter lebt zur Zeit bei meiner Mutter (65J). Ich habe das zuständige Jugendamt darüber informiert mit dem Ergebniss, dass es ihnen egal ist, was die neue Partnerin mit der Tochter macht. Ich bin völlig ratlos, was ich machen soll, somal ich 700km weit weg wohne. Ich würde mich freuen, wenn sie mir antworten würden. Mit freundlichem Gruß M |
Hallo,
auch in Ihrem Fall scheint es leider so zu sein, dass Sie und Ihr
geschiedener Mann es bisher sehr versäumt haben, im Verlauf
Ihrer Scheidung ernsthaft daran zu arbeiten, gemeinsame und
einvernehmliche Elternverantwortung für die gemeinsamen Kinder
trotz Trennung und Scheidung zu praktizieren. Zwischen Ihnen und
Ihrem geschiedenen Mann besteht seit Jahren dringender
Gesprächsbedarf über alle Fragen, die die gemeinsamen Kinder
betreffen. Ihre Kinder müssen Einvernehmen zwischen ihren Eltern
spüren, wenn es um sie, die Kinder, geht. Dass Sie 700 km vom
Vater Ihrer Kinder weggezogen sind, war wahrscheinlich aus der
Sicht der Kinder ein massiver Fehler. Darüber sollten Sie jetzt
nicht klagen, denn das lag in Ihrer Verantwortung. Das macht
Kindern natürlich die Trennung der Eltern praktisch hoffnungslos
und endgültig. Eltern, die sich trennen, sollten im Interesse
der Kinder nicht so weit auseinander ziehen, damit der zwanglose,
alltägliche Kontakt zu den Eltern so weit wie irgend möglich
gesichert bleibt.
Ihr geschiedener Mann und Sie sollten in einer
Erziehungsberatungsstelle möglichst gemeinsam mit den Kindern
eine Erziehungsberatung bei Trennung und Scheidung machen. Da
setzt man sich solange um einen Tisch, bis alle anstehenden
Fragen und Probleme gemeinsam und einvernehmlich im Interesse der
Kinder gelöst sind.
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt