| Hallo, ich
will gern glauben, dass das mit ADS hochgespielt wird,
was kann man aber tun, wenn ein Kind all die Merkmale wie
Hyperaktivität, Unkonzentriertheit, Depressionen,
Schulversagen bei einem IQ von 125 aufweist und man
einfach nicht klarkommt. Schon als meine Sohn
gerade erst laufen konnte fiel er durch eine abnorme
Hyperaktivität auf, er lief die Türrahmen hoch, wollte
sich nie alleine beschäftigen, hatte Probleme mit
anderen Kindern. Es wirkt alles auf mich ein wenig wie
Genie und Wahnsinn in einer Person, denn mein Exmann war
genauso problematisch und hat nur Schwierigkeiten
gemacht, so dass die Eltern nie etwas von ihm gehalten
haben, selbst nicht als er seinen Dr. in Medizin gemacht
hat. Ich hatte selbst Pädagogik und Psychologie, aber mein Sohn war immer anders, immer gegen alles, dickköpfiger geht es nicht und ich habe das Gefühl das mit jedem Jahr wird immer schlimmer. Mit 31 hatte ich einen Infarkt, da ich durch ihn immer unter Spannung stehe und dass Gefühl habe, das er alles daran setzt, mich fertigzumachen. Wir haben sonst keine Probleme, nur dass er ständig Mist baut ,seinen Kopf mit Gewalt durchsetzt, nur einigermaßen friedlich ist, so lange es nach seinem Kopf geht, ansonsten ist Terror angesagt. Ich habe zig Bücher gelesen und weiß keinen Rat, irgendwie ist der Charakter meine Exmannes vererbt worden und dieser kommt bis heute mit nichts richtig klar, vielleicht Schizophrenie, wenn ich die Wahl hätte würde ich mir kein ADS-Kind oder wie immer man so etwas nennt wünschen. Wissen Sie, wie das genannt wird oder heißt ist egal, ich weiß nur, dass meine Exschwiegereltern das auch nicht ertragen haben, was sich da abspielt und ich ertrage und leide. Wir
waren auch schon beim Psychiater, der sagt, mein Sohn wäre
ein Tyrann. Was kann ich dagegen tun, ich habe nicht die
Kraft, weiterzukämpfen, nach Lösungen zu suchen, wo
doch das Schicksal seinen Lauf nimmt und mein Sohn nicht
erziehbar ist. Ist Tyrannei vererbbar? aus den ständigen Problemen resultieren. Mein Sohn macht immer das Gegenteil von dem, was man möchte. Bsp: Koche ich gesunde Vollwertkost und warte mit dem Essen, war er vom Gymnasium aus wieder in der Mensa essen und hat keinen Hunger. Ich glaube, dass er denkt, dass es ihm furchtbar schlecht geht und dass er ein Recht hat, jeden Monat Kosten ohne Ende zu verursachen. Einen Reifen vom Auto kaputtgefahren, die teuerste Projektfahrt in der Schule mitmachen ohne vorher abzusprechen , einen Internetkauf von 300 Euro in den Sand setzen, weil er an einen Betrüger geraten ist und so geht das Monat für Monat. Es mag sein, dass der Jörg Blech in seinem Buch Die Krankheitserfinder Recht hat, damit, dass es ADS nicht gibt, aber wo liegt dann die Lösung? Muss man sich als Eltern alles bieten lassen ? Mein Sohn ist genauso unerträglich, wie sein Vater und wenn ich sage. Die hätten mich zusammen unter die Erde gebracht dann stimmt das. Ein Bekannter Psychiater, dem ich vor Jahren mein Herz ausgeschüttet habe, der hat zu mir gesagt, eine andere Frau hätte das nicht mit ihm ausgehalten. Drei gescheiterte Ehen bei meinem Exmann und daraus hervorgegangene Kinder sprechen für sich. Was meinen Sohn betrifft, waren zwei Erziehungsberatungsstellen nicht in der Lage Hilfe zu geben. Eine Psychologin empfahl damals, ihn gleich nach der 5. Klasse auf ein Gymnasium zu schicken, was wir aber nicht gemacht haben, der Weg wäre zu weit gewesen und der Rat war auch Unsinn, denn die 8.Klasse auf dem Gymnasium musste er wiederholen, da er mündlich erstklassig war, aber schriftlich in den Fächern versaget, so dass der Kommentar des Lehrers war: So was hatten wir noch nicht, den Code haben wir noch nicht knacken können. Meine Mutter ehemalige Sonderschullehrerin, inzwischen Pensionär wusste auch nie Rat bei ihm. Gestraft haben wir auch nicht, weil das so schon nicht auszuhalten war und die Dinge, die in dem Buch Eltern als Therapeuten empfohlen worden, machte ich schon lange. Ich rege mich schon lange nicht mehr auf, dass inneres und äußeres Chaos herrscht, denn das Jugendzimmer und sein extra für ihn im Haus geplanter Abstellraum ähnelt einer Müllhalde. Das Sofa beherbergt alle Oberhemden, die er besitzt, er schafft es nicht Saftkartons in den Abstellraum ( dort liegt der reine Müll wie bei einem Messie) zu stellen oder zu bemerken, dass der Papier- und Müllkorb überlauft, er habe Gedächtnisprobleme und vergisst die wichtigen Sachen. So waren wir im Theater und ich habe ihm ein Programmheft gegeben, was er in kurzer Zeit vergessen hat, denn er hat sich ein Programmheft gekauft, hat es mir gezeigt und konnte sich nicht erinnern, dass ich ihm das gleiche erst gegeben hatte. So und ähnliches gibts öfter.. Ach und das Essen( untergewichtig) vergisst er auch, denn aus dem Grunde war ich nämlich mit ihm beim Psychiater, weil ich Magersucht vermutet habe, was es aber nicht sei. ( Seine Schränke aufräumen oder zu klein gewordenes Ausräumen darf man nicht, dann macht er denjenigen fix und fertig, aus dem Grunde habe ich meine Mutter erst davon abgehalten. Denn wir hatten erst einen Terz als ein einige Tage bei uns wohnender asiatischer Austauschschüler zu klein gewordene, gute Kleidung haben sollte, für die doch keiner mehr Verwendung hatte. Nun bin ich mal gespannt, was Ihnen als Ferndiagnose einfällt. Wissen Sie, ich bin einfach nur müde und ich habe alles gelesen, wie Ernährung und Psyche , Nährstofftherapie bei psychischen Störungen; Psychische Störungen bei Kindern, Das verwundete Selbst usw., aber ich habe keine Antwort gefunden. Mit freundlichen Grüßen |
Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief!
Dass Sie vieles gelesen und versucht haben und dennoch frustriert
und einfach müde wegen der vielen Belastungen und der fehlenden
Hilfe sind, kann man gut verstehen. Sie haben bisher zwar nach
vielen Ursachen für die Probleme Ihres Sohnes gesucht. Aber: Was
Sie dabei bisher unmerklich vermieden haben ist, in sich selber
hinein zu schauen und danach zu forschen, ob Sie nicht selber ein
Teil der Ursache sind. In Ihrem Bericht finde ich jedenfalls
keine einzige ernsthafte selbstkritische oder
selbsthinterfragende Überlegung. Stattdessen äußern Sie sich
recht aggressiv-abwertend über Ihren Sohn und seinen Vater. Dass
dies Ihren Sohn und damit Ihre Beziehung zu ihm emotional schwer
belastet, liegt auf der Hand. Leider gibt es dafür keine Bücher,
die diese notwendige Introspektion ersetzen könnten. Sowas
gelingt nur im stillen Kämmerlein oder in einer Psychotherapie.
Missverstehen Sie das bitte nicht als Schuldzuschreibung. Es geht nicht um Schuld, sondern um Verstehen. Aber wenn man die Ursachen psychologischer Probleme immer nur "draußen" (z.B. im Kind oder in der Schule oder beim Vater des Kindes etc.) sieht, oder in Büchern und nicht auch in sich selbst sucht, sich selber als Mutter dabei also völlig ausklammert, geht es ganz einfach schief.
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt