| Guten Tag, Herr Dr. Schmidt ! Ich heiße Y. und bin 24 Jahre alt, bin verheiratet und bin auch schon Mutter. Leider habe ich im Moment sehr viele Probleme. Aber dazu muß ich ihnen etwas über meine Familie schreiben. Meine Mutter ist sehr krank, sie hat einen Gehirntumor und die Ärzte haben auch versucht ihn heraus zu operieren, aber das ging leider nicht. Dadurch hat sie leider epiläptische Anfälle. Auch psychische Probleme hat sie . Mein Vater ist jetzt auch noch Arbeitslos und als ob das noch ich reichen würde, ist er auch noch Alkoholkrank. Und das schon über Jahre, mittlerweile sieht man ihm das auch noch an. Seine Körperliche Verfassung ist sehr schlecht. Aber ich weiß nicht wie ich ihm helfen soll. Er blockt immer nur ab, außerdem fängt er an zu streiten wenn er genug intus hat. und dabei wird er sehr gemein und eine andere Meinung akzeptiert er dann nicht . Zum Beispiel, Meine Mutter ist ja nun sehr Krank und eine der auswirkungen ist, das sie sehr viel vergißt, er sagt dann das sie "doof" ist. Leider kann sie damit nicht umgehen und nimmt sich alles sehr zu Herzen, dementsprechend weint sie sehr viel. Ich versuche immer den streit gleich abzuwürgen. Deswegen bin ich auch jeden Tag dort und versuche das zu verhindern. Aber das gelingt mir nicht unbedingt sehr gut, und meißtens macht er das Abends und da bin ich ja bei mir zu Hause, und kümmere mich um meine Familie. Ich liebe mein Vater sehr und er ist auch ein Toller Vater und Opa, aber ebend nur wenn er nichts getrunken hat. Auch ist er sehr fies zu meinen Kindern wenn er was getrunken hat. Eigendlich möchte ich den Vater zurück den ich als Kind kannte. Aber wie soll ich das nur anstellen. |
Hallo,
vielen Dank für Ihren Brief! Es ehrt Sie zwar, dass Sie sich so
verantwortlich fühlen für Ihre Eltern, vor allem Ihre Mutter.
Aber Sie werden die Persönlichkeit Ihres Vaters nicht mehr
ändern können. Wahrscheinlich geht er auf seine grobe und
gefühllose Art nur mit seinem eigenen Schmerz oder Trauer um,
weil seine Frau so sehr krank ist. Es gibt ja Menschen, die ihre
Trauer und Verzweiflung hinter solch grober Art verstecken oder
im Alkohol ersäufen wollen. Könnte das bei ihm auch der Grund
sein?
Wenn sich die Krankheit Ihrer Mutter verschlimmert, sollten Sie daran denken, sie entweder zu sich zu nehmen oder sie in eine liebevolle Pflegestelle zu geben, falls Ihr Vater sich bis dahin nicht doch noch besinnt und sich verantwortungsvoll um seine kranke Frau kümmert. Es soll ja vorkommen, dass ein Mann in so einer ernsten Situation vom Alkohol ablässt, weil er von seiner Frau gebraucht wird. Aber es kann auch sein, dass er nur noch tiefer hilflos im Alkohol versackt und Ihre Mutter dann Ihre oder fremde Hilfe noch stärker braucht. Für diesen Fall sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Mann vorsorgen. Erfragen Sie Pflegestellen oder Pflegeheime. Die Plätze dort sind oft rechtzeitig zu buchen, falls Sie Ihre Mutter nicht bei sich zu Hause pflegen können.
Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Optimismus!
Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt