| Wir
(36, männl. und 37, weibl. mit einem Kind, 3 Mon.)
wohnen zusammen mit den Eltern meines Mannes und seinem Bruder (40) in einem 3-Familien-Haus. Seit einigen Jahren besteht ein Konflikt zwischen uns und dem Bruder , der uns vorwirft, daran schuld zu sein, dass es nie zu einer Beziehung zwischen ihm und meiner besten Freundin gekommen ist, die er allerdings nur ca. 5 Mal gesehen hat und die nach ihrer eigenen Aussage nie ein Interesse an ihm hatte und ihm dies auch schon persönlich mitgeteilt hat, nachdem er bei ihr Telefonterror gemacht hatte. In meiner Schwangerschaft verschärfte sich der Konflikt dahingehend, dass er den spärlichen Kontakt zu uns bei Familienfesten ablehnte und versuchte ,einen Keil zwischen uns und meine Schwiegereltern zu treiben, indem er seinen Vorwurf auch dort immer wieder wiederholte. Seit einiger Zeit schreit er nun, wen die Eltern gerade ausserhaus sind, im Treppenhaus herum, beleidigt uns auf´s Schärfste und bedroht uns mit körperlicher Gewalt. Vor zwei Tagen kam es in diesem Kontext zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen meinem Mann und ihm, die von ihm initiiert wurde. Als meine Schwiegereltern wieder nachhause kamen, tat er, als ob nichts passiert wäre und auf unsere Schilderung des Vorgangs antworteten sie nur, dass sie nicht dagewesen wären und deshalb auch die Situation nicht beurteilen könnten. Weitere Hilfe können wir von ihnen auch nicht erwarten, da der Bruder sie immer wieder mit seiner ehemaligen Heroinsucht unter Druck setzt und tyrannisiert und sie sich das einfach gefallen lassen aus Angst vor einem Rückfall seinerseits. Ausziehen möchten wir aber möglichst auch nicht, da das Verhältnis zu meinen Schwiegereltern sonst sehr gut ist und sie sich auch rührend um ihren kleinen Enkel kümmern. Wie können wir uns am besten dem Bruder und den Eltern gegenüber verhalten, damit es nicht weiterhin zu solchen Auseinandersetzungen kommt und wohin mit unseren Aggressionen? Vielen Dank im Voraus, S. H. |
Liebe S.H.,
vielen Dank für die Schilderung Ihrer familiären Situation! Um
es kurz zu machen: es wäre sicher am besten, Sie ziehen doch
aus! Ihr Schwager macht einen seelisch gestörten Eindruck, er
scheint mit seiner eigenen Lebensgestaltung und
Selbständigkeitsentwicklung nicht zurecht zu kommen. In Ihren
Schwiegereltern scheinen Sie dabei auch nicht die rechte
Unterstützung zu bekommen. Denn sonst würden sie darauf
drängen, dass Ihr Schwager auszieht. Und Ihre familiär geballte
Wohnsituation erschwert es, sich von Familienproblemen zu
distanzieren und sein eigenes, unabhängiges Leben führen zu
können. Sie denken sicher auch an ihr Kind und daran, in welcher
Umgebung es aufwachsen soll.
Das Verhältnis Ihrer Schwiegereltern zu Ihrem Kind muss sich
durch einen Auszug ja nicht verschlechtern. Das halte ich für
eine "Ausrede" von Ihnen, weil Sie (bzw. vor allem
wahrscheinlich Ihr Mann) den vielleicht auch finanziell
schwierigen Auszug sicher etwas scheuen. Sie müssen ja nicht
weit weg ziehen, aber "eigner Herd ist Goldes wert".
Alles Gute wünscht Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt