sehr geehrter herr schmidt, ich habe ein dringendes verlangen mich bei jemandem aus zu sprechen.ich dachte schon daran psychologische hilfe in anspruch zu nehmen.habe mich nie getraut mich jemandem fremden anzuvertrauen.zu meiner person.ich bin weiblich, mitte 20,eigentlich schon immer leicht depressiv bis introvertiert.ich habe angst etwas zu vergessen zu erwähnen so fange ich ganz am anfang an.ich bin ein typisches geschäftskind.das heisst meine eltern hatten nur wenig zeit für mich.vorallem meiner mutter machte ich vorwürfe.ich fühlte mich ungeliebt.von meinem vater erwartete ich keine aufmerksamkeit weil der war die ersten jahre immer weg arbeiten.ich war lange bettnässer und wusste das wenig essen = aufmerksamkeit bedeutet.als meine eltern ihr geschäft aufgaben war meine mutter schwanger. ich war 10 jahre und sollte wieder nicht mamas star sein.ich empfand in meiner jugend meine eltern zu streng.aber das ist glaub ich normal.heute sehe ich das ich meine mutter einfach um etwas bitten hätte müssen und ich hätte es bekommen.damals wie heute erwarte ich das man mir meine wünsche von den augen abliest.meine mutter ist eine sehr gutmütige frau aufopfernd,und ihrem mann untergeben.meine mutter ist einerseits sehr schwach weil sie zuvielmit sich machen lässt anderer seits unglaublich stark weil sie arbeitet bis zur erschöpfung,kinder ,haushalt etc. . mein vater ist sehr dominant aber sehr sensibel.heute suche ich den kontakt zu meinen eltern, vielleicht um zu versuchen versäumte nachzuholen.auch belasten mich die sorgen meiner eltern(geldnot,Krankheit meines vaters).ich glaube solange sie leben werde ich ihre schmerzen auch fühlen. ich würde sagen ich habe zu fast allem ein gestöhrtes verhältnis.zum sex- meine mutter hat mir als jugentliche von ihrem vater erzählt wie er sie vergewaltigt hat und sie dann ein kind von ihm bekam.mit 17 hatte ich zum ersten mal sex,bis heute hatte ich noch keinen sex der mir wirklich spass macht. ich habe die schule zur 12 klasse verlassen.das gymnasium habe ich nicht geschafft.jetzt habe ich nur die fachhochschulreife.seit diesem versagen, also seit ich 19 bin,bin ich fasenweise depressiv. ich hatte mich immer mehr von meinen freunden abgekappselt.glücklicherweise hatte ich damals einen ausbildungsplatz zu meinem traumjob gefunden.in der arbeits welt stellte sich nun herraus das ich meiner mutter garnicht so unähnlich bin.ich lasse nämlich auch alles mit mir machen.ich versuche immer 200% zugeben.werde natürlich ausgenützt und erhalte ganz und garnicht irgentwelche anerkennung.fest gestellt hqabe ich das ich nur glücklich sein kann wenn ich bestätigung von aussen bekomme.ausserdem kann ich nur ganz schwer positionen einemen.warscheinlich um everybodys darling zu sein.eine klare meinung habe ich meistens nicht weil ich auch immer die andere seite sehe. ich bin an einem punkt wo ich manchmal denke es wäre nicht verkehrt mir das leben zu nehmen.tun werde ich es aber nicht.weil ich weiss da fehlt noch ein bisschen verzweiflung.ich sehne mich nach einem erfülltem leben.nach einer arbeit die mir spass macht.nach freunden bei denen ich so sein kann wie ich bin. nach einem partner der mich versteht.ich fühle mich so allein und unverstanden.immer muss ich diese maske tragen,ich bin es leid.an manchen tagen bin ich richtig verwirrt. ich schaffe es kaum einen satz fehlerfrei auszusprechen in meinem kopf sind dann nur unfertige gedanken.ich weiss nicht was ich tun soll um wieder ein eingermassen lebenswertes leben zu haben.ich habe richtig panik ans telefon zu gehen.wenn ich dann mal ran muss strengt es mich richtig an nicht anzufangen zu stammeln.mein grosser bruder hat mir vor ca. einem monat gesagt das er hiv positiv ist.wie ich schon erwähnte sind die propleme meiner familie auch meine.ich bin in dem alter ein kind zu bekommen.manchmal wünschte ich mein freund würde schon geld verdienen und ich würde auch in einem abeitsverhältnis stehen. ich habe angst das meine kinder nicht meinen vater oder meinen bruder kennlernen werden.kurz vor silvester hat man mir gekündigt.das zehrt natürlich zusetzlich an meinem selbstwertgefühl.aussichten habe ich nur auf arbeitslosen hilfe.das ist mir eigentlich zu wider.ausserdem haben meine katzen sehrwahrscheinlich eine tödliche krankheit das hat mir heute auch nochmal zugestezt.ich weiss nicht wie es weitwer gehen soll?wie schaff ich es mein leben in den griff zu bekommen.wie schaffe ich es nicht an meinen selbstzweifel und meiner leere nicht zu grunde zu gehen.haben sie einen rat?    

Hallo,
vielen Dank für Ihren bewegenden Brief! Sie haben es in Ihrer Herkunftsfamilie bisher psychologisch nicht leicht gehabt. Besonders die schlimme Erfahrung, die Ihre Mutter mit dem eigenen Vater machen musste, ist eine seelische Hypothek, die auch Sie bis heute belastet hat, weil Sie damit eine Mutter hatten, die in ihrem Selbstwertgefühl zutiefst gekränkt worden ist. Das hat wohl ein wenig auf Sie abgefärbt, weil es ein tiefes Gefühl der Verbundenheit und Verpflichtung gegenüber Ihrer Mutter in Ihnen hat wachsen lassen, das Ihnen jetzt auf dem Weg ins eigene Glück zunehmend hinderlich im Wege steht. (Vielleicht hätte Ihnen Ihre Mutter diese Geschichte niemals erzählen sollen). Was kann eine Jugendliche damit schon anfangen? Es kann sie doch nur in einen Bann ziehen und negativ beeinflussen, was man ihr lieber ersparen möchte, damit sie möglichst unbelastet ins eigene Leben gehen kann. Auch Ihrem Vater gegenüber, der sich wohl selten so sehr um Sie gekümmert hat, dass Sie es direkt hätten fühlen können, fühlen Sie sich noch sehr verpflichtet, so, als müssten Sie wieder gutmachen, was er Ihnen gegenüber versäumt hat.

Wie können Sie nun langsam aus dem Bannkreis Ihrer Eltern frei kommen? Es ist doch Ihr eigenes Leben, Ihr eigenes Glück, um das es geht. Die Belastungen mit Ihren Eltern sollten doch nun langsam Vergangenheit werden, finden Sie nicht auch? Für das Schicksal Ihrer Eltern sind Sie doch nicht verantwortlich. Wer kümmert sich denn so um Sie, wie Sie sich um Ihre Eltern kümmern? So einen Menschen werden Sie erst dann finden, wenn Sie innerlich Abschied genommen haben von Ihren Eltern. Um die müssen Sie sich nicht mehr so intensiv wie bisher kümmern. Solange Sie nämlich noch innerlich so Ihren Eltern verpflichtet sind, sind Sie seelisch gar nicht richtig offen für sich selbst und für einen liebevollen Partner. Sie haben ja auch Grund, Ihren Eltern böse zu sein. Ihr Vater hat sich kaum um Sie gekümmert, und Ihre Mutter hat Sie mit ihren eigenen Problemen belastet. Auf die eigenen Eltern innerliche Vorwürfe zuzulassen, hilft auch, sich von ihnen zu verabschieden.

Ich glaube, Sie fühlen sich Ihren Eltern und Ihrer Familie seelisch noch zu sehr verpflichtet und verbunden. Das hindert Sie, Ihr persönliches, ganz eigenes Glück zu finden. Verabschieden Sie sich also seelisch langsam von Ihren Eltern. Sie sind nicht verantwortlich für Ihre Eltern. Sie sind für sich selbst verantwortlich. Das macht Sie frei für Ihr eigenes Glück.

Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt